Samstag, 12. Januar 2013

"Villa des Schweigens" - Ulrike Rylance

dtv, 2012
6,95 Euro

Handlung:
Eigentlich hat Nina die Party nur veranstaltet, um ihre WG-Mitbewohner besser kennenzulernen – jetzt ist Stefans Freundin tot! Selbstmord? Zunächst sieht alles danach aus. Doch dann verschwinden Dinge aus Ninas Zimmer und sie fühlt sich permanent beobachtet. Als sie langsam ahnt, was hier gespielt wird, ist es schon fast zu spät. 
(Quelle: hier)


Meine Meinung:
Für ein Praktikum geht Nina einige Wochen nach Leipzig und landet nach recht erfolgloser Unterkunft-Suche im Haus von Julius. Eigentlich ist dieses Haus eher eine riesige Villa mit allem Drum und Dran, und auch wenn Nina die Mitbewohner Claire, Benjamin und Stefan zunächst etwas eigenartig vorkommen, zieht sie mit Freuden in das dort leerstehende Zimmer ein. Was zunächst nach Freiheit, Unabhängigkeit und ersehnter Selbständigkeit aussieht, bekommt jedoch nach und nach einen bitteren Beigeschmack: die WG-Bewohner scheint ein Geheimnis zu umgeben, merkwürdige Geschenke und Gedichtzeilen tauchen in Ninas Zimmer auf, und warum benehmen sich eigentlich alle so komisch, wenn das Gespräch auf ihre Vormieterin Jule kommt? Als es sogar zu einem tödlichen Vorfall im Haus kommt, ist der Zauber des ersten eigenen Wohnens für Nina ganz schnell verschwunden…
„Die Villa des Schweigens“ hat mir ausgesprochen gut gefallen. Frau Rylance schafft es, mit ihrer Geschichte eine so drückende Atmosphäre zu kreieren, die den Leser ebenso wie Nina selbst völlig im Dunkeln über die Gründe der unheimlichen Geschehnisse lässt. Die Bewohner der Villa sind – gelinde gesagt – alle nicht ganz normal und benehmen sich merkwürdig. Jeder scheint hier ein Geheimnis mit sich herumzutragen; aber ist dennoch tatsächlich jemand zu einem Mord fähig? Wer legt Nina stets auf so unheimliche Weise kleine Geschenke und Gedichtzeilen in ihr Zimmer, selbst, wenn sie nur ein paar Minuten aus dem Raum gegangen ist? Die Spannungskomponente im Buch hat mir beim Voranschreiten der Handlung durchweg gut gefallen, letztlich liest man sich in rasantem Tempo durch das Buch, um herauszufinden, was hinter dem sprichwörtlichen Nebel steckt, der die Villa umgibt. Dass dabei durchaus ein Mensch seine Hand im Spiel hat und nicht gar irgendein übersinnliches Wesen, erkennt man schon an zwischengeschalteten Monologen einer Person nach jedem Kapitel, die offenbar die Fäden in der Hand hält. Nein, „Die Villa des Schweigens“ kommt gänzlich ohne Fantasygestalten aus – was auch mal erfrischend ist inmitten der ganzen aktuellen überirdischen Literatur auf dem Markt.
Einzig Nina selbst hat mir manchmal Grund zum Grübeln und Seufzen gegeben, denn für eine toughe Hauptakteurin war sie mir einfach zu naiv und gutgläubig. Statt sich Luft zu machen und endlich Klartext zu reden, um herauszufinden, wer ihr scheinbarer „Verehrer“ ist, spielt sie stilles Mäuschen und nimmt einfach alles als harmlos hin. Ein wenig mehr investigatives Nachfragen hätte ich nachvollziehbarer gefunden.

Fazit:
„Die Villa des Schweigens“ hatte mir schon beim Lesen der Leseprobe gut gefallen, und nach dem Lesen des gesamten Buches bin ich nicht enttäuscht worden. Interessante Figuren, die alle ihre Leichen im Keller haben, geben sich in einer alten, halb baufälligen Villa ein Stelldichein. Das Buch hat mich so neugierig gemacht, dass ich mich jetzt auch nach anderen Büchern der Autorin umschauen werde. 5 Bücherstapel.

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