Donnerstag, 9. August 2012

"Souvenirs" - David Foenkinos

C.H. Beck Verlag, 2012
17,95 Euro

Handlung:
Der junge Held dieses Romans lebt in einem Zustand "permanenter Unschlüssigkeit", als kurz hintereinander sein Großvater stirbt, seine Großmutter nicht nur ins Altenheim, sondern auch wieder in die Schule, sein Vater in Rente und seine Mutter nach Russland geht. Irgendetwas ist in seine Familie gefahren. Was bleibt ihm anderes übrig, als in den Tiefen der Pariser Nacht seine ruhmreiche Zukunft als Schriftsteller hinter der Rezeption eines kleinen Hotels vorzubereiten? Wenn sich alles verändert, was bisher unverrückbar schien, braucht man schließlich etwas, was einem Halt gibt. Eine Frau zum Beispiel. Doch wo finden? Auf einer Beerdigung etwa? Wohl kaum. Am Ende kommt doch wieder alles anders.

Meine Meinung:

"Wie konnte ich das wissen, ich, der das Leben noch vor sich hatte? Die Liebe, die Eingebungen, die Schönheit, die der Zufall hervorbringt, oder auch die nächste Fußballweltmeisterschaft." (S.25f)

Manchmal, wenn ich in einem Buch auf außergewöhnliche Sätze stoße, die mich beeindrucken oder die mir - aus welchen Gründen auch immer - im Kopf bleiben, reiße ich mir kleine Schnipsel von einem Blatt Papier ab und stecke sie oben ins Buch, um mir die Seite zu markieren. Während sich dieses Ritual bei den meisten Büchern, wenn überhaupt, auf etwa 2 oder 3 Schnipsel beschränkt, sieht mein Buch "Souvenirs" mittlerweile oben völlig ausgebeult aus, weil sich dort die Papierschnipsel häufen.
Der Grund dafür ist einfach: David Foenkinos hat einfach ein unglaubliches Talent, manche Dinge in Worte zu fassen, sie zu Wahrheiten zu machen und sie dem Leser vor Augen zu führen. Das ist mir schon beim ersten Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe, "Nathalie küsst", aufgefallen, und auch hier zeigt sich diese Sprachgewandtheit wieder. Dabei wird die Handlung fast nebensächlich, auch wenn ich die Geschichte des Ich-Erzählers, dessen Namen wir leider nicht erfahren, überaus liebenswert fand. Es sind die Souvenirs des Alltags und des Lebens, um die es hier geht. Von einem Tag auf den anderen muss er erfahren, dass sich vieles ändern kann, dass nichts im Leben seinen ewigen Trott geht. Dass der Tod eine ebenso große Rolle spielt wie das plötzliche Verliebtsein. Über einige Jahre begleiten wir ihn dabei, wie er durch die Höhen und Tiefen des Lebens geht, wobei sich der Hauptteil des Buches zeitlich sehr dicht erzählt - alles passiert innerhalb weniger Tage. Erst zum Ende hin gibt es plötzlich große Zeitsprünge, was ich etwas schade fand, weil dadurch die Atmosphäre ein wenig verloren ging und das ganze nunmehr eher wie eine bloße Erzählung wirkte. Überhaupt kann ich mich mit dem Ende des Buches nicht so ganz anfreunden. Es ist zwar durchaus realistisch und stellvertretend für "das Leben", aber ich hätte dem namenlosen Helden dieser Geschichte eine Spur mehr Glück gewünscht. Aber nun gut, im Leben ist nun nicht immer alles eitel Sonnenschein und letztlich bieten die Geschehnisse auf den letzten Seiten auch Freiraum für eigene Ideen, wie es weitergehen könnte.
Was ich an diesem Buch ganz besonders schön fand, waren die Kapitel, die aus Erinnerungen irgendwelcher Personen bestehen. Nach jedem Kapitel, in dem der Ich-Erzähler zu Wort kommt, gibt es einen kleinen Ausflug in die Erinnerungen, die Souvenirs anderer Menschen, die nur kurz im vorhergehenden Kapitel angesprochen wurden - und die mit der eigentlichen Handlung überhaupt nichts zu tun haben. Aber diese kleinen Souvenirs sind meist so liebenswürdig, so außergewöhnlich, dass sie dem gesamten Buch einen Hauch Kuriosität verleihen und es zu etwas wirklich Besonderem machen. Auf jeden Fall zu einem rundum lesenswerten Buch.

"Aber eigentlich träumte ich davon, dass mir etwas Großes passierte." (S.85)

Fazit:
Ich finds toll, wie David Foenkinos schreiben kann. Und dann verpackt er das Ganze in eine nette Geschichte und würzt sie mit kleinen Anekdoten oder Ideen, die man in anderen Büchern nicht findet. So ging es mir schon bei "Nathalie küsst", jetzt bei "Souvenirs" ist es nicht anders. Definitiv lesenswert!

Ein herzliches Dankeschön an Blogg dein Buch und den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!


1 Kommentare:

  1. Eine zauberhafte Rezi! Ich war von "Nathalie küsst" ja bereits begeistert, u. a. wegen dem tollen Stil. Also rauf auf die Wunschliste oder mal flott beim Tausch Ticket vorbeischauen, ob jemand das Buch loswerden möchte. Die Story hört sich toll und nach was anderem an. Muss ich lesen, jetzt erst recht! :)

    Liebe Grüße
    Reni

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