Mittwoch, 24. Oktober 2012

"White Horse" - Alex Adams

Piper Verlag, 2012
16,99 Euro

Handlung:
Die junge Zoe entdeckt in ihrer Wohnung ein merkwürdiges Glasgefäß, dessen Herkunft sie sich nicht erklären kann. Es enthält ein furchtbares Geheimnis. Denn als Zoe den Behälter öffnet, breitet sich eine geheimnisvolle Seuche aus, »White Horse«. Unzählige Menschen sterben, das Ende aller Zeiten scheint gekommen. Zoe verliert nicht nur ihre Familie, sondern auch ihren geliebten Nick, der verschwunden ist. Und sie stellt fest, dass sie von ihm schwanger ist. Auf sich allein gestellt, zählen für Zoe bald nur noch zwei Dinge – wird sie Nick wiederfinden, um das Geheimnis von »White Horse« zu lüften? Und wie kann sie ihr ungeborenes Kind in einer Welt beschützen, die dem Tod geweiht ist?
(Quelle: hier)


Meine Meinung:

"Hoffnung ist ein Wort, das in veralteten Lexika zwischen hoffen und hoffnungslos vor sich hin schimmelt." (S. 318)

Neugierig geworden durch die Inhaltsangabe und die Tatsache, dass dieses Buch gerade irgendwie überall zu finden und in aller Munde ist, wurde "White Horse" auch zu meinem Lesestoff der letzten Tage. Jetzt, nach dem Auslesen, bin ich jedoch recht unentschlossen, wie ich die Geschichte für mich bewerten soll.
Dystopien sind ja momentan an jeder Ecke zu finden, und so erschafft auch Alex Adams eine Welt, die am Untergehen ist - und sogar noch mehr. Die sprichwörtliche Büchse der Pandora wird geöffnet und bringt Leid, Elend und vor allem Tod über die Welt. Das mit dem malerischen und so harmlos klingenden Begriff "Weißes Pferd" betitelte Grauen löscht fast die gesamte Erdbevölkerung aus, die wenigen Übriggebliebenen kämpfen ums Überleben - die Erde ist schlicht gesagt dem Untergang geweiht, und hält sich, so macht es hier oft den Anschein, nur noch durch den überlebenden Abschaum der Menschheit aufrecht.
In diesem durchweg beklemmenden Szenario, das von Autorin Adams in den trübsten, hoffnungslosesten und grauesten aller Graustufen geschildert wird, schlägt sich Hauptdarstellerin Zoe durch die Überreste der Welt, auf der Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. So trost- und aussichtslos das ganze Unterfangen eigentlich von Anfang an wirkt, so spannend wirken Zoes Versuche, voran zu kommen, dennoch. Die Erzählperspektive, die zwischen den Geschehnissen heute und der Vorgeschichte, wie alles passierte, hin und her wechselt, tut sein Übriges, damit man als Leser Seite für Seite umschlägt und sich zunehmend fragt, wie das alles noch enden soll.
Sehr beeindruckt war ich von der Fähigkeit der Autorin, manchen Schrecken und manches Grauen in ganz einfache und fast harmlos wirkende Sätze zu verpacken und in eine entwaffnende Ehrlichkeit zu hüllen. Genau dieser Schreibstil wiederum hat mich an mancher Stelle auch unglaublich genervt. Denn dieses Stakkato an gewollt kurz gehaltenen und abgehackten Sätzen ging mir irgendwann fast "auf den Keks". Ebenso bruchstückchenhaft erfolgt Zoes Beschreibung. Einerseits mutig und beherrscht, macht sie den Eindruck einer starken Frau, die kämpfen will und kämpfen wird, aller Hoffnungslosigkeit zum Trotz. Gleichzeitig machte sie auf mich stets einen genervten und völlig unnahbaren Eindruck, eine Persönlichkeit, deren Inneres man hier nicht zu greifen bekommt. Sie ist Putzfrau, weil sie etwas mit ihren Händen machen möchte; diese Erklärung fand ich bestenfalls schwammig und einfach nicht passend für ihre Charakterisierung. Ihre Beziehungen zur Außenwelt kamen mir durch die Bank weg merkwürdig vor, ob nun zu ihrer Schwester, ihren Eltern, ihrem Nachbarsjungen. Hier und da wird angedeutet, dass Zoes Vergangenheit Aspekte enthält, die sie lieber nicht öffentlich machen will und von denen niemand erfahren soll - und tatsächlich erfährt man dann eben auch als Leser bis zum Schluss nicht davon. Zoe war für mich also eher schwer zu greifen und das fand ich in diesem Buch, in dem man froh ist über einen Strohhalm, an den man sich in diesen Wirren festhalten kann, ziemlich schade.
Während des Lesens habe ich mich auch ständig gefragt, wie diese Geschichte wohl enden wird, was letztlich passiert, damit man sagen kann, hier ist die Geschichte abgeschlossen. Sterben alle? Wird die Erde neu bevölkert? Kommen irgendwelche Aliens? Das Ende, das die Autorin Adams für ihr Buch ausgewählt hat, hat mich einerseits gar nicht überrascht, andererseits etwas unzufrieden zurückgelassen. Ich würde nicht sagen, dass es vorhersehbar ist - das ist in diesem Buch eher wenig -, aber ich hätte mir am Ende wohl einen kleinen Knall gewünscht, irgendetwas Aufrüttelndes, das man erstmal sacken lassen muss. Und das gab es nicht. Und so bleibt bei mir jetzt die Frage, was mir "White Horse" letztlich vermitteln soll.

Fazit:
"White Horse" ist vieles: morbides Endzeit-Szenario, spannendes Abenteuer, die nüchterne Beschreibung vom Ende aller Zeiten. Die Art, wie Zoes Suche beschrieben und erzählt wurde, fand ich interessant anders und dadurch auf stets hohem Niveau spannend. Allerdings nehme ich aus diesem Buch nicht viel mit, abgesehen von einigen Stunden guter Lektüre. Lesenswert ist es allemal, auch wenn ich nach dem ganzen Werbetrommel-Gerühre vielleicht einen Tick Zuviel erwartet habe. Gute 4 von 6 Bücherstapel.


3 Kommentare:

  1. Hier wird nicht gemeckert, mach mir das ja nicht schlecht! ;-) Ich lese es auch gerade und mir gefällt es sehr. Endlich mal wieder etwas düsterer als die ganzen Jugenddystopien.

    AntwortenLöschen
  2. Ich mecker ja gar nicht! :) Ich hab ganz sachlich hingepackt, was mir zu dem Buch durch den Kopf gegangen ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es soll wohl übrigens eine Trilogie werden, das nächste heißt Red Horse.

      Löschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena