Donnerstag, 16. August 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #5

Vor ein paar Tagen saß ich im relativ vollen Zug, um mich herum Getuschel, Gekicher, Geknistere und auch die obligatorischen 2 älteren Personen, die sich lautstark über Wehwehchen und Zipperlein unterhielten - die üblichen Geräusche also, die ich im Zug als Hintergrundgeräuschkulisse kenne. Auf einmal aber ... wurde es plötzlich ruhig. Alles verstummte, das Getuschel erstarb, die Person, die in der Knistertüte rumtastete, hörte damit plötzlich auf, irgendwo kicherte jemand leise, dann war nur noch das Brummen des Zuges zu hören . Ich brauchte einen Moment, bis ich das realisiert hatte und sah von meinem Buch auf. In der 4-er Sitzplatznische schräg vor mir hatte ein Bär von einem Mann Platz genommen und damit alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nicht nur, dass er riesig war, bestimmt über 1,90m, er hatte zudem leuchtend rote lange Haare, die ihm wirr um die Schultern flogen, einen Körperumfang, der ihn gleich 2 Sitze einnehmen ließ, und trug ein AC-DC T-Shirt zur schwarzen Lederhose. Irgendwie rocker-artig sah er aus. Wie eine Mischung aus Rubeus Hagrid und Gimli, der Zwerg. (Und dieser Satz an sich ist schon merkwürdig genug, beachtet man die Körpergrößen beider Figuren...) Alles starrte ihn an, aber er ließ sich nicht beirren. Er kramte in seinem Rucksack, zog eine Flasche Cola raus, setzte sich eine Brille auf (! Gimli mit Brille!!) und holte folgendes Buch hervor:

Aldous Huxley: "Brave New World"
Far in the future, the World Controllers have created the ideal society. Through clever use of genetic engineering, brainwashing and recreational sex and drugs all its members are happy consumers. Bernard Marx seems alone harbouring an ill-defined longing to break free. A visit to one of the few remaining Savage Reservations where the old, imperfect life still continues, may be the cure for his distress...
(Quelle: hier)

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Ich hab nicht schlecht gestaunt. Ich hab das Werk von Huxley noch nie gelesen, weiß nur so im ganz Groben, worum es geht. Aber ich schätze mal, es ist anspruchsvoll, und dann liest Gimli der Zweite das auch noch auf englisch.
Irgendwann fingen die Gespräche und das Geknistere wieder an, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, während dieser Zugfahrt hätte keiner der Mitfahrenden immer mal wieder einen kurzen Blick zu diesem Mann geworfen. Ganz verstohlen natürlich...

5 Kommentare:

  1. Hehe, von der Beschreibung her erinnert er mich an einen ehemaligen Kommilitonen. :-)
    Das Buch ist gut, eine der drei ursprünglichen Dystopien. Muss ich mal wieder aus dem Schrank holen.

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  2. Das Buch ist top! Thumbs up for Gimli :D

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  3. Das Buch ist sehr gut. Da sind Szenen dabei, die im ersten Moment lustig sind, aber wenn man nachdenkt, einem das Lachen im Halse stecken lässt.

    Ich bin auf deine Rubrik total neidisch.^^ Wenn ich endlich mal lesende Personen im Zug sehe, sehe ich nie den Titel, egal wie ich mich verrenke. ;)

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  4. Naja, es ist ja auch nicht so, als würde ich die Buchtitel immer einwandfrei und ohne Probleme erkennen. Oftmals gucke ich echt mehrfach so halb verstohlen zu demjenigen rüber, oder starre auf das Buch, wenn derjenige gerade wegsieht. Denn sonst wär´s ja ein wenig sehr aufdringlich. Und oftmals erkenne ich auch gar nicht den kompletten Titel, sondern nur einzelne Wörter, oder nur den Autor und ein Teil vom Cover, sodass ich dann erst später bei amazon oder irgendwo gucke, was das für ein Buch gewesen sein könnte. Bis jetzt hab ich´s immer rausbekommen :)

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    1. Mach dir weiterhin so viel Mühe, ich finde deine Beiträge immer sehr interessant. :)

      Ich frag mich immer, warum so wenige Personen lesen. Ich meine klar, manchen wird vielleicht schlecht davon, aber das ist doch nicht die Mehrheit. Ein Handy kann für mich jedenfalls keine Lektüre der Welt ersetzen.^^

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