Mittwoch, 11. Juli 2012

"dead.end.com" - Alice Gabathuler

Thienemann Verlag, 2011
12,95 Euro

Handlung:
Es ist eine Gelegenheit, nach der jeder Gamer/Zocker sich die Finger leckt: exklusiv dabei zu sein, wenn DIE Spielesensation der Zukunft vorab auf ihre Tauglichkeit getestet wird. Für Mo, Tessa, Greti, Carlos und 20 weitere Jugendliche wird dieser Traum wahr. Sie sind die Ersten, die dead.end.com spielen dürfen. In einer groß angelegten und vermarkteten Aktion werden die Gamer-Clans in eine hermetisch abgeriegelte ehemalige Militäranlage gebracht, um dort das Spielerlebnis ihres Lebens zu machen. Doch kaum läuft dead.end.com an, wird auch schon klar, dass das hier mehr ist als nur ein Spiel. Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt verschwimmen ... und bald schon stellt sich den Spielern nur noch eine Frage: Wer spielt hier falsch?
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
Die Inhaltsangabe von "dead.end.com" wird sicher nicht nur mich an andere Bücher wie beispielsweise "Erebos" erinnern, die Computerspiele, reale Animationen etc. als Themen aufgreifen. Das ist ein schweres Los, allerdings braucht sich "dead.end.com" nicht hinter diesen anderen Erfolgsbüchern zu verstecken. Denn zu unterhalten weiß die Geschichte um Greti, Carlos und Mo allemal. Man wird als Leser - ebenso wie sie - direkt hineingeworfen in ein Spieleszenario, bei dem zunächst niemand so genau weiß, was ihn oder sie erwarten wird und worin eigentlich das "Spiel" als solches besteht. Erst nach und nach wird offensichtlich, dass sich dieses "Spiel" nicht nur auf dem Bildschirm, sondern durchaus auch in der Realität bewegt...
Ich bin ehrlich gesagt etwas zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. Mit hat "dead.end.com" prinzipiell gut gefallen, es ist trotz (oder wegen) der sparsamen sprachlichen Ausschweifungen sehr spannend, die kurz gehaltenen Kapitel führen dazu, dass man das Buch eigentlich gar nicht erst groß aus der Hand legt, sondern direkt durchliest. Die Geschichte bietet aber vor allem viel Potential, aus dem man etwas mehr hätte machen können. Das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Spielerfiguren verliert sich schon recht früh in vagen Andeutungen, Gedankensprüngen der Personen, Andeutungen, die die Vergangenheit betreffen. Und doch wird vieles lange nicht erklärt, manches sogar bis zum Ende nicht. So wurde ich beim Zuschlagen des Buches das Gefühl nicht los, irgendetwas Wesentliches verpasst, vielleicht überlesen zu haben; und manche Verwicklungen gar nicht wirklich bis ins kleinste Detail aufgenommen zu haben.
Was verbindet Tessa und Mo beispielsweise? Was ist deren Vorgeschichte? Wie haben sich die einzelnen Teams gebildet, kannten sich die Mitglieder vorher schon jahrelang? Wieso will der Oberboss des Spiels unbedingt Tessa dabei haben, obwohl er doch eigentlich GENAU DAS lieber nicht wollen sollte?
Solch offene Fragen führten dazu, dass ich das Ende nicht wirklich zufriedenstellend fand.
Nach mehr als der Hälfte des Buches hatte ich zudem noch immer Schwierigkeiten, die Namen der Spielteilnehmer zu behalten und die Spieler den einzelnen Gruppen zuzuordnen. Nach kurzen Verwirrungsmomenten meinerseits kam dann das gedankliche Sortieren - "Yuki gehört zu Mo? Ach nein, zu Gretis Gruppe, so war´s." - und dann erst ging es weiter, bis zum nächsten Namen.
Schließlich erfährt man leider recht wenig über die einzelnen Spieler, nimmt man die Erzähler Mo, Greti und Carlos mal aus - wobei die Einblicke in deren Gedanken auch nicht sehr großzügig waren. Gerade Greti blieb mir eigentlich ziemlich fremd, was ich schade fand, denn ich hätte gern mehr über sie gewusst und erfahren, warum sie so geworden ist, wie sie ist, und was es mit dem ständig präsenten Vergleich zu Lara Croft auf sich hat.
Tatsächlich konnte ich mir leider von kaum einer Figur ein richtiges Bild machen, weil durch das Spieleszenario sehr wenig von ihnen transportiert wird. Zwar wird hier und da offensichtlich, wer in Stresssituationen aufsässig, wer aggressiv, wer ein Angsthase wird, aber das war mir leider zu mager gestreut. Was mir hier wirklich gefehlt hat, war dieses Gefühl beim Lesen, sich mit (wenigstens) irgendeiner der spielenden Figuren identifizieren, mit ihr mitfühlen zu können. Die Figuren waren in meinen Augen wirklich nicht mehr als das: Spielfiguren; keine echte Personen, deren Wunsch, sich eine Weile in einem Computerspiel zu verlieren, man hätte nachvollziehen können. Auch erschien mir die Rollenverteilung "gut-böse" im Buch recht schnell festgelegt und durch keine Aha-Momente oder Wendungen mehr zu zerrütten. Wem hier der schwarze Peter zugeschrieben wurde, der hatte ihn auch von Anfang bis Ende. Kein Platz für Überraschungen - schade.

Fazit:
"Dead.end.com" ist spannend, gut geschrieben und bis zu einem gewissen Grad auch geschickt ausge- und durchdacht. Trotzdem kann es mit Büchern wie "Erebos", "Ready Player One" oder "Saeculum", die in irgendeiner Weise ähnliche Themen behandeln, nicht wirklich mithalten. Dafür sind mir hier und da zu sehr Ungereimtheiten aufgefallen, oder manche Aspekte wurden mir einfach zu wenig erklärt und zu wenig beleuchtet. Als spannende Zwischendurch-Lektüre aber allemal geeignet. 4 von 6 Bücherstapel.

3 Kommentare:

  1. Interessante Rezension.
    Ich war auch etwas unsicher, wobei ich das Buch vermutlich noch etwas lieber mochte als du. Bei den Namen kann ich dir aber total zustimmen, ich war auch immer total verwirrt und wusste nie so genau, wer welcher Gruppe angehört.

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  2. Hm, ich glaube, dann ist das Buch eher nichts für mich. Ich bin oft sehr unzufrieden, wenn ich das Gefühl haben, dass viele elementare Fragen noch offengeblieben sind.

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  3. Hallo,

    Mir hat das Buch damals so gut gefallen... Mit den Namen hatte ich eigentlich keine Probleme. Hast du bisher auch noch andere Bücher der Autorin gelesen?


    Im Sommer ist übrigens ein neues Buch meiner Lieblingsautorin Alice Gabathuler erschienen. "Hundert Lügen" ist anders als erwartet, aber trotzdem wirklich ein tolles Buch. Falls du Lust hast kann ich dir eine signierte Autogrammkarte der Autorin zuschicken (hab einen Stapel von ihr bekommen) und vielleicht magst du dir ja ihr neues Buch anschauen und vielleicht liest du es auch. Würde mich wundrnehmen was du davon hälst.

    Ganz herzliche Grüsse von meinem Blog,

    Josia

    P.S. Falls du eine Autogrammkarte willst, kontaktiere mich bitte über Mail (josia@jourdan.ch)

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