Donnerstag, 25. April 2013

Einkaufs-Erlebnisse ohne Gleichen...

Gestern war ich in einem Buchladen - ich wollte Bücher kaufen, Überraschung ;) Da das eine recht fixe Idee zwischen Arbeitsschluss und schnell-den-Zug-erwischen war, bin ich - zugegeben - in den ersten Buchladen, der mir auf dem Weg vor die Nase kam. Es handelt sich dabei um eine Filiale einer doch recht großen Kette, die man eigentlich überall in Deutschland finden kann; sie fängt mit tha an und hört mit lia auf. Eigentlich ... würde ich vermuten, dass man dort schon das ein oder andere Buch bekommen kann. Auch bei spontanen Aktionen. Eigentlich.
Aber entweder mein Buchgeschmack ist zu exklusiv oder der Laden war einfach schlecht bestückt. Ich möchte mir gern einreden, dass es ersteres ist - aber ich glaube eher, dass es einfach an der Filiale selbst lag, und die eher den breiten Lesergeschmack bedienen, und dafür weniger Platz und Mühe für Außenseiter-Bücher schaffen.
Ich hatte drei Bücher im Kopf, nach denen ich schauen wollte. Zum einen muss ich ja noch "Der Joker" kaufen für den glücklichen Gewinner, den ich nächste Woche ziehen werde. Soll ja ein neues Exemplar werden - muss ich also erst noch kaufen. Dann hat mir Tine mitgeteilt, dass eeeeeeeeeeeendlich der dritte Teil der "Ismael"- Reihe von Michael Gerard Bauer als Taschenbuch erhältlich ist. Die Reihe mag ich total, und da ich die ersten beiden Bücher als TB habe, möchte ich den dritten natürlich auch im gleichen Format. Warten, langes Warten war also in den letzten Monaten angesagt. Und dann hatte ich noch einen Buchtitel im Kopf, wo ich auch einfach mal reinlesen wollte, um zu sehen, ob das was für mich wäre.
Ich habe dann selbst die Regale rauf und runter geschaut und gar keins dieser 3 Bücher finden können. Hmpf. In dieser Filiale finde ich obendrein die Aufteilung und Einteilung der Buchregale so merkwürdig, da stehen Kinderbücher teilweise bei den "normalen" Romanen, Jugendromane aber wiederum nicht, und was, wenn ein Buch weder Liebessschnulze noch Krimi ist - irgendwie gibt es da gar kein wirkliches Regal...??? Nach nochmaligem Ablaufen der Regale entschied ich mich dann, einfach eine der kompetent aussehenden Mitarbeiterinnen zu fragen. Die haben doch ihre Computer und können mir direkt sagen, ob ich noch lange suchen muss, oder ob sie irgendwas im Lager haben.
Ich erspähte also direkt an dem Computer hinter dem Info-Tresen eine Mitarbeiterin und dachte mir, frag ich sie doch einfach, wenn ich die Bücher schon nicht finde.
Ich traf schon extra Vorkehrungen, um es der ohnehin bereits überfordert aussehenden Dame so leicht wie möglich zu machen. Also Handy raus, amazon app aufgerufen, um nach dem Namen des Autoren eines Buches zu suchen, von dem ich nur den Titel wusste - kein Netz. Wtf? Kein Netz?! In einem Buchladen in einem Einkaufscenter mitten in der Stadt?! Na fein. Dann eben nur mit dem Titel. Muss ja auch irgendwie gehen. Auf zur Computer-Lady.
Es folgt ein höchst aufschlussreiches (und wahres!!) Gespräch, das mich wirklich an mir (und ihr) hat zweifeln lassen.
 
