Samstag, 31. März 2012

"Ready Player One" - Ernest Cline

Penhaligon Verlag, 2012
19,99 Euro

Handlung:
Im Jahr 2044 hat die reale Welt für Wade Watts nicht mehr viel zu bieten. Daher flieht er - wie die meisten Menschen - in das virtuelle Utopia von OASIS. Hier kann man leben, spielen und sich verlieben, ohne von der bedrückenden Realität abgelenkt zu werden. Da entdeckt Wade in einem Online-Game den ersten Hinweis auf einen unsagbar wertvollen Schatz, den der verstorbene Schöpfer von OASIS in seiner Cyber-Welt versteckt hat. Plötzlich ist Wade eine Berühmtheit, aber er gerät auch in das Visier eines Killerkommandos - in OASIS und in der Realität. Wade weiß, dass er diese mörderische Hetzjagd nur überleben kann, wenn er das Spiel bis zu seinem ungewissen Ende spielt!
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
„Ready Player One“ ist ein wahrer Pageturner, der Unterhaltung, Spannung, ein großes Abenteuer und Erinnerungen an vergangene Zeiten gleichermaßen bietet. Ich hab das Buch förmlich verschlungen und denke mir jetzt, dass ich gern viel öfter solche Bücher lesen wollen würde.
Wade Watts lebt einige Jahrzehnte in der Zukunft und wächst in der Generation der „OASIS“-Spieler auf: eine Art allumfassendes Computerspiel, das eine virtuelle Realität schafft, in die man sich über eine Videobrille und mithilfe von haptischen Steuerhandschuhen jederzeit einwählen und dort präsent sein kann. Mehr als präsent. Manch einer lebt dort 24 Stunden am Tag, geht zur Schule, arbeitet virtuell, ja, verliebt sich und heiratet sogar dort in der OASIS - ohne den Ehepartner jemals wirklich gesehen zu haben. Hier begegnen sich nämlich nur die Avatare der Mitglieder in einer künstlich geschaffenen Welt von Millionen von Planeten und Welten, und diese Avatare müssen dem realen Bild der spielenden Person natürlich nicht zwangsläufig entsprechen. Die OASIS bietet die perfekte Kulisse der Anonymität für die Milliardenbevölkerung - ohne jemals wirklich alleine zu sein, denn quasi jede Person auf der Welt besitzt einen Zugang zur OASIS.
Eines Tages stirbt James Halliday, der Erfinder und Programmierer der OASIS und hinterlässt eine Schatzsuche für die gesamte Welt: laut seinem Testament hat er ein „Easter Egg“ in der OASIS hinterlassen und versteckt (ein kleines verstecktes pixeliges Etwas also, ein Ding, das quasi alles sein kann). Derjenige, der dieses Easter Egg als Erster findet, erbt sein gesamtes Vermögen - mehrere hundert Milliarden Dollar immerhin. Mit diesem Tag beginnt eine Schnitzeljagd der etwas anderen - virtuellen - Art, an der sich die gesamte Welt beteiligt. Und Wade Watts, ein Niemand ohne Leben, wird plötzlich zur bekanntesten Person auf Erden, als er der Erste ist, der die entscheidenen Hinweise entdeckt...
WOW, was für ein Buch!!! Ich bin völlig begeistert, denn etwas so umreißendes und spannendes hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ich oute mich hiermit: ich hab von Computerspielen und allem, was damit zusammenhängt, nicht viel Ahnung. Und dieses Buch strotzt nur so vor Spielebeschreibungen, Anleitungen, alten Erinnerungen an längst vergangene Computerversionen und Animationen usw. Ist also vielleicht nicht so mein Ding, dachte ich anfangs. Aber schon nach dem ersten Kapitel war ich Feuer und Flamme für diese Geschichte. Und es macht unglaublich Spaß, Wade dabei zu begleiten, wie er sich durch das undurchschaubare Dickicht von Informationen und Ideen kämpft, die Halliday betreffen. Man liest/spielt sich sozusagen mit Wade durch die Computerspiele und - animationen hindurch, um voran zu kommen und Hinweise zu sammeln. Das geht sogar soweit, dass ich an diversen Stellen wirklich erst überlegen musste, ob wir uns jetzt eigentlich in der künstlichen OASIS befinden, oder doch noch auf der Erde - so genial ist diese Welt, die der Autor hier entwirft. Ernest Cline bereitet ein solch detailreiches Szenario aus, das sich stets in der Mischung zwischen Zukunfts- Sci- Fi und längst vergangener 1980er- Jahre Popkultur bewegt - dem Jahrzehnt, in dem Halliday ein Teenie war und das ihm daher besonders am Herzen lag. Zugegeben, an manch einer Stelle war dann auch ich etwas überfordert, wenn beispielsweise die Aufzählungen der Automatenspiele aus den 80er Jahren etwas überhand nahmen oder von Filmen gesprochen wurde, die ich nicht kannte. Aber eigentlich hat mich auch das nicht sonderlich gestört; im Gegenteil - genau das macht den Reiz des Buches aus.
Das Ende ist fantastisch und hat mich wirklich gefreut. Passt.

Fazit:
Ich kann „Ready Player One“ eigentlich nur empfehlen. Jeder, der sich jetzt denken mag, „ich hab keine Ahnung von Automaten- und PC-Spielen“ - ich auch nicht. Aber das tut der Unterhaltung keinen Abbruch und außerdem schafft es der Autor, selbst die kompliziertesten „PC-Hacker-Moves“ noch anschaulich und verständlich zu erklären. Volle Punktzahl für einen fantastischen unterhaltsamen Roman!

Ein herzliches Dankeschön beim Penhaligon Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionssexemplar!

