Dienstag, 19. Februar 2013

Stürmische Zeiten bei Frau Brontë

In den letzten Tagen habe ich "Wuthering Heights" (= "Sturmhöhe") gelesen. Eigentlich hatte ich davor nie so recht eine Ahnung, worum es wirklich geht; ich wollte es dennoch einfach mal gelesen haben - es gehört ja bekanntermaßen zur "Weltliteratur". Ganz allgemein wusste ich eigentlich nur, dass eine Catherine eine Rolle spielt und dass es einen Heathcliff gibt, und Wuthering Heights der Name eines Hauses ist, eines wohl recht sturmgepeitschten Hauses immerhin.
Das war´s dann auch schon mit meinen Vorkenntnissen, aber die hielten mich natürlich nicht davon ab, mir gewisse Dinge vorzustellen (und einzubilden), worum es gehen könnte. Fragt mich nicht, warum und wie ich drauf komme; vielleicht bin ich einfach hoffnungslos romantisch gepolt, vielleicht bin ich aber auch einfach von den Jane Austen-Romanen vorgeschädigt, dass ich dachte, bei Frau Brontë müsste es ähnlich romantisch-verklärt direkt auf das ersehnte Happy End zugehen. Jedenfalls glaubte ich doch tatsächlich, hier würde es im Laufe der Geschichte irgendwann mal romantisch werden. Zum Mitschmachten und Aufseufzen. Ich dachte, Heathcliff - kurze Pause: lasst euch doch mal alleine diesen Namen auf der Zunge zergehen, Heeeeathcliffffff - das schreit doch nach einem anbetungswürdigen, höchst attraktiven Helden mit breiten Schultern und wehendem Haar, jemand, der die Lady des Hauses auf Händen trägt, der sich dem Sturm draußen entgegen stellt und einfach ... tja, weiß auch nicht, halt so Darcy-mäßig ist... (Und nicht dass wir uns falsch verstehen: im Gegensatz zu Mr Darcy war Heathcliff in meiner Vorstellung stets ein Schrank von einem Mann, so Henning Baum- artig...) Also ich dachte jedenfalls, zwischen eben diesem Heathcliff und besagter Catherine würde sich eine hinreißend-kitschige Liebesgeschichte mit zahlreichen zu überwindenen Hürden entspinnen, so nach dem Motto "Sie wollen, aber sie dürfen nicht!" - und das alles in diesem furchtbar windigen Haus.

Tja. Da lag ich wohl falsch.

Denn Heathcliff in "Wuthering Heights" ist ein absoluter Antiheld, jemand, dem ich persönlich nicht begegnen möchte. Ich hab das Buch als ebook gelesen, aber selbst auf den elektronischen Seiten flaute mein Eindruck eines stinkigen und leicht verwahrlosten Draufgängers nicht ab. Heathcliff ist sozial inkompetent, cholerisch und unfassbar rachsüchtig. Und darum geht´s ja auch in "Wuthering Heights": um Hass. Hass und Rache sind die Motive, die sich quer durch die Geschichte ziehen, über mehrere Generationen hinweg, mal mehr, mal weniger nachvollziehbar. Als Findelkind aufgenommen, erlebt er in der Familie Earnshaw eine eher schwere Kindheit, in der der Sohn des Hauses, Hindley, ihm das Leben zur Hölle macht, dessen Schwester Catherine sich jedoch mit Heathcliff anfreundet. Aus dieser Freundschaft wird jedoch nicht mehr, da Catherine trotz ihrer Zuneigung zu Heathcliff im heiratsfähigen Alter lieber einen standesgemäßen und reichen Jemand heiraten möchte, und diesen Jemand in Edgar Linton auch findet. Fortan schwört Heathcliff, dies heimzuzahlen und vollzieht seinen Racheakt über Generationen hinweg, indem er sowohl in der Familie Earnshaw als auch Linton Zwist, Gewalt und Zerstörung sät.
Also nix mit Liebesgeschichte. Unabhängig davon, dass sich meine Vorstellungen von dem Buch nicht bewahrheitet haben, fiel mir das Lesen dieser Geschichte ungewohnt schwer. Eigentlich liebe ich diese altertümliche Sprache und die komplizierten Umschreibungen, die damals verwendet wurden. Hier habe ich in die ständig auftauchenden und noch dazu lang gehaltenen Dialoge jedoch nicht so recht eintauchen können, sodass ich einige Sätze mehrfach lesen musste. Ungewohnt war auch der Erzählstil als solcher: die Geschichte wird aus der Sicht eines Mr Lockwood erzählt, eines neuen Pächters. Dieser wiederum berichtet, was die Haushälterin und Kinderfrau Mrs. Dean ihm über die unglückselige Beziehung von Heathcliff und Catherine erzählt, sodass es sich also gewissermaßen um einen Bericht im Bericht handelt. Ungewohnt. 
Zum Inhalt selbst kann und möchte ich gar nicht viel sagen. Wie schon erwähnt, handelt "Wuthering Heights" von den Hass- und Rachebemühungen eines unglücklichen Mannes. Dass diese Motive so heute derart wohl nicht mehr verkörpert werden, und den Verwicklungen damals ein ganz anderer Stellenwert zugeschrieben wurde, versteht sich von selbst - immerhin ist die Geschichte von 1847. Trotzdem blicke ich jetzt eher etwas enttäuscht auf die Geschichte zurück. Sie beherbergt einfach kaum, oder vielmehr gar keine Figur, die mir sympathisch erschien, mit der ich hätte mitleiden und mitlachen können. Mitlachen schon gleich gar nicht, denn zu lachen gab es bei dieser Familienfehde nichts. Vielmehr werden einem hier völlig kaputte, undankbare und unerfreuliche Familienverhältnisse präsentiert, bei denen man sich einfach nur wünscht, man würde sie nie selbst erleben. Man wird völlig depressiv und abgestumpft, wenn man das liest! Nicht zu vergleichen mit der heimeligen Atmosphäre im Hause Bennett oder Woodhouse, um einmal mehr den Vergleich mit den Werken Jane Austens zu bemühen.
Ich hab "Wuthering Heights" also einmal gelesen, und bin froh drüber. Aber gefallen - gefallen hat es mir nicht. Und der Name Heeeeeathcliffff hat auch irgendwie seinen Reiz verloren...

4 Kommentare:

  1. Schade, dass dir der Roman nicht so gefallen hat. Mich hat er total fasziniert und gefesselt und ist mir auf alle Fälle länger im Gedächtnis geblieben als ein Jane Austen-Roman (wobei ich diese auch liebe).

    Warum er allerdings oft in die Romantik-Richtung vermarktet wird, ist mir echt ein Rätsel. Umso mehr ja seit Twilight, da gibts jetzt teilweise Aufkleber auf dem Cover ala "Bellas und Edwards Lieblingsbuch". *schauder*

    AntwortenLöschen
  2. Ach ja... An Twilight hatte ich gar nicht mehr gedacht, stimmt ja. Naja, ich weiß gar nicht, ob dieses Buch wirklich so sehr in Richtung "Romantik" geschubst wird. Ich hatte - warum auch immer, ich weiß es nicht! - jedenfalls immer die Assoziation, dass es da auch um eine Liebesgeschichte geht. (Naja, im weitesten Sinne tut es das ja auch...) Aber das war halt einfach nur meine Vorstellung, mit der ich scheinbar immer völlig daneben lag.

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe aber schon in mehreren Rezensionen gehört, dass der Roman eher polarisiert bis nciht gefällt. Wenn du es noch nicht getan hast, solltest du aber etwas von ihrer Schwester Charlotte lesen. "Jane Eyre" ist denke ich freundlicher als die "Sturmhöhe" (allein der Name klingt ja nicht so nett). :)

    LG Anni

    AntwortenLöschen
  4. "Jane Eyre" habe ich schonmal, vor Jahren, gelesen. Rücklickend glaube ich auch, dass mir dieser Roman besser gefallen hat als "Sturmhöhe", wenn er sich auch ein wenig gezogen hat... :)

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena