Samstag, 24. November 2012

"Ich könnte am Samstag" - Mark Watson

Heyne Verlag, 2012
8,99 Euro

Handlung:
Das Schicksal kennt keine Spielregeln
Xavier Ireland ist Nachttalker bei einem Radiosender in London. Tagsüber beschäftigt er sich mit sich selbst, nimmt an Scrabble-Turnieren teil und lässt die Tage an sich vorbeiziehen. Erst seine vor Energie überschäumende Putzfrau Pippa macht ihm klar, dass es sich lohnt, am Leben anderer Anteil zu nehmen und damit seinem eigenen Glück auf die Sprünge zu helfen. Mark Watsons Bestseller ist eine Hommage an das Leben und die Liebe - klug, humorvoll und zu Herzen gehend. Nach der Lektüre werden Sie die Welt mit anderen Augen sehen.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Ich könnte am Samstag" ist ein herrlich ungezwungenes, mal lustiges, mal nachdenklich stimmendes Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Hauptfigur Xavier, der eigentlich Chris heißt, in London aber unter neuem Namen ein neues Leben begonnen hat, steht im Mittelpunkt. Mit ihm lernen wir als Leser das nächtliche Londoner Leben kennen, denn er ist Radiomoderator, der zusammen mit seinem Freund/ Kollegen Murray die Night-Show präsentiert. Er ist zufrieden mit seinem Alltag, dennoch wird man den Eindruck nicht so recht los, dass ihn etwas bewegt und ihm etwas fehlt im Leben - auch wenn er es selbst nicht so wirklich greifen kann. Tatsächlich ist es letztlich eine Frau, seine Putzfrau Pippa nämlich, durch die er neue Seiten kennen- und schätzen lernt, und sich fragt, ob bei ihm eigentlich alles so weiter laufen soll wie bisher.
Pippa selbst ist ein höchst außergewöhnlicher Charakter; zuweilen hatte ich richtig Probleme, sie als das anzunehmen, was sie sein soll, nämlich eine junge Dame Ende 20. Mir kam sie durch die äußerlichen Beschreibungen und die Charakterzüge und Aussprüche, die ihr auf den Leib geschrieben wurden, teilweise viel älter und abgeklärter vor. Dennoch beeindruckt sie Xavier vermutlich gerade dadurch und geht ihm anschließend nicht mehr aus dem Kopf.
Ansonsten habe ich mich beim Lesen von "Ich könnte am Samstag" sehr wohl gefühlt. Die Figuren sind sympathisch und völlig aus dem Leben gegriffen, absolut realistisch also. Mark Watson bietet mit seinem Buch obendrein wunderbare Einblicke in das Londoner Alltagsleben. Nicht nur Xavier und sein Leben kommen zum Tragen, sondern wie eine Art alles-sehende Kamera schwenkt man als Leser quer durch London und begleitet auch andere Personen bei ihren Taten. Gemäß der Annahme, dass bereits ein Flügelschlags eines Schmetterlings viele Ereignisse verändern kann, werden hier Ereignisketten, die unzählige Menschen und Begebenheiten umfassen, bis zum Anfang aufgedröselt und bis zum Verursacher, der hier interessanterweise Xavier selbst sein soll, zurückverfolgt.
Dass der Arme gar nicht an allem "Schuld" haben kann, ist erstmal nebensächlich; mir hat dieser Tick des Autors jedenfalls sehr gut gefallen. Ist mal was anderes. Ebenso begeistert war ich von den kurzen Momentaufnahmen verschiedener Londoner Einwohner und ihrer Tätigkeiten, so z.B. einer Psychotherapeutin, eines Restaurantbesitzers, eines Schülers oder einer allein erziehenden Mutter. Ab und zu erinnerte mich das an "Die fabelhafte Welt der Amelie", wenn einerseits erklärt wurde, was Xavier gerade tut und dann ein Satz folgte wie "Etwa 5 km entfernt im Londoner Stadtteil Mayfair war XY zur selben Zeit gerade dabei, dies und das zu tun." Toll finde ich sowas, und zum Glück nehmen solche kleinen Ausflüge hier auch nicht zuviel und zuwenig Platz ein, um von der eigentlichen Handlung abzulenken - Autor Mark Watson findet da genau das richtige Mittelmaß.
Tatsächlich hatte ich beim Lesen auf einmal viel zu wenig Romanrest in der Hand und musste mich mit dem Umstand anfreunden, dass die Geschichte gleich vorbei sein würde. Das Ende, das dann folgt, ist im harmlosesten Sinne überraschend, im schlimmsten Fall nicht nachzuvollziehen und ... nun ja, nicht zufriedenstellend - zumindest mag es dem ein oder anderen so gehen. Im ersten Moment kam ich mir ein wenig betrogen vor von diesem Ausgang; je länger ich jedoch darüber nachdenke, umso mehr muss ich sagen, dass das ein ideales Ende ist, das zur Eigenart des Romans passt. Wer jetzt hier nur Bahnhof versteht, dem kann ich nur sagen: selbst lesen! Es lohnt sich.

Fazit:
"Ich könnte am Samstag" (2011 bereits unter dem Titel "Elf Leben" erschienen) ist lesenwert, liebenswert und sympathisch, betrachtet in Momentaufnahmen das Leben der verschiedensten Londoner Einwohner und verknüpft eben genau diese auf beeindruckende Art und Weise. Hat mir sehr gut gefallen und kriegt daher 5 von 6 Bücherstapel.

1 Kommentare:

  1. Gleich mal rauf auf die WuLi. Klingt nach einem wundervoll-charmanten Buch, dass mir durchaus gefallen könnte. Vor allem, was du über das Ende schreibst, macht mich jetzt sehr neugierig. Die Rezi ist dir wirklich gut gelungen und da kann ich auch nur sagen: lesenswert, liebenswert und sympathisch. :)

    LG, Reni

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena