Freitag, 24. August 2012

"Gegen einsam" - Daniela Meisel

Picus Verlag, 2012
19,90 Euro

Handlung:
Manuel ist durchschnittlich. Er ist durchschnittlich groß, durchschnittlich schwer und hat einen durchschnittlichen Beruf. Bloß in einem will er nicht durchschnittlich sein: Siebzehntausend Dinge besitzt ein Mensch im Durchschnitt, und Manuel hat sich zum Ziel gesetzt, vierunddreißigtausend Dinge zu besitzen. Das ist sein Versuch, sich gegen die Einsamkeit zu wehren. Maja ist ebenfalls einsam. Ihre Arbeit ist langweilig, ihre beste Freundin ist eine taubstumme ältere Dame, ihre Freizeit verbringt sie damit, WG-Zimmer zu besichtigen. Anders als Manuel, der Gegenstände sammelt, sammelt sie Begegnungen. Als die beiden aufeinandertreffen, wissen sie zunächst nichts miteinander anzufangen, so unterschiedlich sind ihre Lebensentwürfe. Doch bald schon spüren sie, was sie für einander sein können und versuchen, mehr unbewusst als bewusst, gegen das Einsamsein anzukämpfen. Die Folgen für beide sind nicht absehbar …

Meine Meinung:
"Gegen einsam" ist ein Buch, das mir während des Lesens allerlei durchlebte Emotionen und vor allem viel Nachdenken beschert hat. An und für sich ist diese Geschichte alles andere als (mit-)reißend, lebhaft oder fesselnd. Im Gegenteil, "Gegen einsam" ist ein sehr ruhiges Buch, das sich schlicht auf das Beobachten und Beschreiben der Leben seiner beiden Hauptfiguren beschränkt.
Manuel und Maja sind zwei Außenseiter par excellence. Er ist durchschnittlich, wie man nur durchschnittlich sein kann, erlebt nichts besonderes, tut nichts besonderes und will nichts besonderes. Bis auf eins: er setzt sich das Ziel, eine Sammlung anzulegen, Dinge anzuhäufen und zu katalogisieren - und zwar soviele, dass er sich über das statistische Mittelmaß von 17.000 Dingen, die ein Mensch im Leben besitzt, hinwegsetzt. Maja ist und tut auch nichts besonderes, hat jedoch im Gegensatz zu Manuel noch ausgefallenere Hobbies, mit denen sie versucht, ihrer Einsamkeit ein klein wenig entgegen zu wirken. So gibt sie sich am Wochenende stets als Studentin aus und besichtigt freistehende WG-Zimmer, einfach nur, um Bekanntschaften zu schließen. Und man mag nicht glauben, was für Personen und vor allem Lebensgeschichten man auf diese Art und Weise kennenlernen kann.
Zwei schrullige Charaktere mit außergewöhnlichen Interessen und Neigungen, aber dennoch auf ihre Art sympathisch. Gewissermaßen konnte ich ihre kleinen Macken ziemlich gut nachvollziehen, und gerade manch trauriger, aber für sie völlig unbewusst formulierter Unterton von beiden hat mich zum Nachdenken gebracht. Darüber beispielsweise, ob man sein Leben nur mit bloßen Bekanntschaften füllen kann. Oder wie es ist, ständig übersehen zu werden, fast wie durchsichtig zu wirken.
Es dauert eine kleine Weile, bis sich beide schließlich treffen und kennenlernen. Und was dann folgt, ist in meinen Augen keine Liebesgeschichte - wie die Inhaltszusammenfassung einen vielleicht irrtümlicherweise glauben lassen mag -, sondern eher eine Bekanntschaft, die ihre Fühler in Richtung Freundschaft ausstreckt. Beide reißen sich aus dem alltäglichen Trott heraus und machen sich klar, dass das Leben aus mehr als den festgefahrenen Gedanken besteht.
Das Grundgerüst dieser Geschichte fand ich wirklich nett und auch die liebenswerten, aber leicht verrückten Figuren Maja und Manuel. Eine Liebesgeschichte finde ich hier jedoch nirgendwo - was vielleicht aber auch besser so ist -, und auch habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass das Kennenlernen beider Protagonisten wesentlich zur "Verscheuchung" der Einsamkeit beigetragen hat. Dafür haben beide einfach zuviel Einsamkeit im Kopf und machen auf mich auch gar nicht so recht den Eindruck, daran etwas ändern zu wollen.
Etwas anderes zu bekritteln habe ich außerdem, nämlich das dumme Ende des Romans. Ich habe zunächst wirklich gedacht, ich lese nicht recht, habe zurückgeschlagen und den Absatz nochmal gelesen und mir dann gedacht "Dieses Ende ist so undankbar und sinnlos für den ganzen Roman. Das macht alles wieder kaputt. Wieso musste das denn sein?" Und das finde ich schade für den Grundgedanken des Buches.

Fazit:
"Gegen einsam" ist ein liebenswertes Porträt von zwei allein lebenden Personen im mittleren Alter, die das Leben so nehmen, wie es kommt. Die Auseinandersetzung mit der Einsamkeit, die sich in beider Leben zeigt, fand ich gelungen, empfand sie aber letztlich nicht wirklich als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Leider hat das Ende des Romans die ganzen Sympathiepunkte, die ich nach und nach für "Gegen einsam" aufgebaut habe, platzen lassen. 4 von 6 Bücherstapel.


Ein herzliches Dankeschön an Blogg dein Buch und den Picus Verlag für das Rezensionsexemplar!


1 Kommentare:

  1. Das mit dem Ende habe ich jetzt schon zum zweiten Mal gelesen, sonst geht es mir auch oft so, dass mich das Ende mehr prägt als das Lesevergnügen währenddessen eigentlich vermuten lassen würde - aber bei Gegen einsam empfand ich das als gar nicht so argh. Trotzdem schön, eine andere wenn auch ähnliche Meinung zum selben Buch zu lesen!
    Liebe Grüße (:

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