Ich: (strahle sie an) Hallo, könnten Sie bitte mal im Computer drei Bücher für mich nachschauen, ob Sie die vielleicht hier haben?
Sie: (schnauft) Ja, komm´n Se mal mit.
(Wir laufen. Fast einmal quer durch den Laden zu einem ganz anderen Computer. Ich denke mir, da hätte ich auch eine andere Dame fragen können, die viel näher an eben diesem PC steht.)
Sie: So... (lässt den linken Zeigefinger bedeutungsvoll über der Tastatur schweben und sieht mich über ihren Brillenrand hinweg an)
Ich: Also, das erste ist von Markus Zusak. Mit Z. Es heißt "Der Joker".
(Offenbar bin ich an eine recht schwerhörige Mitarbeiterin geraten, denn sie schreit mich förmlich an:)
Sie: Zusak??... Hm... Ja, S - U - ... (fängt an zu tippen)
Ich: Nein, mit Z am Anfang.
Sie: Z - U - S - ... (wartet)
Ich: Z - U - S - A - K. Markus. Das Buch heißt "Der Joker".
Sie: (nach kurzem Tippen) Nee, das ham wer nich. (Guckt mich alles andere als bedauernd an.)
Ich: Na gut, dann das zweite. Das ist eine Buchreihe, und dort ist jetzt schon der dritte Teil erschienen. Das Buch heißt "Ismael" und der Autor Bauer. Michael Gerard Bauer. Wie der deutsche Bauer. (Ich schraube meine geistigen Fähigkeiten mal vorsorglich einen Schritt runter.)
Sie: (schon mit wartendem Finger über der Tastatur, rufenderweise:) Wie? Bauer?
Ich: Ja.
Sie: (hat Bauer eingetippt, fährt mich dann aber an:) Na das reicht aber nich, Bauer is ja so häufig, da brauch ich mehr. Wie heißt das Buch?
Ich: Ismael. Eine Buchreihe.
Sie: Ismael??
(Ich nicke. Soo ungewöhnlich ist der Buchname ja nun auch wieder nicht.)
Sie: I - S - M ... (schaut mich erwartungsvoll an)
Ich: ähm... (frage mich, ob sie das ernst meint und ziehe meine linke Augenbraue hoch...) A - E - L
Sie: A - E - L ?
Ich: I - S - M - A - E - L
(Sie tippt. Langsam. Das 10-Finger-Tippsystem beherrscht sie definitiv nicht.)
Ich: (nochmal deutlicher:) Eine Buchreihe. (Irgendwie habe ich zu dem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, dass sie (als Buchhändlerin!) ja vielleicht doch schon von der Reihe gehört hat...)
Sie: (blickt über ihren Brillenrand erst zum Bildschirm, dann zu mir) Nee, ham wer nich. Gar keins davon.
(Schön, irgendwie überrascht mich das nicht.)
Ich: (irgendwie immer noch motiviert, zumindest so ein bißchen:) Gut, dann noch das dritte. Da kenne ich leider gerade den Autoren nicht, ich weiß nur den Titel, der lautet "Tibor und ich".
Sie: (schreit mich schon wieder fast an:) Tumor?
Ich: Nein, TIBOR und ich. (Ich werde auch so ein bißchen laut - werde ich sonst nie.)
Sie: T - I ...
Ich: T - I - B - O - R. (Ich bin lernfähig!)
Sie: (tippt nervenzerreißend langsam. Wundert mich gar nicht, dass sie das "und" oder auch ein "&" in der Suchleiste weglässt, sondern nur "tibor ich" tippt.) Müller. Stefan Müller.
(Sie sieht mich an, als hätte ich auf diese Bond-Darbietung gewartet, dabei will ich doch nur wissen, ob sie es da haben. Meine linke Augenbraue zieht sich also wieder von alleine hoch und ich sehe sie fragend an.)
Sie: Ham wer nich.
 
Ich gehe. Ich kaufe zwar tatsächlich noch etwas, aber das ist eine kleine Überraschung, die es für den Gewinner zu "Der Joker" dazugeben wird, und das ich daher jetzt nicht verrate. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich diese kleine Episode nicht gleichermaßen amüsiert wie entsetzt hat. Dass man mal ein Buch nicht da hat, ok, schön. Aber dass die Mitarbeiter dann dermaßen nicht-kompetent und ahnungslos und ... ja, unfreundlich auftreten... Sie hat mich nicht mal gefragt, ob sie es bestellen soll. Eins von den dreien. Nicht, dass ich das gewollt hätte. Aber ist das nicht das erste, was man sonst immer gefragt wird?! Nach solchen Szenen wird mir dann immer wieder klar, warum ich doch lieber Bücher online bestelle - meistens bei amazon. Da kriege ich es auf jeden Fall, noch dazu ziemlich schnell. Klar, ich habe keinen persönlichen Kontakt - aber mal ehrlich: auf sowas kann ich dann auch verzichten. Da werde ich wenigstens nicht angeschrien.

