Donnerstag, 28. März 2013

"Ein ganzes halbes Jahr" - Jojo Moyes

Rowohlt Verlag, 2013
14,99 Euro

Handlung:
Lou & Will. Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt. Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
Nach den ersten Seiten "Ein ganzes halbes Jahr" hatte ich den Gedanken im Kopf, dass ich bereits jetzt wüsste, wie das Buch endet. Und tatsächlich, ich sollte Recht behalten: die Geschichte endet genau so, wie ich mir schon am Anfang gedacht habe. Ich würde dennoch nicht behaupten, dass man schon am Anfang ahnen kann, was einen hier erwartet. Dass die Geschichte vorhersehbar oder gar durchschaubar ist.
Das ist sie nicht. "Ein ganzes halbes Jahr" ist eine ganz wundervolle, gleichermaßen komische wie tieftraurige, berührende und aufrüttelnde Geschichte von zwei Menschen, von denen der eine nicht mehr leben möchte, und der andere gar nicht weiß, was er mit zuviel Leben anfangen soll.
Louisa verliert den festen Boden unter den Füßen, als sie arbeitslos wird. Fortan weiß sie nicht so recht, wie es bei ihr weitergehen soll. Sie landet als eine Art "Gesellschafterin" bei Will, einem jungen Mann, der durch einen tragischen Unfall im Rollstuhl sitzt - gelähmt und nicht mehr in der Lage, ein selbstständiges Leben zu führen. Zunächst wundert sie sich, warum ausgerechnet sie diesen Job erhält, obwohl sie eigentlich keinerlei Qualifikationen vorweisen kann. Nach einiger Zeit erfährt sie den wahren Grund für ihre Anstellung - und warum diese nur 6 Monate, ein ganzes halbes Jahr also, umfassen wird.
Ich habe "Ein ganzes halbes Jahr" mit sehr gemischten Gefühlen und Gedanken gelesen und beendet, die ich hier keinesfalls alle wiedergeben und zusammenfassen kann. Das Buch bringt den Leser unweigerlich zum Nachdenken. Zum Nachdenken und Reflektieren der eigenen Meinung zu Themen wie: was macht den Sinn des Lebens aus, wie würdevoll ist ein Leben unter bestimmten Bedingungen, wann... ja, wann sind sterben und sterben lassen vielleicht die annehmbareren Alternativen. Getragen werden diese Fragen hier ganz wunderbar durch die beiden liebevoll gezeichneten Figuren Louisa und Will, von denen mir vor allem Lou mit ihrem unnachahmlichen Sinn für Humor und Optimismus sehr ans Herz gewachsen ist.
Ich würde "Ein ganzes halbes Jahr" gar nicht so sehr als Liebesgeschichte deklarieren, wie es die Inhaltsangaben teilweise tun. Sicher, da ist eine Zuneigung zwischen beiden zu spüren; man merkt, dass beide sich im Laufe der Zeit immer wichtiger werden. Aber hier steht nicht der Aspekt des Sich-Verliebens oder irgendwelcher schmetterlingshafter Gefühle im Vordergrund. Es geht darum, wie sehr ein anderer Mensch das eigene Leben lebenswert(er) machen kann. Jojo Moyes zeigt, wie 6 Monate unter Umständen alles ändern können.
Sehr schön fand ich in dem Zusammenhang die Idee, einzelne Kapitel aus einem völlig anderen Blickwinkel zu präsentieren, den Fortlauf der Geschehnisse also beispielsweise mal aus den Augen von Wills Vater oder Lous Schwester darzustellen, obwohl die Haupthandlung aus Louisas Perspektive erzählt wird. Dadurch sieht man mit den Augen der anderen, was sich zwischen Lou und Will abspielt. Und gemeinsam mit Louisa kann man nicht anders, als eine gewisse Hoffnung aufzubauen, diese Frage, ob und was denn schlussendlich möglich ist.

Fazit:
Ich halte "Ein ganzes halbes Jahr" für durchweg lesenswert. Die bei mir befürchteten Tränen kullerten am Ende zwar nicht, dennoch geistern mir das Buch und die Fragen, die es beinhaltet, noch heute, einige Tage nach dem Auslesen, im Kopf herum. Und das ist wohl das, was ein Buch schaffen möchte und schaffen sollte. Lesenswerte 5 Bücherstapel.

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