Samstag, 1. September 2012

"Auf den ersten Blick" - Danny Wallace

Heyne Verlag, 2012
14,99 Euro

Handlung:
Schon seltsam, wie die Dinge im Leben manchmal laufen. Seit Wochen bläst Jason Trübsal, weil seine Exfreundin einen anderen heiraten will, und dann steht eines Tages plötzlich seine Traumfrau vor ihm. Sie kämpft mit der Tür eines Taxis und hat den Arm voller Taschen und Einkaufstüten, als Jason ihr auf der Charlotte Street begegnet. Aus einer der Tüten lugt ein kleiner Kaktus hervor, der herauszufallen droht. Jason bietet seine Hilfe an, und da schenkt ihm die schöne Unbekannte ein Lächeln. Ein unglaublich hinreißendes Lächeln, das Jason verzaubert. Das sich ihm einbrennt. Das ihn wie schockgefroren auf der Straße stehen und grinsen lässt. Als er wieder zu sich kommt, ist das Taxi weg und mit ihm die Frau. In den Händen hält Jason eine Einwegkamera, die aus einer der Taschen gefallen sein muss. Darauf sind zwölf Bilder, die sein bester Kumpel Dev entwickeln lässt. Anhand der Hinweise auf den Fotos begeben sich die beiden auf eine Spurensuche kreuz und quer durch London. Die Suche nach der Traumfrau hat begonnen.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:

"Meinst du denn, dass wir sie suchen sollten?"
"Heute Abend fällt eine Entscheidung!", lallte Dev. "Es liegt in der Luft! Wir haben schon ein Pfund an der Quiz- Maschine gewonnen und waren in einer Ausstellung über Wolle. Der Zeitpunkt ist perfekt!" (S. 152)

Ein Buch wie "Auf den ersten Blick" habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Was wirklich schade ist, weil genau solche Bücher die Fähigkeit haben, mich für ein paar Stunden einzufangen und bis ins Herz zu erfreuen.
"Auf den ersten Blick" ist - ich nenne es mal - ein Quasselbuch. Während die meisten Bücher ihr Augenmerk auf ihre Geschichte bzw. deren Vorantreiben legen, lässt uns Danny Wallace hier stattdessen ausgiebig an den Gedankengängen seiner Hauptfigur teilhaben. Jason Priestley - und nein, es handelt sich dabei NICHT um den Darsteller aus der Serie "Beverly Hills 90210", aber keine Sorge, den Spruch hat er in seinem Leben schon mehrfach gehört... - nun, Jason jedenfalls begegnet eines Tages einer jungen Frau auf der Charlotte Street in London. Es ist nicht so, dass er sich sofort unsterblich verliebt, aber dennoch geht ihm diese Begegnung und vor allem das Lächeln dieses Mädchens nicht mehr aus dem Kopf. Wie es der Zufall will, hält er nach diesem Zusammentreffen die Kamera dieser Frau noch in der Hand, als diese schon längst weg ist. Ist das vielleicht ein Zeichen? Er fängt an, sich mithilfe der entwickelten Fotos auf ihre Spur zu begeben und sie inmitten der Millionenstadt London wiederfinden zu wollen. Kein leichtes Unterfangen, doch tatkräftige und durchweg gutgemeinte Unterstützung erhält er von seinem Freund Dev, sowie nach und nach auch von anderen bemerkenswerten Menschen, die er kennenlernt.
Nun, warum ist "Auf den ersten Blick" in meinen Augen also ein Quasselbuch? Es ist so: Jason ist ein Träumer und Denker, und das merkt man schon nach wenigen Absätzen. Von den knapp 500 Seiten, die das Buch umfasst, enthalten vielleicht gute 300 davon tatsächliche Handlung. Ansonsten kommen wir in den Genuss von Gedankengängen, Auseinanderpflückungen von Gesprächen und facebook-Inhalten, Überlegungen zum Leben, zur Liebe und warum diese manchmal nicht funktioniert, zu London und seinen Bewohnern, zu Träumen, Wünschen und Zielen. Klingt vielleicht etwas anstrengend; tatsächlich aber wird es auf keiner einzigen Seite langweilig. Das liegt vermutlich daran, dass Danny Wallace herrlich ungezwungen und humorvoll schreiben kann und eine tolle Beobachtungsgabe hat, die mich so manches Mal hat auflachen lassen. Danny Wallace lebt und arbeitet in London, er weiß, wovon er spricht und das merkt man auf jeder Seite. Außerdem habe ich mich unweigerlich in manchen Gedanken von Jason wiedergefunden, da ich vieles einfach genauso sehe bzw. ähnlich darüber denke. Hat mir wirklich manchmal aus der Seele gesprochen und das hat mir gefallen.
Jason - ebenso wie Dev und seine Problemchen - wachsen einem zunehmend ans Herz und man kann gar nicht anders, als weiterlesen zu wollen, um herauszufinden, ob Jason sein Fräulein Unbekannt denn wirklich noch ausfindig machen kann. Zugegeben, die Handlung bekommt im letzten Drittel des Buches einen kleinen Durchhänger, was daran liegt, dass Jason das Leben in die Quere kommt und das mit seinen Absonderlichkeiten gnadenlos zuschlägt. Darüber gerät die Suche nach der Unbekannten fast ins Vergessen.
Sieht und liest man über die kleine Länge jedoch hinweg, kann ich "Auf den ersten Blick" nur empfehlen an jeden, der Geschichten über das Suchen und Finden der Liebe im Hier und Jetzt mag. Und der gern ausschweifenden und locker-plauschigen Erzählstil mag.
Übrigens: das Ende des Buches ist einfach schön.

Fazit:
Hat mir wunderbar gut gefallen.


Ein herzliches Dankeschön an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Kommentare:

  1. Super! Das Buch hat es mir eh schon angetan, nach den sympathischen Trailer-Worten des Autors sowieso. Wenn du so überzeugt/begeistert bist, muss ich es einfach mal ausprobieren. Und herrlich: Jason Priestley, da musste ich auch gleich an Beverly Hills denken. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Also ich fand es herzerfrischend schön, mal was anderes. Ist dadurch allerdings auch nicht jedermanns Sache, aber ich bin für sowas ja immer zu haben :)
      LG zurück

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  2. Ich hoffe doch, dass es meinen Geschmack treffen wird. Das Buch wurde nämlich wenige Stunden nach deiner Rezi, an einem verkaufsoffenen Sonntag gekauft, und wird hoffentlich bald gelesen. :)

    LG, Reni

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