Donnerstag, 27. September 2012

"The Homelanders - Stunde Null" - Andrew Klavan

Thienemann Verlag, 2012
12,95 Euro

Handlung:
Charlie West, 18, erlebt den Albtraum seines Lebens: Zwei Männer drohen, ihn zu töten und er kann sich an nichts erinnern. Er weiß nur, er muss handeln. Jetzt! In allerletzter Sekunde gelingt ihm die Flucht. Und eine gnadenlose Jagd durch die USA beginnt, denn Charlie ist nicht nur ins Visier von Terroristen geraten, auch die Polizei sucht ihn. Wegen Mordes! Sein Leben verläuft vollkommen normal. Er kommt klar mit seinen Eltern, die Schule ist okay, bei seinen Freunden ist er beliebt. Und morgen hat er sein erstes Date mit Beth. Glücklicher als jetzt kann er nicht sein. Und dann stimmt plötzlich nichts mehr. Von einem Tag auf den anderen ist er vollkommen allein und zwölf Monate seines Lebens liegen hinter ihm, an die er keine Erinnerung hat. Sicher ist nur eins: Er hat alles verloren. Sein Zuhause, seine Freunde, Beth. Niemand kann ihm mehr helfen, er hat nur noch sich selbst. Doch Charlie will leben und er will die Wahrheit herausfinden: Warum jagt ihn die Terrororganisaton The Homelanders? Wer hat Alex, seinen besten Freund, wirklich ermordet? Wie kann er seine Unschuld beweisen, ohne selbst schuldig zu werden? Die Zeit läuft gegen ihn. Jede Sekunde zählt. Die Luft zum Atmen wird verdammt dünn ...
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
An und für sich bin ich vorsichtig geworden, wenn auf Buchdeckeln und in Klappentexten mit Ausrufen wie "Für Fans von XY!" oder "Noch besser als XY!" geworben wird, denn zu oft schon hat sich sowas als Trugschluss erwiesen und ich habe mich gefragt, wer solche Vergleiche eigentlich anstellt. Auf dem ersten Teil der Reihe um "The Homelanders" wurde nun ebenfalls mit solch einem Schlagruf geworben: "Für Fans von 24, Prison Break und The Bourne Identity." Gut, dachte ich mir, versuch ich es doch mal, immerhin litt ich jedes Mal zutiefst mit, wenn sich Jack Bauer oder Jason Bourne durchs Unterholz kämpften und versuchten, Klarheit ins Ungewisse zu bringen.
Charlie West in "The Homelanders - Stunde Null" ist zwar nicht wie Jack Bauer oder Jason Bourne, aber spannend ist seine Flucht vor diversen fiesen Kerlen, die hinter ihm her sind, trotzdem. Erinnerte mich beim Lesen fast eher ein wenig an Richard Kimble, den Armen. Aber Ich-Erzähler Charlie ging mir im Gegensatz zu Richard Kimble oder auch Jason Bourne beispielsweise nicht unmittelbar ans Herz, was wohl daran liegt, dass er in meinen Augen ein typischer jugendlicher Vorzeige-Amerikaner ist. Charlie ist nett, freundlich, hilfsbereit, gut in der Schule, ambitioniert - aber die Figur Charlie hat auch ein wesentliches Problem, was man oder ich als Deutsche vielleicht nicht so recht nachvollziehen kann. Er bekommt von Autor Klavan eine unglaublich patriotische Ader angedichtet. Er erscheint so vaterlandsliebend und überzeugt davon, dass Amerika und seine Politiker von grundauf gut und hilfsbereit sind, und er möchte nichts lieber als sich zu engagieren und seinem Land zu dienen. In einem Rückblick spricht Charlie über eine Diskussion, die er mit seinem Lehrer hatte, in der Charlie eben diesen Lehrer aufforderte, ihm nur 1 Land zu nennen, das nicht von der Hilfe Amerikas profitiert hätte. Dieser Lehrer konnte ihm keins nennen, und so sah sich Charlie mehr als bestätigt. Spätestens da ist mir klar geworden, dass der Autor Andrew Klavan wohl mit Leib und Seele Amerikaner ist und das auch in seinen Büchern und seinen Figuren auslebt.
Der erste Teil des Buches besteht abwechselnd aus "auf-der-Flucht-sein" in der Gegenwart und Kapiteln, die in Charlies Vergangenheit blicken - zurück zu dem letzten Tag, an den er sich erinnern kann, bevor er in einer Folterkammer aufwacht und mit einer Säurespritze bedroht wird. Wir erleben so mit, was er an eben diesem Tag gemacht hat, der allerdings schon 1 Jahr her ist, wie Charlie im Laufe der Zeit mitbekommt. 1 ganzes Jahr ist vergangen und er erinnert sich an nichts, was dazwischen passiert ist. Dieser erste Teil der Buchreihe legt vorerst nur den Anfang einer Reihe von Geschehnissen und Verwicklungen, die noch auf Charlie zukommen, und so fehlen einem zunächst noch diverse Zusammenhänge. 
Das Ende von "Stunde Null" biegt dann recht unvermittelt in eine eher politische Ecke ab, sobald klar wird, wer sich hinter den Homelanders verbirgt (auch wenn hier in Band 1 zunächst nur Andeutungen gemacht werden). Das fand ich etwas befremdlich und in heutigen Zeiten auch schwierig, ohne sich allzu sehr zu positionieren, was man als Autor aber wohl unweigerlich tut. Und so schlägt hier eben einmal mehr der amerikanische Lebenssinn durch; und auch wenn ich noch nicht so genau weiß, ob ich mit dem Thema umgehen kann und möchte, das in den Folgebänden wohl definitiv vertieft werden wird - so hat mich der ganze Aufbau und die unterschwellige Spannung in "The Homelanders" doch sehr neugierig und vor allem interessiert an Mehr gemacht. Die Fortsetzung "Auf der Flucht" werde ich mir daher definitiv auch noch zulegen. Es ist schwierig, das hier in Worte zu fassen, ohne Wesentliches zu verraten - und wer sich hinter den Homelanders verbirgt, ist in meinen Augen definitiv etwas Wesentliches, daher lasse ich es.

Fazit:
"The Homelanders - Stunde Null" konnte mich weniger mit seinen zugrunde liegenden (politischen und) Überzeugungsbezogenen Inhalten überzeugen, als vielmehr mit der spannenden Handlung und der Frage, wie die Sache für Charlie weitergeht. Definitiv lesenswert, auch wenn man nicht Amerikaner ist ;)

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