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"Zweiunddieselbe" - Mary E. Pearson

Fischer Verlag, 2009
14,95 Euro

Handlung:
Wie weit würdest du gehen, um einen Menschen zu retten, den du liebst? Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Spannung verdichtet sich bis ins Unerträgliche, ja fast Klaustrophobische. Denn die Wahrheit, der Jenna Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: Jenna hatte einen furchtbaren Unfall. Ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch was von ihr übrig war, waren nicht mehr als zehn Prozent ihres Gehirns. Wie viel Persönlichkeit steckt in diesen zehn Prozent? Wie viel davon ist Jenna?

Meine Meinung:
Irgendwann in der nahen Zukunft: Jenna Fox wacht auf und weiß nicht mehr, wer sie ist. Nach einem Unfall liegt sie monatelang im Koma, und als sie daraus erwacht, ist nichts mehr, wie es vorher war. Nachdem ihr einige Dinge sehr merkwürdig vorkommen und sie anfängt, zu hinterfragen, was eigentlich genau passiert ist, erzählen ihre Eltern ihr die ganze Wahrheit: nach dem Unfall war von ihr, von Jennas Körper nicht mehr viel zu retten, nur noch einige Teile ihres Gehirns, und ihre Eltern mussten eine Entscheidung treffen. Ihr jetziger Körper, die "neue" Jenna sozusagen, besteht nur noch zu 10% aus ihr selbst, der Rest ist künstlich erzeugtes Biogel...
Die Fragestellungen, die der Geschichte zugrunde liegen, finde ich (nicht nur aus beruflichen Gründen) ziemlich interessant: was macht die Persönlichkeit eines Menschen aus? Wieviel "Mensch" ist man noch nach einem schweren Unfall, der viele Teile des Gehirns zerstört hat? Ist man mit 10% seines Wesens eigentlich noch man selbst? Was macht das "Ich" aus?
Antworten auf diese Fragen wird man in diesem Buch nicht finden; wie auch, dafür ist die Persönlichkeit des Menschen ein viel zu komplexes Thema. Frau Pearson beschränkt sich daher auch darauf, zu beschreiben, wie Jenna die Wahrheit erfährt und wie sie damit umgeht. Das Ganze gipfelt in einem - wie ich finde - recht plumpen und sehr futuristisch- Sci-Fi- artig anmutenden Ende.
Kurz und gut: ich war ein wenig enttäuscht. Ich hab mit Jenna mitgefiebert und fand die Entwicklung, die sie nach ihrem "Erwachen" durchmacht, sehr angenehm und plausibel zu lesen. Trotzdem war mir die Auseinandersetzung mit dem Thema zu oberflächlich. Die Einblicke, die der Leser in die Gefühls- und Gedankenwelt von Jenna erhält, sind eher mager; und auch wirkliche Konsequenzen dieses gewagten Schritts der Eltern - ihre Tochter künstlich wiederherzustellen -, sowohl gesellschaftliche als auch private, werden praktisch nicht diskutiert. Das hätte man sicher noch etwas vertiefen können. So bleibt das Bild von Jenna als Jugendlicher, die nach einem Unfall noch einmal neu mit ihrem Leben anfängt und dabei nicht weiß, ob sie noch 2 oder 200 Jahre zu leben hat - dieser Frage aber auch nicht wirklich etwas entgegen zu setzen hat.
Das Ende fand ich schade, denn das kam meinen Vorstellungen nicht wirklich nahe. Zum einen habe ich kleine Aspekte ganz am Schluss nicht verstanden, zum anderen "passte" dieser Ausgang nicht wirklich zur Gesamthandlung, finde ich.

Fazit:
Ich habe das zweite Buch von Mary E. Pearson, "Ein Tag ohne Zufall", vor einer Weile zuerst gelesen und fand es wunderschön und wirklich bewegend. Von diesem noch davor veröffentlichten Roman der Autorin, "Zweiunddieselbe", hatte ich daher etwas ähnlich gutes erwartet, aber das konnte der Roman leider nicht halten. Das Thema ging mir überhaupt nicht nahe; die Möglichkeit, mich in Jenna und ihre Gedanken hinein zu versetzen, hat mir hier völlig gefehlt. Noch dazu fand ich das Ende nicht wirklich gelungen. 3 von 6 Bücherstapel.

Freitag, 30. März 2012

Freitagsgedanken

Buchiges:
Bei mir stapeln sich die Bücher. Ich kann momentan irgendwie gar nichts dagegen machen. Ständig flattern mir neue Bücher ins Haus und meine "to-read" Liste wird immer länger. Diese Woche hab ich wieder so tolle Bücher bekommen, dass ich am liebsten alle gleichzeitig lesen würde und ich mich stets bremsen muss, weil bei mir das simple Prinzip gilt "Rezensionsexemplare zuerst". Glücklicherweise habe ich gerade so schöne und vielversprechende Leseexemplare bekommen, dass ich mich quasi in einem ständigen Lesehoch befinde - wenn ich denn mal zum Lesen komme, was zur Zeit irgendwie nicht oft der Fall ist.
Heute lese ich "Ready Player One" von Ernest Cline, das ich über Blogg dein Buch bekommen habe, und das Buch ist der Hammer! Total klasse!! Man befindet sich mit der Hauptfigur Wade ständig in einer virtuellen Realität und spielt beim Lesen sozusagen Computerspiele durch - echt irre. Ich hab noch etwa 100 Seiten vor mir und will die heute auch noch schaffen, weil ich uuuuunbedingt wissen will, wie das ausgeht. Rezension folgt dann.
Meine aktuelle "Abendlektüre", sprich: das, was ich lese, bevor ich abends nachts das Licht ausmache, ist "The curse" von Emily Bold als e-book auf dem Kindle; und das gefällt mir auch richtig gut. Es strotzt zwar nur so vor Rechtschreib- und Kommafehlern (da merkt man dann eben doch, wofür ein Lektorat bei "richtigen Büchern" sonst zuständig ist), aber ziemlich spannend. Und es spielt in Schottland ;) (Apropos: Edinburgh war total schön. Ich habe mal auf einen ausschweifenden Bericht verzichtet, weil ich auf diesem Literatur-Blog ja eh schon oft genug vom Thema abschweife. Naja...)

