Montag, 19. November 2012

"Geisterzeilen" - Janina Ebert

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2012
14,95 Euro

Handlung:
Manchmal sind die Menschen, die einen am meisten prägen, bereits tot: Es ist tiefe Nacht, als Helena zum ersten Mal vom Drang zu schreiben erfasst wird. Ihre Hand saust förmlich über das Papier und hinterlässt einen stilistisch ausgefeilten Text. Helena spürt, dass jemand von ihr Besitz ergriffen hat, beschließt aber, niemandem davon zu erzählen. Fortan verlässt sich die bisher durchschnittliche Schülerin bei Hausaufgaben und Tests auf ihre "Gabe" und staubt eine gute Note nach der anderen ab. Erst als ein fremder Name auf ihrer Geschichtsarbeit erscheint, bekommt es die 16-Jährige mit der Angst zu tun. Wer ist dieser Oskar Schiller, der ihre Hand führt, und was will er von ihr? Helena beginnt nachzuforschen und schon bald taucht ein weiterer Geist auf, der ihr Herz höher schlagen lässt ...
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Geisterzeilen" ist der Debütroman der gerade mal 20jährigen Autorin Janina Ebert, und dafür ist er bemerkenswert gut gelungen. Die Geschichte von Helena, die eines Tages bemerkt, dass jemand - Geister - von ihr Besitz ergreifen und sie als Ghostwriter zum Verfassen ihrer Gedanken "engagieren", ist toll, flüssig und nachvollziehbar geschrieben und obendrein ein recht einfühlsames Buch, das letzten Endes nachdenklich stimmt.
Hier werden Themen werden behandelt, die vor allem jugendlichen Schulmädels aus der Seele sprechen dürften (Schule nervt, Lehrer nerven, kleine Brüder nerven, Freundinnenprobleme, erste Liebe & Co.). In der Figur Helena wird sich daher die Eine oder Andere auch wiederfinden können, zumal es leicht fällt, sich mit ihr zu identifizieren und sie auf ihrer Geistergeschichte zu begleiten. 
Entsprechend ist auch der Sprachstil eher jugendlich, unbedarft und ungezwungen gehalten, was letztlich gut zur Geschichte passt. Helena macht sich zunächst gar nicht soviel Gedanken darüber, was sie auf welche Art und Weise sagt und wie das bei manch anderen ankommt. Erst als Oskar in ihr Leben tritt, der Geist eines verstorbenen Schriftstellers, beginnt sie vieles anders zu sehen. Oskar erklärt ihr beispielsweise, dass ein "Hallo" gar nicht so recht eine Begrüßung sei, weil man nur durch ein "Guten Tag" dem anderen etwas wünscht und mit auf den Weg gibt. Solche Aha-Momente im Buch fand ich schön, weil sie stimmen und man sich trotzdem nie Gedanken darüber macht.
An anderer Stelle fand ich Oskars und später auch die Ansichten des Unbekannten, der Helena ebenfalls besucht, jedoch etwas lehrbuchartig und belehrend, dann nämlich, wenn sie einfach zu ausschweifend werden und ganze Absätze füllen. Auch die moralischen Absichten, die durch bestimmte Situationen im Buch transportiert werden sollen, kamen mir einen Tick zu aufgesetzt und zu sehr "unter vorgehaltenem Zeigefinger verpackt" vor. Ich denke, jeder Leser nimmt für sich am Ende etwas aus diesem Buch mit, und das ist schon für sich alleine genommen viel wert.
Obwohl es sich hier sprichwörtlich um eine Geistergeschichte handelt, ist "Geisterzeilen" kein Gruselroman oder nur etwas für "Hartgesottene"; auf keinen Fall! Der Umgang der Autorin mit dem Thema Tod und Sterben und "Geist-Sein" ist sensibel und dennoch offen ausgetragen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen von Helenas Gefühls- und Gedankenwelt, wenn sie von einem Geist besucht wird - und leider finden sich unter diesen Besuchern eben nicht nur gute und nette Geister, sondern eben auch verlorene und böse Seelen, die Hilfe brauchen. Die Angst, die solche Situationen bei Helena hervorrufen, ist genauso gekonnt umgesetzt wie die Freude, die sie empfindet, wenn sie sich mit ihrem Unbekannten unterhält, der bei ihr ziemliches Herzklopfen verursacht. Diese kleine Romanze gibt es daher als Sahnehäubchen obendrauf. Aber kann eine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Geist überhaupt gut ausgehen?
Das sollte man selbst herausfinden; und das Ende, dass Frau Ebert hier findet, ist zwar etwas unkonventionell und vielleicht auch nicht für jedermann nachzuvollziehen, aber dennoch passend.

Fazit:
Ich gebe es zu, ich klebte förmlich an den "Geisterzeilen", und war ziemlich gespannt, wie sich Helena mit dem Geisterbesuch arrangieren würde. Die Geschichte hat die ein oder andere Wendung, die ich etwas ungewöhnlich fand und die mir auch nicht gänzlich zusagte; trotzdem ist dieses Debütwerk in sich gelungen und schön zu lesen. 4 von 6 Bücherstapel.

1 Kommentare:

  1. Aha, von dem Buch hab ich noch gar nicht gehört. Klingt aber gut, ich werde es mir mal merken.

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