Mittwoch, 19. September 2012

"Ungeküsst" - Karin B. Holmqvist

Piper Verlag, 2012
8,99 Euro

Handlung:
Mit Mitte dreißig lebt Erna noch auf dem Hof ihrer Eltern – und zwar gänzlich ungeküsst. Vermutlich hätte sich ihr Alltag nie geändert, hätte sie da nicht dieses Buch ersteigert, in dem sie Briefe höchst pikanten Inhalts findet. Und wäre da nicht der Künstler Börje, der ganz neue Saiten in ihr zum Klingen bringt. Erna nimmt all ihren Mut zusammen und stürzt sich in das größte Abenteuer ihres Lebens.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Sie hatte sich so oft gefragt, wie es wohl wäre, richtig geküsst zu werden. Sie hatte sich auch Sorgen gemacht, selbst vielleicht nicht küssen zu können, falls es jemals dazu kommen sollte. Jetzt stand sie plötzlich in Börjes Küche, frisch geküsst, und hatte selbst dabei mitgewirkt, als hätte sie nie etwas anderes getan. Das war schon seltsam. " (S. 142)

"Ungeküsst" ist nett und beinhaltet eine gute Umsetzung eines ungewöhnlichen Themas, die sich schnell wegliest. Die Autorin geht sehr sensibel mit dem Problem des späten Singledaseins um und schreibt Erna und Börje eine wunderbar leichte und nachvollziehbare Liebesgeschichte auf den Leib.
Ich finde es lediglich etwas schade, dass Erna ein wenig überzeichnet wirkt. So hat sie dank einer Zangengeburt eine auffällige Kopfform, was den Leser unweigerlich dazu veranlasst, anzunehmen, die Tatsache, dass sie mit 34 noch ungeküsst bei ihren Eltern lebt, wäre allein diesem Umstand zu verdanken. So ist es aber gar nicht. Zwar spielt auch eine Rolle, dass ihre Eltern Ernas Hilfe auf dem Hof brauchen, und Erna im Gegenzug auch noch sehr abhängig von ihren Eltern wirkt. Dennoch wird hier niemand müde, Ernas Kopfform zu erwähnen und zu rätseln, wie schlecht es ihr dadurch ergehen muss - was selbstverständlich ihre Unsicherheit verstärkt und nur noch mehr dazu führt, dass sie sich bei ihren Eltern verkriecht. Denn eigentlich geht es Erna gut, sehr gut in ihrem Leben. Nur verliebt ist sie halt nicht.
Bei dem cholerischen und unglaublich Frust ablassenden Vater und der zurückhaltenden Mutter wünscht man Erna ein wenig Glück und Selbstbewusstsein, und beides findet sie, als Börje in ihr Leben schneit. Ihre Zweisamkeit nimmt zwar keinen übermäßig großen Raum in diesem ohnehin eher schmalen Büchlein (219 Seiten) ein, hat mir aber gefallen, weil sie Ernas Tempo und ihrer Art entspricht. Börje bringt Ernas Lebensgeister zum Erwachen und das fand ich sympathisch.

Fazit:
"Ungeküsst" ist sicher kein Bestseller, der die Massen überwältigen wird, aber doch eine nette kleine Geschichte über eine Frau, die zwar spät, aber noch die schönen Seiten des Lebens für sich entdeckt. Gute 4 von 6 Bücherstapel.

Ein herzliches Dankeschön an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Kommentare:

  1. Bei dem Titel dachte ich erst an eine Teenie Lovestory ;)
    Klingt aber nach einem netten Buch für zwischendurch.

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    1. Ist es auch :) Mehr als 1 Tag brauchst du dafür nicht einplanen.

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  2. Klingt nach einem hübschen Buch zur Unterhaltung :)

    Liebe Grüße!

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