Musikalisches:
Wuhuuuuu, Maximo Park sind wieder da!!! Gestern habe ich einen kleinen Freudentanz in meinem Büro aufgeführt, als ich gelesen habe, dass im Juni eeeeeendlich das neue Album "The National Health" erscheint. Über die Coverfarbe (pink?!?!) kann man sich mal streiten, aber auf die Mucke freu ich mich schon. Und auf die Liveauftritte, die dann hoffentlich folgen.
Und ich schließe meine Freitagsgedanken ebenfalls mit Musik. Momentan bin ich krank, mich hat eine Erkältung mal wieder voll erwischt. Und was hilft mir, wenn ich krank bin? Harry Potter lesen (was ich gerade mal nicht tue, aus oben genannten "bei mir stapeln sich die Bücher, aaaahhhh!"-Problem) und Keane hören. Gedanklich schwelge ich auch jetzt noch im Bexhill-Konzert Anfang Mai und ich werde mich jetzt nicht zurückhalten: hier gibt´s die erste Single "Silenced by the night" für alle Interessierten zum Hören. (Übrigens: "Leider" wird in Deutschland nicht "Silenced by the night" die erste Single vom neuen Album (nur überall anders, warum auch immer), sondern "Disconnected"; ein Song, mit dem ich mich bisher noch nicht so angefreundet habe. Ich mag SBTN lieber. Deswegen gibt´s jetzt hier:)

Dienstag, 27. März 2012

"Ascheträume" - Maurizio Temporin

ivi Verlag, 2012
14,99 Euro

Handlung:
Thara ist ein 17-jähriges Mädchen, das ihre violetten Augen hasst. Sie möchte nichts lieber als ein ganz normales Leben führen. Alles ändert sich jedoch, als sie an einer Schwertlilie riecht und der Duft sie an einen düsteren Ort entführt: Eine Welt aus Asche, in der alles, was in der Realität verbrannte, wieder aufersteht. In dieser lebensfeindlichen Welt lernt sie Nate kennen, der dort gefangen gehalten wird. Thara verliebt sich in Nate, auch wenn jede Berührung für sie bedeutet, dass sie zu Asche zerfällt. Beim Versuch, ihn zu befreien, öffnet Thara unwissentlich einem Wesen ein Tor, das nur darauf gewartet hat, ihre Welt in Schutt und Asche zu legen …
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
In meinen Augen könnte der Debütroman des jungen Italieners ein kleines Wunderwerk sein... wenn die zweite Buchhälfte nicht wäre. Denn die hat mich maßlos enttäuscht und tatsächlich dazu geführt, dass ich das Buch einfach nur noch schnell zu Ende lesen wollte.
Aber von Anfang an: die 17jährige Thara - ein durchaus sympathisches Mädel mit einem kleinen Problem: Anwandlungen von Narkolepsie, der Schlafkrankheit, überfallen sie in den unmöglichsten Momenten und können schon mal dazu führen, dass sie inmitten ihres ersten Dates auf der Tischplatte einschläft. Thara also entdeckt eines Tages, dass sie, sobald sie an der Blüte einer Iris riecht, in eine Art Traumwelt fällt, eine komplette Welt aus Asche. Cinerarium nennt sie diese, und dort lernt sie Nate kennen, einen Jungen, der dort offensichtlich schon sehr lange Zeit zubringt und sich an nichts aus seinem Leben mehr erinnern kann. Aus lauter Zuneigung (und hier trifft der liebe Leser einmal mehr auf recht spontan auftretende Liebelei zwischen jugendlichen Buchhelden) zu ihm beschließt sie, mit der Hilfe ihrer Freunde Leo und Christine sowie eines Bekannten ihrer Mutter, Charles, das Rätsel um diese merkwürdigen Traumweltreisen zu erkunden - und Nate zu retten.
Bis dahin ist alles super. Ich fand den Plot interessant, Thara und ihre Freunde durchaus spannende Gesellen, und „Ascheträume“ weist (zumindest) meistens auch eine angenehme Schreibart auf, die dem Debütautoren (oder der Übersetzung?) hier wohlwollend anerkannt werden kann. Ich hab mich gefreut auf eine tolle Geschichte mit einer neuen Idee und war wirklich gespannt, was da noch kommen mag. Bis plötzlich Tharas verschollener Vater zur Sprache kam, eine tragende Rolle bezüglich ihrer vermeintlichen Narkolepsie einnahm und geklärt wurde, wer (oder was) ihr Vater denn tatsächlich ist. Ab da hatte ich keine Lust mehr. Die Geschehnisse wurden plötzlich so absurd und konstruiert, so schwarz-weiß plakatiert nach dem Motto „du kannst nur gut oder böse sein, was anderes geht nicht“, und die Dialoge obendrein immer hanebüchener. Beim ersten Gespräch zwischen Thara und ihrem Vater haben sich mir wirklich die Nackenhaare gesträubt. Natürlich kann und will ich an dieser Stelle nicht weiter inhaltlich vordringen, um allen Leseinteressierten nicht den Spaß zu nehmen. Und ich glaube auch durchaus, dass die Geschichte ihre Fans finden wird und der ein oder andere begeistert die letzte Seite umschlagen und die nächsten 2 Bände in dieser Reihe sehnsüchtig erwarten wird. Ich jedoch nicht. Mir hat die zweite Buchhälfte schlicht nicht gefallen; nicht die abrupte Wendung, die der sorgfältig aufgebaute und kreativ gestaltete Romananfang hier genommen hat, und noch weniger die Motive der handelnden Personen, allen voran Thara und ihr Vater zum Ende hin. Für mich ziemlich enttäuschend.

Fazit:
Erste Hälfte hui, zweite Hälfte... nicht so sehr. Leider hat Herr Temporin den Bogen von einem spannenden und viel versprechenden Romananfang nicht schlagen und halten können und hat stattdessen eine schon so oft durchgekaute inhaltliche Wendung eingebaut, die mich nicht mehr überzeugen kann und die mir die Gesamtstory ziemlich madig gemacht hat. Dazu kommen einige holprige sprachliche Ausführungen, die angesichts eines ersten Romans aber gut abgehakt werden können. Von mir leider nur enttäuschende 2,5 Bücherstapel.

Ein herzliches Dankeschön an den ivi (Piper) Verlag für das Rezensionsexemplar!

Montag, 26. März 2012

Sonntag, 25. März 2012

"Abends um 10" - Kate de Goldi

Carlsen Verlag, 2011
16,90 Euro

Handlung:
In Frankies Parsons Leben ist alles verlässlich. Konstant. Vorhersehbar. Sogar die ständige Ergänzung seiner sowieso schon langen Liste von Sorgen. Tageslauf, Wochenplan, Jahresrhythmus - nichts ändert sich. Das Morgenmiauen der Fettkontrolle. Der tägliche Zickzack-Weg zum Bus mit seinem besten Freund Gigs. Die schlechte Laune seiner großen Schwester. Sein Klassenlehrer Mr A und dessen liebste Waffe: das Wörterbuch. Die Klangwand-Abende von Onkel George und Louie. Die ausgelassenen Besuche der Tanten. Der Küchenduft bei der Heimkehr. Und die absolut zuverlässige Antworten seiner Mutter - immer abends um zehn. Doch dieses Jahr ist alles anders. Das liegt an Sydney. An ihren liebevollen, neugierigen, taktlosen Fragen. Und Frankie Parsons Welt gerät aus den Fugen. Eine bittersüße Familiengeschichte über Angst und Mut und darüber, was das Leben ausmacht.
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:

„...im Vergleich zu den Familien seiner Mitschüler war ihm seine Familie beunruhigend anders erschienen.“ (S. 81)

„Abends um 10“ unterhält sich der 12-jährige Frankie mit seiner Mutter. Jeden Tag. Sie sprechen über Dinge, die tagsüber passiert sind und über Dinge, die Frankie beschäftigen. Dass es sich dabei um eine Art Ritual handelt, welches Frankie in seiner kleinen skurrilen Welt den nötigen Halt verschafft, wird dem Leser erst nach und nach klar. Denn bei Frankie und in seiner Familie läuft nicht alles ganz „normal“. Aber selbst diese feste Konstante - die abendlichen Gespräche mit seiner Mutter - reicht eines Tages nicht mehr aus, um ihn in einem Gefühl von Sicherheit zu wiegen; an jenem Tag nämlich, an dem Sydney, die Neue in seiner Klasse, den Bus betritt und überhaupt nichts falsch daran findet, Fragen zu stellen - jede Menge Fragen...
Dieses Buch ist ein gefundenes Fressen für Psychologen. Es wimmelt hier nur so von merkwürdigen Gestalten, die eine Menge Kriterien für eine Diagnosestellung einer „psychischen Auffälligkeit“ erfüllen. Zwangsstörungen, Agoraphobien, psychosomatische Züge, andere Angststörungen - hier ist einiges zu finden. Trotzdem kann man als Leser nicht anders, als die Figuren, die hier auftauchen, herrlich schrullig und gleichzeitig unglaublich sympathisch zu finden. Anfangs wird man mitten hinein geworfen in die etwas verwirrend anmutenden Familienverhältnisse, die sich erst nach und nach aufdröseln. So wird z.B. erst nach einigen Kapiteln geklärt, dass es sich bei Onkel George keinesfalls um einen Onkel handelt, sondern um Frankies Vater. Die Katze des Hauses heißt Fettkontrolle und die Hauptfigur Frankie Parsons hat sich schon des Öfteren anhören müssen, dass sein Name wie der eines Schlagerstars klingt.
Die Geschichte rund um Frankie und seine Familie und die Thematik der „psychischen Auffälligkeiten“ hat Kate de Goldi sehr liebevoll und einfühlsam dargestellt, und genau an den richtigen Stellen mit kleinen Anekdoten versehen. An manchen Stellen artet das Ganze unglaublich lustig aus, so habe ich bei der Beschreibung des ersten Telefonats zwischen Frankie und Sydney lauthals lachen müssen. Gleichzeitig driftet die Geschichte nie in unglaubwürdige oder überzogene Aspekte aus - was ich sehr schön fand. Was man hier liest, ist realistisch; und die Gedanken- und Gefühlswelt eines Zwölfjährigen, der sich schon früh mit einer Mutter auseinander setzen musste, die das Haus nicht verlässt, ist sehr gut gezeichnet. Und das sage ich, obwohl (oder weil?) ich Psychologin bin.
Was ich ein klein wenig schade fand, war, dass an und für sich eine „richtige“ Handlung gefehlt hat. Irgendetwas, das wirklich passiert; stattdessen erfolgt hier fast ausschließlich eine Beschreibung von Frankies (fast) alltäglichem Leben.

Fazit:
„Abends um 10“ ist eine sehr schöne und einfühlsam geschriebene Geschichte um Frankie Parsons, dessen Familie einen kleinen Knacks hat. Die kleinen Verrücktheiten der Familienmitglieder sind sehr sympathisch und vor allem realistisch dargestellt. Ein klein wenig mehr „Handlung“ in der Geschichte hätte ich schön gefunden. 4,5 von 6 Bücherstapel.