15 Kommentare:

  1. So macht Shoppen doch wahre Freude *nerv*
    Deswegen kaufe ich fast nur noch online, da kriege ich wenigstens was ich suche und unfreundliche Verkäuferinnen muss ich da auch nicht ertragen =(

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  2. Hmm ok die Mitarbeiterin scheint jetzt tatsächlich nicht wirklich kompetent gewesen zu sein. Wenn die von Zusak und den Ismaelbüchern noch nichts gehört hat, dann lebt sie echt fast hinter dem Mond. Allerdings ist es so, dass in den großen Ketten kaum noch Buchhändler arbeiten, es kann sich also auch um eine Aushilfskraft gehandelt haben und dann noch kurz zu dem Thema, dass sie "und oder &" nicht eingetippt hat. Ich bin selbst Buchhändlerin und das tippt man grundsätzlich nicht ;) So wenige Stichworte wie möglich, dann ist die Suche eigentlich am einfachsten.
    Das soll jetzt aber gar nicht böse gemeint sein, oder so, bitte nicht falsch verstehen. Ich kann deinen Ärger gut verstehen, habe ich meistens in so großen Ketten selbst schon die Erfahrung gemacht, dass dort alles andere als engagierte Mitarbeiter arbeiten ;)
    Liebe Grüße Caro

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    1. Hey caro. oh Gott, das sollte jetzt auch auf keinen Fall so klingen, als würde ich alle Buchhändler so inkompetent finden - bloß nicht!! Ich hab schon ganz wunderbare Beratung bekommen. aber diese eine Dame eben hatte es - salopp gesagt - gar nicht drauf. und auch keine Ahnung, wie man nett zum Kunden ist. in eher kleinen, persönlicheren Buchhandlungen ist das sicher auch noch was anderes.
      und dass sie auf das "und" im Titel beim tippen mit Absicht verzichtet hat, war mir schon klar ;) hat einfach nur gut zur Anekdote gepasst...

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  3. Oh mann, ich hab es echt mit Entsetzen und Belustigung gelesen. War doch in Berlin, oder? Naja, sind halt Verkäufer und nicht unbedingt Buchliebhaber. Obwohl, verkaufen wollte sie dir ja scheinbar auch nix... :-)

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  4. Da liebe ich meine Thalia Filiale in St.Pölten (Österreich), denn da könnte ich Stunden verbringen, alles ist super angeordnet und man findet fast immer alles. Wenn nicht, dann hilft dort auch gerne jemand weiter....aber das was du erlebt hast, geht ja absolut gar nicht! da wär ich wutschnaubend aus dem Geschäft gestürmt und mich hätte dort auch keiner mehr gesehen...
    Liebe Grüße
    Martina

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  5. Sehr schön zu lesen :) Oder vertraut?! Ich bin nämlich froh, dass es wohl nicht nur mir so geht. Eine Thalia-Filiale in Wien hat NIE - ich betone NIE (!!) - die Bücher, die ich haben möchte. Und das bei ... drei Stockwerken? Da finde ich in der Minibuchhandlung um die Ecke mehr. So unausstehliche Mitarbeiter habe ich zwar noch nie erwischt, aber mir ist auch noch kein einziges Mal passiert dass ich eine Dame oder einen Herren am Computer gefragt habe und sie das Buch wirklich hatten ...

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  6. Also nach diesem Dialog wäre ich wohl auch fix und fertig gewesen. War aber wiederum sehr amüsant zu lesen. Da stand wohl jemand ganz schön auf dem Schlauch. In meinem Tha ... lia habe ich bisher glücklicherweise nur gute Erfahrungen gemacht. Selbst, wenn ein Buch mal nicht vorrätig war, wurde ich gleich nach der Bestellung gefragt (ja, das gehört eigentlich zum Service dazu) und einen Tag später konnte ich es dann stets abholen. Aber vielleicht war das ja wirklich keine richtige Buchhändlerin. Mittlerweile bilden die bei besagter Kette ja auch Einzelhandelskaufleute aus und das scheint dann in solchen Fällen stark zum Nachteil zu sein. Wobei man auch da eigentlich mit den Verkaufsartikeln vertraut sein sollte.

    An sich kaufe ich schon gerne mal direkt in der Buchhandlung, obwohl Amazon & Co. durchaus praktisch sind. Doch da meine Mutter selbst im Handel (allerdings Schuhe) tätig ist und man schon mitbekommt wie schädlich der Onlinehandel sich in der Branche auswirken kann (bedeutet für viele Verkäufer derweil weniger Gehalt für mehr Stunden Arbeit), gehe ich doch gerne mal vor die Tür, wenns ums Shoppen/Bücher einkaufen geht. Nach solch einem Erlebnis wäre ich dann allerdings wohl auch gleich zu Amazon gewandert. Praktisch und schnell ist es ja wahrlich. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Oho, meine neidischen Ohren klingeln: deine Mama ist im Schuhhandel tätig? Hast du da Vergünstigungen oder bist immer die Erste, die die schönen Schuhe ansehen und -probieren kann? ;)
      Spaß beiseite, ich weiß, dass ich lieber im Laden kaufen sollte, als online zu bestellen. Und dass ich auch mal lieber unabhängige Buchgeschäfte besuchen sollte als die großen Ketten. Aber ich hab´s leider schon öfter gehabt, dass die Besuche in solchen Buchläden zum absoluten Flop ausarteten (wie der hier geschilderte), dass ich da einfach zunehmend vorsichtig werde... Und ja - es ist halt ein echter Vorteil, weil ich z.B. bei amazon alles finde, alles kriege, und das noch dazu in Rekordzeit. Das wiegt dann bei mir manchmal einfach mehr.

