Freitag, 26. Oktober 2012

"Der Gefangene des Himmels" - Carlos Ruiz Zafón

Fischer Verlag, 2012
22,99 Euro

Handlung:
Nach Der Schatten des Windes und Das Spiel des Engels der neue große Barcelona-Roman von Carlos Ruiz Zafón. - Barcelona, Weihnachten 1957.
Der Buchhändler Daniel Sempere und sein Freund Fermín werden erneut in ein großes Abenteuer hineingezogen. In der Fortführung seiner Welterfolge nimmt Carlos Ruiz Zafón den Leser mit auf eine fesselnde Reise in sein Barcelona. Unheimlich und spannend, mit unglaublicher Sogkraft und viel Humor schildert der Roman die Geschichte von Fermín, der "von den Toten auferstanden ist und den Schlüssel zur Zukunft hat". Fermíns Lebensgeschichte verknüpft die Fäden von Der Schatten des Windes mit denen aus Das Spiel des Engels.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
Mit "Der Gefangene des Himmels" ist der dritte von vier Teilen aus der Barcelona-Reihe von Carlos Ruiz Zafón erschienen. Leider muss ich sagen, dass sich schon während des Lesens dieses 3. Teils leichte Enttäuschung bei mir breitmachte, die sich bis zur letzten Seite nicht verflüchtigen konnte.
So sehr habe ich mich auf ein Wiedersehen mit Daniel Sempere und Fermín gefreut. Die Beschaulichkeit und behagliche kleine Welt dieser beiden - trotz der unruhigen Jahre, in denen die Gesamthandlung spielt -, die die Bücher jedes Mal unweigerlich verströmen, lassen die Bücher von Zafón für mich stets besonders und anders erscheinen. Fermín ist eine der sympathischsten und gleichwohl außergewöhnlichsten Figuren, die mir je in einem Buch begegnet sind. Und bisher habe ich auch immer etwas zum Schmunzeln in seinen farbenfrohen und ausschweifenden Kommentaren zum Weltgeschehen finden können.
Hier jedoch hatte ich öfter das Gefühl, dass die Luft irgendwie raus ist. Der gesamte Mittelteil des Buches handelt von Fermíns Vergangenheit und erklärt, warum er heute die Person ist, die er ist, und wie es dazu kommen konnte, dass sich Daniel und er in so ungewöhnlichen Zuständen kennenlernen konnten. Allerdings fand ich eben diese Darlegung der Vergangenheit kaum mitreißend. Wenn ich an die beiden Vorgänger zurückdenke, dort klebte ich förmlich an den Seiten und war gespannt, was da noch kommen mag. Hier stattdessen las ich mich durch die Kapitel, immer auf der Suche nach etwas ähnlich Besonderem wie die Geschichte um Julian Carax, in die ich so eingetaucht bin, dass ich tagelang nach dem Auslesen von "Der Schatten des Windes" noch gefangen war in diesem Buch. Aber hier passiert wenig dergleichen. Recht nichtssagende Unterhaltungen, Eifersüchteleien bei Daniel, Sinnkrisen bei Fermín - aber spannend ist einfach anders. Obendrein nahmen hier die bemüht pompösen Kommentare und schwülstigen Metaphern, denen sich Fermín und Konsorten zuhauf bedienen, für meinen Geschmack überhand.
Rückblickend nach dem Lesen kommt es mir fast so vor, als würde "Der Gefangene des Himmels" wie eine Brücke zwischen den Einzelgeschichten fungieren, ohne selbst etwas Wesentliches zur Handlung beizutragen. Denn hier werden die Geschichten von David Martín und Daniel Sempere, die Haupfiguren der ersten beiden Teile, miteinander verwoben, und dem Leser wird klar, dass im Hintergrund noch sehr viel mehr Strippen gezogen werden, als man zunächst erahnen konnte. Das lässt hoffen, dass im vierten und letzten Teil zum einen vieles geklärt wird, zum anderen aber vor allem dieses besondere Barcelona-Zafon-Feeling wieder viel mehr zu spüren ist, die ich hier ein wenig vermisse; diese Leichtigkeit in hochtrabenden Sätzen, dieses Mysteriöse, das den Friedhof der Vergessenen Bücher umweht. Denn "Der Gefangene des Himmels" ist in meinen Augen nur ein Lückenfüller.

Fazit:
Ich bin leider ein wenig enttäuscht, da dieser Band schon vor Erscheinen viel versprach, aber zumindest für mich diese Erwartungen nicht gehalten werden konnten. "Der Gefangene des Himmels" kann den Spannungsbogen und die Atmosphäre, die die beiden Vorgänger noch gut verströmen könnten, weniger halten und erschien mir wie ein Lückenfüller, der alle (meine) Hoffnungen auf den vierten und letzten Band dieser Tetralogie lenkt. 4 von 6 Bücherstapel.


Ein herzliches Dankeschön an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Kommentare:

  1. Ich hab schon den zweiten Band nicht mehr gelesen, weil so viele enttäuscht waren. :/ Ich mochte den ersten soooooo gerne, fand aber auch, dass es gut genug abgeschlossen war, so dass ich nicht das Bedürfnis hatte, den Nachfolger zu lesen. Die meist durchwachsenen Rezensionen taten ihr übriges. Und dann jetzt auch der dritte eine Enttäuschung? Hmm... Dann les ich doch demnächst lieber einen weiteres seiner Jugendromane, denn "Der Mitternachtspalast" war auch unglaublich gut und spannend. Kennst Du die Jugendromane von ihm?

    LG!

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  2. Ja, die Jugendromane kenne ich - bis auf "Der Mitternachtspalast", und dann habe ich vielleicht gerade da was verpasst. Die anderen fand ich nämlich nicht so toll, nicht annähernd so gut wie "Der Schatten des Windes" beispielsweise. Vielleicht sollte ich mir "Der Mitternachtspalast" dann noch zulegen.
    Ja, wahrscheinlich wäre das Ende nach "Der Schatten des Windes" für alle soweit ok gewesen, auch ohne eine Fortsetzung. Ich wusste auch ziemlich lange nicht, dass es eine Fortsetzung geben soll, selbst als Band 2 dann schon draußen war, hab ich das zunächst gar nicht so realisiert, dass das zusammen gehören soll ;)

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  3. Hm, das klingt ja jetzt nicht so toll, dabei hab ich mich schon so auf den Roman gefreut.
    Aber vielleicht lese ich da vorher lieber mal Marina.

    "Das Spiel des Engels" fand ich ja ziemlich gut, wobei die Zusammenhänge mit dem "Schatten des Windes" tatsächlich recht lose sind.
    Von den Jugendromanen kenn ich nur "Der dunkle Wächter" und den fand ich sehr, sehr schwach.

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