Donnerstag, 23. August 2012

"Date me if you can" - Manfred Theisen

Sauerländer Verlag, 2012
12,99 Euro

Handlung:
Facebook. Einloggen. Find Friends. Alles wie immer. Doch da ist sie auf einmal: Christie, die absolute Traumfrau. Julian ist elektrisiert. Und legt los. Sie chatten. Er blitzt ab. Julian kann es kaum fassen. Wer ist diese Christie, und warum ist sie so viel selbstsicherer als die meisten anderen Mädchen?
Ein paar Klicks später weiß er: Christie bloggt als Date-Doc für ein Onlinemagazin. Sie erklärt, warum Frauen beim ersten Treffen immer zuerst ins Gesicht schauen, Männer aber in den Ausschnitt. Julian liest fasziniert weiter. Und dann will er es wissen: Mit diesen Insidertipps muss es doch möglich sein, Luise davon zu überzeugen, dass Julian ziemlich cool und ein Date wert ist...
(Quelle: hier)
 
Meine Meinung:
Ein Hinweis gleich vorneweg: Mit 27 Jahren gehöre ich sicher nicht mehr wirklich zur Zielgruppe der Leser, die hier angesprochen werden sollen. Die Haupt- Interessentengruppe würde ich eher im Bereich 14-18 ansiedeln. Kann also gut sein, dass das Buch bei wesentlich jüngeren Lesern auf Anklang trifft. Mir hat "Date me if you can" jedoch nicht gefallen.
Schon während des Lesens habe ich mich gefragt, was genau es ist, was mir hier nicht zusagt. Letztlich sind das vor allem 2 Aspekte:
1. Hier wirkt einfach alles oberflächlich. Da ist keine Tiefe, keine detailreichen Verwicklungen, keine bewegenden Momente zum Mitfühlen. Ist sicher auch nicht das non-plus-ultra in einem Jugendbuch, das Spaß machen und vermitteln soll. Trotzdem. Die Hauptfiguren waren mir durch die Bank weg unsympathisch oder völlig klischeehaft. Ob nun die sonnengebräunten, geschniegelten und in-den-Tag-hinein-lebenden Jugendlichen, die den ganzen Tag nur mit ihrem iPhone rumlaufen und nebenbei Mädels klarmachen (wollen), und schließlich aus lauter Langweile eine Wette darüber abschließen, ob es Julian schafft, Luise ins Bett zu kriegen. Oder Spliff, die gerade mal wenige Jahre ältere, aber schon so abgeklärte Liebestrainerin, die sich dank ihres unglaublichen Aussehens - dessen sie sich voll bewusst ist und daher auch nicht müde wird, es zu betonen - vor lauter Angebaggertwerden nicht retten kann. Oder ihre stets bekiffte Mutter, die das als Therapie abtut. Oder die Mitschülerin von Julian, die nach nur einem netten Gespräch sofort mit ihm ins Bett will. Oder oder oder...
Hier gibt sich ein übertriebenes Detail nach dem anderen die Klinke in die Hand. Das wirkt einfach alles nicht echt. Mir ist schon klar, dass die Jugend von heute anders tickt als zu meinen Zeiten (Gott, klingt das alt!). Aber ich würde dennoch einfach mal behaupten, dass es trotzdem auch heute nicht nur darum geht, schnellstmöglich jemanden für eine schnelle Nummer klar zu machen. In diesem Buch ist für das Machogehabe und das "Abchecken der Girls" von Julian und seinem Freund Benedikt einfach unglaublich viel Potential für "echte" Jugendnöte  und - sorgen verschwendet worden. Und auch die eingebaute Liebesgeschichte hat mich null überzeugen können, weil sie vom ersten Moment an unglaubwürdig war.
2. Die Sprache. Sicher, zu den obercoolen Macho - Aufreißern  mag es passen, sich ständig sinnfreie Sprüche und Anmachen an den Kopf zu werfen. Und auch die Anglizismen sind aus der deutschen Sprache nicht mehr wegzudenken, schon klar. Wenn hier nun aber ständig nur noch die Rede von einer "Ten" ist, wenn es um ein hübsches Mädchen geht (deren Freundinnen aber leider stets nur eine "Seven" abbekommen), wenn das bloße Ansprechen einer Person hier nur noch "Approachen" genannt wird, ohne Flirt-App auf dem Smartphone gar nichts mehr geht - ... dann fühle ich mich irgendwie wie am falschen Ort. Oder im falschen (Jugend-) Film. Wie gesagt, 16-Jährige mögen sich in dieser verqueren Welt vielleicht noch wiederfinden, ich dagegen konnte irgendwann nur noch die Stirn runzeln.
 
Fazit:
Gar nicht mein Fall. 2 von 6 Bücherstapel.
 

Trotzdem ein herzliches Dankeschön an den Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar.
 

1 Kommentare:

  1. Liebe Caroline,

    hab dich gerade erst entdeckt und bin schon ein Fan. Bei Date me if you can wäre ich vielleicht auch in die Klappentext-Falle getappt, aufgrund deiner toll geschriebenen Rezi weiß ich: Das ist nix für mich ;)
    Rezensierst du auch Blogs? Ich schreibe an einem, der liest sich fast wie ein Buch. Es geht um einen mehr oder weniger ungewollten Racheplan, eine durchaus ungewollte Stieftochter und eine sehr gewollte, aber sich in Gefahr befindende Beziehung.

    Ich wüsste sehr gerne, was du von dem Blog hältst...falls du keine Zeit hast, kannst du mir auch gerne mit einem einfachen Buchstaben antworten:

    a.) Zum Glück musste dafür kein Papier sterben. Gibt es eine Steigerungsform zu Fremdschämen?
    b.) Mädel, ich hoffe, du hast auch etwas Richtiges gelernt.Vor allem in deinem Alter.
    c.) Nett, was du da schreibst. Nett ist aber bekanntlich auch der Bruder von Scheiße.
    d.) Interessant, die Website. Aber hast du es schon mal mit Marmeladeeinkochen probiert?
    e.) Gefällt mir :)
    f.) Wenn ich einen guten Tag habe, stelle ich deinen Blog sogar auf meinem vor.

    LG Maya

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