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    2. Ach, so neidisch brauchst du da nicht sein. Ich kriege schon Rabatt, wenn ich bei meiner Mutter im Laden einkaufe, aber da wir mittlerweile in anderen Städten wohnen und es mich nur selten in die alte Heimat verschlägt, sind die Arbeitsbesuche recht selten geworden. Zudem bin ich keine typische Frau, was Schuhe (und Taschen) betrifft.

      Und ich gebe es ja zu: hin und wieder ist es natürlich schon praktisch im Inet zu bestellen. Ist ja nicht so, als würde ich nicht auch gerne mal den virtuellen Einkaufskorb vollpacken. Bei kleinen Buchhandlungen kann ich dich verstehen. Dort zieht es mich auch eher selten hin, was zum Teil aber auch daran liegt, dass ich in meiner Nähe einfach keinen habe und Tha...lia einfach in greifbare Nähe ist. Und nun ja, Amazon wird natürlich auch mal ganz gerne genutzt, wenn mich mal nach Ladenschluss die Lust aufs Büchershoppen überkommt. Leider wird aus einem nur gucken, mal ganz flott ein "Klick" und "Zur Kasse". :)

      Liebe Grüße
      Reni

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  7. Wie Caro bin ich mir sicher, dass die Dame keine Buchhändlerin war! (Und ich jammere jetzt nicht darüber, dass die Einstellung solcher "engagierten" Kräfte dafür sorgen, dass wir Buchhändler kaum noch Jobs im Buchhandel bekommen. ;) )

    Was die lustiges Sortierung des Ladens angeht, so wurde ich mal darüber informiert, dass das von der Zentrale festgelegt würde und man keinen Einfluss darauf hätte. Ich hatte mich nämlich beschwert, weil "Flavia de Luce" bei der Fantasy einsortiert war (und nach der Auskunft ist mein Mann aus dem Laden geflüchtet, weil ich die Flavia dann unauffällig umgeräumt habe *g*.)

    Da hattest du auf jeden Fall ein sehr merkwürdiges - und hoffentlich einmaliges - Buchhandlungserlebnis!

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    1. Also, wie gesagt: ich möchte um Gottes Willen hier keine Buchhändler vergraulen oder beleidigen! Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein solches Exemplar wie die besagte Dame eher die Ausnahme ist, und dass "echte" Buchhändler durchaus in der Lage sind, höflich und hilfsbereit zum Kunden zu sein, selbst wenn sie Stress haben. Aber das Erlebnis war einfach zu herrlich-unmöglich, dass ich davon einfach mal erzählen musste.

      Und zu der Sortierung im Regal: bei manchen Geschäften funktioniert sie wunderbar, bei anderen in meinen Augen überhaupt nicht. Keine Ahnung, wer da das Sagen hat; aber wenn ich einigermaßen erkennen kann, dass es nach Alphabet sortiert ist, bin ich schon froh :)

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    2. Keine Angst, das war mir schon bewusst. :D Ich ärgere mich ja selber, wenn ich im Buchhandel auf solche "Kollegen" treffe. ;) Aber es ist eben auch eine Tatsache, dass ungelernte Kräfte weniger Lohn bekommen als ausgebildete Buchhändler (und da ist die Bezahlung schon nicht gerade üppig), so dass immer mehr Geschäfte dann lieber solche Leute einstellen. Wobei ich auch großartige "ungelernte" Buchhändler getroffen habe, die mit viel Herzblut und Sachwissen bei der Arbeit waren ...

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  8. Bei Thalia gibt es doch zu 40 % nur noch Krimskrams. Kirschen eingelegt in Rum oder Rucksäcke von Prinzessin Lillifee. Es wundert mich nicht, dass da kein Platz für "ausgefallene" Bücher ist.

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    1. "Kirschen eingelegt in Rum" *staun* ich glaube, dein Thalia muss ich mal besuchen... :D

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  9. Und vor allem, dass man Zusak nicht kennt...!!! Ich bin geschockt.

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