Dienstag, 6. November 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #6

Nachdem es schon länger keine Einblicke mehr in die Lektüre meiner Zugnachbarn gab, melde ich mich mal wieder mit eben dieser Rubrik zurück. Denn nach wie vor wird um mich herum natürlich fleißig gelesen - zum Glück.
Heute geht es um einen Herrn, den ich quasi jeden Tag nachmittags auf dem Weg nach Hause sehe. Wir plaudern immer ein wenig und machen uns über die Bahn im Allgemeinen und unseren Zug im Besonderen lustig. Er liest. Jeden Tag. Er hat stets einen Kindle dabei und stürzt sich dann ins Lesen, sobald der Zug etwas voller wird. (Ich kenne das, auf die Weise kommt man nicht in die Verlegenheit, irgendwelchen Leuten beim Platz-Suchen zuzuschauen. Denn für manche ist es beim Bahnfahren schon ein lautstarkes und sämtliche-Mitreisende-einbeziehendes Erlebnis, sich einen Platz auszusuchen, auf dem man die nächsten 15 (!) Minuten verbringen soll...) Neulich saß ich jedenfalls direkt neben diesem Herrn und schielte nach rechts auf seinen e-Reader. Erst dachte ich, ich habe mich verguckt, woraufhin ich dann einen Moment länger draufstarrte und es dann aber doch bestätigt sah: er las
 
Holly-Jane Rahlens "Everlasting"
Man schreibt das Jahr 2264.
Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird. Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühl, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet? Bald muss Finn sich entscheiden - für die Liebe oder für die Zukunft ...
 
Alsoooo, ich fand das Buch ja ganz wunderbar, wie man hier nachlesen kann. War eins meiner Highlights in diesem Jahr. Allerdings würde ich so eine Literatur nicht bei einem ca. 45-jährigen Mann erwarten. Aber vermutlich genau deswegen (und weil es so überraschend war) musste ich lächeln und habe ihn in dem Moment beneidet, weil er das Buch erst noch für sich entdecken kann.

HIER geht es zum Nachtrag, denn mit diesem Post ist die Story noch nicht abgeschlossen :)

1 Kommentare:

  1. Ich mag diese Reihe :)

    Allerdings fahre ich derzeit - zum Glück - nicht so viel Zug, aber ich versuche auch immer durch Schielen, Bücken, Halsverdrehen etc. einen Blick auf den Titel zu erhaschen :D

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