Dienstag, 20. März 2012

Alles für die Forschung... *zwinker*

Wie der ein oder andere vielleicht noch nicht weiß, bin ich beruflich ja in der Wissenschaft und Forschung tätig. Das ist meistens recht interessant, manchmal ... auch nicht so sehr. Auf jeden Fall bringt es den (un)schönen Nebenaspekt mit sich, dass man seine Forschungsergebnisse ja auch präsentieren und in die Welt hinausschreien muss/möchte/sollte - wie auch immer. Das lässt sich u.a. besonders gut auf Kongressen machen. Internationale Kongresse haben zudem den Vorteil, dass man was von der Welt sieht. Und so fahre/ fliege ich morgen nach Schottland, um dort in Edinburgh an einem Kongress teilzunehmen. (*räusper* In erster Linie dient diese Reise (psssst!) natürlich dazu, die schottische Hauptstadt zu sehen. Ich war noch nie da. Lässt sich also gut kombinieren.) Heißt also, von mir gibt´s bis Sonntag nix neues zu hören/ lesen. Bis dahin!

Montag, 19. März 2012

Leipziger Buchmesse 2012

Am Samstag war ich in Leipzig auf der Buchmesse. Samstag ist erfahrungsgemäß zwar der vollste und am besten besuchteste Tag dort, aber bei mir ging´s in diesem Jahr nicht anders. Und da ich eh in erster Linie mal durch die Hallen schlendern und mir die Stände der einzelnen Verlage ansehen wollte, ging das an diesem Tag so gut wie an jedem anderen auch.
Leider habe ich dadurch natürlich einige Lesungen nicht erleben können, die mich durchaus interessiert hätten. Cassandra Clare oder auch Bernd Perplies beispielsweise waren erst am Sonntag vor Ort.
An und für sich war die Messe am Samstag natürlich gut besucht; trotzdem hatte ich das Gefühl, als wäre es im letzten Jahr voller gewesen. Farbenfroh und schrill präsentierte sich die Buchmesse aber auch in diesem Jahr, was nicht zuletzt an den zahlreichen Anime- und Manga-Fans lag, die dort jedes Jahr aufs Neue die Blicke mit ihren Kostümen, ausgefallenen Outfits und ihren Auftritten auf sich ziehen. Ich muss gestehen, dass ich mich in „dieser Szene“ gar nicht auskenne; so sagen mir die diversen Kostüme und Anspielungen schlicht und einfach nichts. Aber nett anzusehen war´s trotzdem. (Leider konnte ich mich auch an dem intensiv geführten Gespräch über „Yu-gi-oh“ nicht beteiligen, das 3 Mädels im Zug neben mir geführt und mich dann erwartungsvoll angesehen haben. Sorry.)
Zurück zur Buchmesse. Ich habe einige Runden durch die Hallen gedreht und jede Menge Stände von den verschiedensten Verlagen besucht. Manche waren leider derart „begehrt“, dass man fast keine Chance hatte, sich durchzukämpfen und sich die Bücher in den Auslagen mal anzusehen. Trotzdem habe ich einige Bücher entdeckt, die wirklich vielversprechend klangen, die ich bisher (trotz aller Büchervorschauen) noch nicht kannte und die sofort auf meiner Wunschliste landeten. Bei einigen Büchern war ich wirklich arg in Versuchung, sie gleich vor Ort mitzunehmen; und die netten jungen Buchmesseverkäufer, die sich in gelbem T-Shirt und mit portabler Kasse in der Hand durch die Mengen kämpften, um jeden Kaufwilligen abzukassieren, machten diese Not nicht gerade besser. Tatsächlich bin ich bei „Die Fluchweberin“ von Brigitte Melzer dann auch schwach geworden und hab es mir kurzerhand gleich gekauft.

Persönlich gesehen habe ich leider nicht ganz so viele Autoren, wie ich gehofft hatte - was auch daran lag, dass die Lesungen meist schon vorbei waren, eh ich mich von einer Halle zur nächsten durchgekämpft hatte. Kai Meyer habe ich gesehen und gehört, der aus „Arkadien fällt“ vorgelesen und danach noch sehr sympathisch auf Fragen aus dem Publikum geantwortet hat. Interessant fand ich auch die Lesungen von den 2 Preisträgern des Seraph- Fantastik- Preises, Nina Maria Marewski („Die Moldau im Schrank“) und Christian von Aster („Der letzte Schattenschnitzer“), die aus ihren Büchern vorgelesen haben. Sehr gern gesehen hätte, stattdessen aber nur gehört habe (was an meiner Körpergröße von nur 1,60 m und einem Stehplatz ca. in Reihe 6 lag) ich Axel Prahl, der den meisten wohl bekannt sein dürfte als Kommissar Thiel aus dem Münsteraner „Tatort“. Dieser hat seine CD „Blick aufs Mehr“ vorgestellt, auf der er sowohl als Songwriter und Sänger agiert. Er hat aber auch ziemlich sympathisch auf die Fragen des Moderators geantwortet.
Nach einigen Stunden bin ich dann ziemlich alle, aber durchaus zufrieden und voller Eindrücke wieder in den Zug nach Hause gestiegen, voll bepackt mit Leseproben und Programmvorschauen, die ich in den nächsten Tagen erstmal noch durcharbeiten will.

Wart ihr auch auf der Buchmesse? Wie hat es euch gefallen?

Sonntag, 18. März 2012

"Spätestens in Sweetwater" - Ruediger Schache

Nymphenburger Verlag, 2012
19,99 Euro

Handlung:
Sweetwater ist der Ort, an dem sich Seelen treffen, wenn sie im Leben für ihre Erfüllung von Liebe nicht zusammenfinden konnten, so die Legende. Der Journalist Caleb Brooks kommt in die amerikanische Kleinstadt, um die sonderbaren Vorfälle dort zu recherchieren. Er verliebt sich in Carol Ryder, die jedoch, wie schon seine erste Frau, auf tragische Weise ums Leben kommt. Caleb wird in einen inneren Albtraum geschleudert, bis er erkennt, wie er selbst seine Realität erschafft. Er versucht, das Unmögliche möglich zu machen - unter Einsatz seines Lebens ...

Meine Meinung:

„Kein Mensch kommt zufällig nach Sweetwater“, fuhr sie fort. „Und niemand verlässt es unverändert.“ (S. 54)

„Spätestens in Sweetwater“ beschäftigt sich mit der Frage, wie viel im Leben zufällig passiert und wie viel eher Schicksal ist - sofern es so etwas wie Schicksal denn überhaupt gibt. Diese eher philosophisch anmutende Diskussion ist hier in eine teils schöne, teils tragische Geschichte um Caleb und Carol verpackt, die sich leicht, flüssig und trotz einiger hoch wissenschaftlicher Ausführungen verständlich lesen lässt. Caleb, der einen schweren Schicksalsschlag wegzustecken hat, lernt durch eine spontane Reise mitten ins Nirgendwo in den USA Carol kennen - und lieben. Von Anfang an haben beide das Gefühl, als würden sie sich schon ewig kennen und als wäre ihr Zusammentreffen gewissermaßen vorbestimmt gewesen.
Diese erste unterhaltsame Hälfte des Buches habe ich sehr gern gelesen. Wunderbare Idee, schöne Sprache, nette Story und interessante Charaktere. Sehr schön finde ich auch die Idee, die einzelnen kurzen Kapitel ab und zu aus verschiedenen Sichtweisen spielen zu lassen. So kommen abwechselnd Caleb und Carol zu Wort; man erfährt jedoch auch Gedankengänge beispielsweise eines Kuriers, der ein wichtiges Paket zu transportieren hat. Was hier leicht zu unübersichtlich hätte werden können, gibt genau die richtige Menge an Informationen und Details zum Verständnis der Gesamthandlung wieder - außerdem bekommt man als Leser die unterschiedlichsten Sichtweisen geboten. Die kleinen eingestreuten Andeutungen und Anspielungen hier und da auf die große Frage „Schicksal oder Zufall“ sind passend eingebaut und unterstreichen das Besondere der Geschichte zwischen beiden Hauptfiguren Carol und Caleb.
In der zweiten Buchhälfte entwickelt sich diese theoretische Diskussion jedoch leider recht anstrengend. Während die erste Hälfte des Buches noch eine ausgewogene Mischung aufweist aus Handlung per se und Überlegungen von Caleb über das Leben allgemein und das Schicksal im Besonderen, ist der Endteil des Buches überladen mit wissenschaftlich-philosophischen Ausführungen und quantenphysikalischen Überlegungen. Das wurde mir hier zu analytisch. Caleb nimmt die Rolle des gelehrigen Trauernden ein, der zu sich selbst finden soll - und tut das auch prompt und große Probleme. Ihm offenbart sich das Geheimnis von Sweetwater quasi innerhalb von Stunden (nachdem er tagelang daran gescheitert ist) und fühlt sich fortan weise und belehrt. Dieses besagte Geheimnis habe ich als Leserin jedoch bis zum Ende nicht greifen können. Das Ende war mir zu klischeehaft, zu gewollt. Den Kern des Ganzen; die Frage, war es denn jetzt Zufall oder Schicksal - die bleibt vor lauter Glückseligkeit fast ein wenig auf der Strecke.

„Was wäre, wenn nichts so ist, wie es uns erscheint? Wenn alles immer auch eine tiefere Ursache hätte? Und dahinter noch eine und noch eine? Was würdest du finden, wenn du dem Faden eines Ereignisses bis zum Ende folgst?“ (...) „Was wäre, wenn man einfach nicht aufhörte, nach dem Warum zu fragen?“ (S. 208/209)

Fazit:
Ich fand die Überlegungen schön, die hier zum Thema „Schicksal und Zufall“ aufgegriffen und besprochen wurden, und es sind in diesem Buch einige wirklich sehr gute und wahre Sätze enthalten, die zum Nachdenken anregen. Jeder hat sich schon einmal überlegt, wie das eigene Leben verlaufen wäre, wenn man sich an Tag X anders entschieden hätte. Wenn man hier und da eine andere Entscheidung getroffen hätte. Und ich glaube, jeder hat sich auch schon einmal gefragt, ob es so etwas wie Schicksal gibt.
Die Umsetzung dieser Fragen fand ich in diesem Buch okay, mehr aber leider nicht. 4 von 6 Bücherstapel.


In my mailbox...

Sonntag. Woche wieder vorbei. Das geht so schnell zur Zeit. Die letzten Tage war bei mir einiges los und die nächsten Tage werden ähnlich aufregend. Gestern war ich in Leipzig auf der Buchmesse, dazu werde ich sicher heute oder morgen auch noch extra ein paar Sätze schreiben.
In dieser letzten Woche erreichten mich jedenfalls wieder jede Menge tolle Bücher. (Und ich komme nicht hinterher, sie zu lesen :( )
Im Schnellverfahren:


(mit einem Klick auf die markierten Titel geht´s zur Inhaltsbeschreibung)

Mein zweites Buch, das ich mir im amazon Vine-Programm angefordert habe, war "Spätestens in Sweetwater" von Ruediger Schache. Das hab ich auch schon durch, dazu gibt´s demnächst eine Rezension.
Gestern auf der Buchmesse habe ich mir spontan "Die Fluchweberin" von Brigitte Melzer gekauft. Das Buch stand eh schon eine Weile auf meiner Wunschliste, ist gerade erst rausgekommen, und nachdem ich kurz reingelesen hatte, konnte ich nicht anders, als es gleich mitzunehmen. So ging es mir gestern bei diversen Büchern, aber ich habe mich zurückgehalten. (Die restlichen folgen aber definitiv irgendwann! :D)
"Ascheträume" von Maurizio Temporin habe ich als Rezensionsexemplar vom ivi Verlag (ein Imprint von Piper) erhalten und find´s bis jetzt richtig gut. Bin sehr gespannt, wie es weitergeht.
Die liebe Tine hat mir "Wenn ich bleibe" von Gayle Forman leihweise zugeschickt. Ich habe nämlich den Fortsetzungsband "Lovesong" bei Karo gewonnen - kenne aber den ersten Teil gar nicht. Dank Tine kann ich das jetzt nachholen.
"Ready Player One" von Ernest Cline habe ich über Blogg dein Buch vom Penhaligon Verlag bekommen. Klingt eigentlich ziemlich interessant; sobald ich die "Ascheträume" fertig habe, kommt dieses Buch dran.

Dann habe ich mir heute morgen spontan noch "The curse" von Emily Bold als Kindle e-book runtergeladen, weil´s irgendwie recht interessant klang:
Die Außenseiterin Samantha findet im Nachlass ihrer Großmutter ein altes Amulett. Wenig später führt ein Schüleraustausch die Siebzehnjährige nach Schottland. Kaum bei ihrer Gastfamilie angekommen, wird sie bereits von den Sagen und Mythen des Landes in den Bann gezogen. Als sie dann auch noch den attraktiven Schotten Payton kennenlernt, gerät ihre Welt vollends aus der Bahn. Der mysteriöse Highlander erobert Sams Herz im Sturm. Im Strudel der Gefühle bemerkt sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt, denn was sie nicht ahnt: Paytons Vergangenheit birgt ein dunkles Geheimnis. Ein Geheimnis, das die Schicksale ihrer beider Familien seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verbindet und welches nun auch Sam in Lebensgefahr bringt …

Wie sah eure Woche aus? Was lest ihr momentan?

Dienstag, 13. März 2012

"Gebannt - Unter fremdem Himmel" - Veronica Rossi

Oetinger Verlag, 2012
17,95 Euro

Handlung:
Getrennt durch zwei Welten, geeint im Überlebenskampf, verbunden in unendlicher Liebe. Die siebzehnjährige Aria lebt in einer Welt, die perfekter ist als die Realität. Perry kommt aus einer Wildnis, die realer ist als jede Perfektion und in der wilde Stürme das Leben bedrohen. Als Aria in seine Welt verstoßen wird, rettet Perry ihr das Leben. Trotz ihrer Fremdheit verbindet die beiden die Verzweiflung und Sorge um die, die sie lieben. Aria will ihre verschollene Mutter wiederfinden, Perry ist auf der Suche nach seinem Neffen, an dessen Entführung er sich die Schuld gibt. Aria versucht, vor Perry zu verbergen, dass ihre Gefühle ihm gegenüber sich wandeln. Doch Perry hat dies längst schon entdeckt, aber nicht nur bei Aria, auch bei sich selbst.
(Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:
Eine weitere Dystopie auf dem Büchermarkt, die sich zwar gut und auch unterhaltsam liest, sich meiner Meinung nach aber leider durch keine großartigen Einfälle oder Wendungen von anderen Dystopien unterscheidet. 
"Gebannt - Unter fremdem Himmel" lebt von den beiden charakterstarken Figuren Aria und Perry. Beide wachsen in einer scheinbar fremden zukünftigen Welt auf, haben das Leben aber auf völlig unterschiedliche Art und Weise kennenlernen müssen. Perry erscheint kämpferisch, fest entschlossen, sein "Schicksal" als Stammesführer anzunehmen und zu verfolgen; hat aber dennoch einen weichen Kern, wenn es um seinen Neffen geht. Als Außenseiter hat er die raue Welt "draußen" erlebt und weiß sich durchzuschlagen und zu überleben. Aria dagegen ist alles außerhalb ihres gewohnten Lebensraums völlig fremd, kennt Feuer genauso wenig wie Blasen an den Füßen und sie findet sich in künstlich-virtuellen Welten weit besser zurecht als im wirklichen Leben, das außerhalb ihrer gewohnten behüteten "Kapsel" vor sich geht. Mit diesen beiden Figuren prallen völlige Gegensätze aufeinander, die - um voran zu kommen - sich von einem Tag auf den anderen gegenseitig helfen müssen.
Aus der anfänglichen Antipathie, die in erster Linie der Unwissenheit der Lebensumstände des jeweils Anderen zu schulden ist, entwickeln sich langsam aber sicher zarte Bande der Annäherung, des Respekts und schließlich sogar der Zuneigung. Diesen langsamen "Beziehungsaufbau" fand ich durchaus gelungen dargestellt; der Leser wird hier zur Abwechslung nicht unmittelbar mit einer unglaubwürdigen "Holterdipolter - großen Liebe" zwischen den Hauptdarstellern konfrontiert, sondern mit einer nachvollziehbaren Entwicklung. Natürlich wird dann dennoch schnell "Mehr" draus, als einmal der Funke übergesprungen ist, aber ich fand diese entstehenden Bande zwischen Aria und Perry angenehm zu lesen. 
Mein wesentlicher Kritikpunkt, der dazu führt, dass ich das Buch okay, aber eben leider nicht umreißend fand, ist die Tatsache, dass Rossi einfach viel mehr aus ihrem entworfenen Szenario hätte machen können. Der Mittelteil ist - schlicht gesagt - spannungsarm und bietet dem Leser auch nicht wirklich handfeste Details, an der man sich ein Bild hätte machen können, das relevant ist für die Gesamthandlung. Gewissermaßen fehlt ein roter Faden. Jetzt am Ende des ersten Teils weiß ich eigentlich nicht so recht, wie es weitergehen kann, was mich als nächstes erwartet. Aria und Perry sind in "Gebannt" fast nur unterwegs - endlos, wie es scheint, und werden abwechselnd von Ätherstürmen oder merkwürdigen Krähenmännern verfolgt. Aber warum? Was sind diese Ätherstürme überhaupt? Und spielen diese Krähengestalten eine Rolle für die Geschichte um Perrys Neffen oder Arias Mutter?
Zudem wurde die Welt, die Rossi hier geschaffen hat, für mich nicht wirklich greifbar. Einerseits diese hochentwickelten und technisierten Biosphären - mit allem technischen Schnickschnack -, dann aber wiederum wilde, freilebende Völkerstämme mit Kriegsherrn wie im Mittelalter, die noch mit Pfeil und Bogen losziehen und einen Hirsch mit der bloßen Hand erlegen. Das erschien mir an mancher Stelle irgendwie zu wenig konsequent durchdacht - warum kann es in diesen momentan zahlreich auftretenden Dystopie-Büchern immer nur Schwarz oder Weiß geben?

Fazit:
"Gebannt" ist gut geschrieben, und ja, es fällt einem schwer, das Buch aus der Hand zu legen, wenn man einmal angefangen hat zu lesen. Trotzdem hat es keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen; es hebt sich schlicht zu wenig von all den anderen Endzeitvisionen auf dem Büchermarkt ab. Aria und Perry sind sympathische Charaktere, wegen denen ich mir trotzdem vorstellen kann, auch in den Folgeband mal reinzuschnuppern, wenn er erscheint. 4 von 6 Bücherstapel.

Weltpremiere "The Hunger Games" - Tribute von Panem

Hier ein Foto von der Weltpremiere der Verfilmung von "The Hunger Games" ("Die Tribute von Panem") in Los Angeles. Ich weiß nicht, ob ich mich mit den Schauspielern (Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth) so anfreunden kann; eigentlich sieht keiner der 3 so aus, wie ich sie mir beim Lesen vorgestellt habe. Und ... ähm... "größentechnisch" finde ich die Zusammenstellung auch nicht so gelungen... :D

Montag, 12. März 2012

Konzerterlebnisse: Keane in Bexhill-on-sea

Es gibt Bands, die kann man schon mehrere Male live gesehen haben und denkt sich trotzdem jedes Mal aufs Neue, wie toll das Ganze doch war. Ich habe Keane jetzt zum 8. Mal live gesehen und bin genauso hin und weg wie beim 1. Konzert. Zum einen liegt das daran, dass sich hinter Keane (mittlerweile) 4 der sympathischten Typen verbergen, die man sich vorstellen kann; vor allem aber liegt es an der Musik. Ich selbst bin ja Fan seit Tag 1, als ich zum ersten Mal "Everybody´s changing" gehört habe. Dazwischen liegen nun mehr 3 Alben, das 4. Album "Strangeland" wird am 7.5. erscheinen - ich brauche wohl nicht zu erwähnen, wie sehr ich diesen Tag herbeisehne.
Letztes Wochenende haben Keane nun am Freitag und Samstag 2 kleine Exklusivkonzerte gegeben und schon einige der neuen Songs vorgestellt. Das ganze fand in Bexhill-on-sea statt, einem kleinen Örtchen an der südenglischen Küste, das - wenn wir mal ehrlich sind - bis auf eine schöne Strandpromenade wohl nicht so viel zu bieten hat. (Die Pensionswirtin, bei der wir für 1 Nacht in Bexhill untergekommen sind, fragte uns auch recht ungläubig, ob Keane denn wirklich "that good" wären; sie könne gar nicht verstehen, wieso auf einmal seit 2 Tagen so viel in dem Ort los ist. Sie konnte auch nicht fassen, dass wir dafür extra aus Deutschland angereist sind.) Keane hat mit diesen beiden Konzerten aber eine Art "Homecoming Gig" gegeben, denn "der Kern" der Band ist dort in der Gegend geboren und aufgewachsen.


Samstag war ich dabei und ich schwelge jetzt noch in Erinnerungen und Glücksgefühlen - etwas, das ich nach jedem Keane-Konzert durchlebe. Die 4 haben eine wunderbare Mischung aus alten Songs wie "Somewhere only wie know" oder "Spiralling", bei denen die halbe (kleine gemütliche) Halle lauthals mitgesungen hat, und den neuen Songs vom 4. Album präsentiert.
Von diesen neuen Songs bin ich hellauf begeistert. Zum einen sind sie "typisch Keane", beispielsweise "Silenced by the night" oder "Day will come"; so freue ich mich z.B. dass man das Markenzeichen der Band - Tims Klavier - wieder mehr in den Songs hört und einfach viel mehr Klaviermelodien zu hören sind; das ist im letzten Album "Perfect Symmetry" ja ein wenig auf der Strecke geblieben, finde ich. Zum anderen sind manche Songs unglaublich experimentell, z.B. "Black rain", "Sea fog" oder "On the road", wo die 4 vermutlich einfach mal ein wenig herumprobiert haben - mit sehr ansehnlichem/ anhörlichem Ergebnis, wie ich finde.
Eine wahre Hymne haben Keane mit "Sovereign light cafe" geschaffen; ein Lied, das einem kleinen Café in Bexhill gewidmet ist, wo sich die Bandmitglieder früher stets getroffen und "rumgehangen" haben. Dem Café hab ich natürlich auch einen kleinen Besuch abgestattet, es liegt direkt an der Uferpromenade und lässt sich tatsächlich am besten mit "klein" beschreiben :) Ich denke, ich muss nicht extra erklären, dass die Halle bei diesem Lied fast "ausgeflippt" ist, soweit man das bei den zurückhaltenden und ruhigen Briten überhaupt so sagen kann. ;)


Jetzt heißt es für mich, Tage zählen bis zum 7.5., wenn "Strangeland" erscheint (in Deutschland erst am 15.5., aber wer will schon so lange warten?!). Und auf weitere Konzerttermine hoffen, immerhin hat Sänger Tom während des Konzerts angekündigt, dass sie wohl das restliche Jahr unterwegs sein werden. Da lässt sich doch hoffen.
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