Freitag, 11. Mai 2012

"Vertigo" - Kristina Dunker

AmazonCrossing, 2012
aktuell: 7,30 Euro (Stand: 11.05.12)

Erscheinungsdatum: 15.05.2012

Handlung:
Eva is sixteen and experiencing all of the excitement of being in love for the first time. And this weekend promises to be special, as she and her boyfriend, Julian, will be spending time at his parents’ country house. Nothing could be more perfect. Except the journey to the country is anything but, and Eva’s dream weekend is turning into a total nightmare.
When Eva’s train is delayed, she is unable to pick up Julian. She soon finds herself alone on a forest road late at night—and the witness to a group of teenagers beating a young boy. As she somehow sneaks by unnoticed, she also loses her diary, an incredibly personal book that holds all of her secrets—including details of her visits to a psychotherapist. So when she meets a kindred spirit who shares her demons and seems to know so much, she has to wonder whether he has read her thoughts.
(Bild und Inhaltsangabe von amazon.de)

Meine Meinung:
"Vertigo" ist ein durchaus interessanter, wegen seines Themas sehr aktueller und gut geschriebener Jugendroman. Jedoch kein Thriller, denn dafür fehlt meines Erachtens nach ein wenig die Spannung, die Atemlosigkeit und vor allem: die Ungewissheit, was das alles bedeuten und wie alles zusammenhängen könnte.
 
Ich empfand das Lesen von "Vertigo" an mancher Stelle als recht holprig, was aber auch an der Übersetzung vom Deutschen ins Englische liegen kann. Das kann ich nicht einschätzen; an mancher Stelle, vor allem bei Dialogen zwischen Julian und Eva, kamen mir Formulierungen jedoch etwas "unecht" und gewollt vor - so unterhalten sich schlicht keine verliebten Teenager miteinander. Trotzdem ist "Vertigo" wirklich gut geschrieben und bietet eine sehr schöne und ausgewogene Mischung zwischen den Gedanken und Reflektionen von Eva einerseits und den eigentlichen Geschehnissen und Dialogen andererseits. Das Thema "Tagebuch" nimmt hier einen sehr wichtigen Stellenwert ein, und wir lernen Eva als sehr nachdenklichen Menschen kennen, der seine Gedanken eben am besten beim Aufschreiben ordnen kann. Sie selbst hat scheinbar schon schwere Zeiten durchgemacht (diese werden aber leider nur recht stiefmütterlich am Rande angesprochen), besucht einen Psychologen und vertraut ihr Innerstes eben einem Buch an. Insofern ist es verständlich, dass sie als jemand dargestellt wird, der sich stets Sorgen und Gedanken um alles und jeden macht. Gerade deswegen war mir Eva an vielen Stellen aber einfach zu gutgläubig und naiv. Natürlich spielt die noch recht frische Verliebtheit eine Rolle - Stichwort: rosarote Brille -, aber dass sie ihre Grundsätze und Ansprüche, ihr Vertrauen in andere und ihren Instinkt für dieses Wochenende in Munkelbach so ignoriert und einfach nicht das tut, was sie für das Beste hält - das fand ich befremdlich und unverständlich.  
 
Schade fand ich zudem, dass die Bahnen für die Auflösung am Ende schon recht schnell gelegt und die Gesamthandlung dann auch sehr in diese Richtung gedrängt wurden. Ein wenig mehr Verwicklungen und falsche Fährten, auch ein Aha-Moment am Ende hätten der Spannung im Buch gut getan und dazu geführt, dass man sich als Leser letztlich ein klein wenig mehr überrascht gefühlt hätte. So bleibt der Eindruck, dass hier schon früh der ganze Fall klar ist, und sich das ganze Beiwerk nur Eva noch nicht erschließt - weil sie es nicht wahrhaben will. Der Klappentext deutet auf ein "Katz und Maus" - Spiel hin zwischen Eva und Demjenigen, der ihr Tagebuch entwendet hat. Genau das ist aber, was fehlt: ein fieses Hin und Her, das einen als Leser selbst ratlos sitzen lässt. Erst auf den letzten 20, 30 Seiten bekommt Eva eine wirkliche Ahnung davon, dass sie jemand mit ihren Tagebuchinhalten einschüchtern will - und erfährt aber schon im nächsten Satz, um wen es sich dabei handelt. Ausgebremst und noch dazu etwas falsche Erwartungen durch den Klappentext geweckt, was ich schade fand.
 
Fazit:
"Vertigo" überzeugt durch seinen aktuellen Bezug, gute Sprache und eine interessante Grundidee. Ich persönlich hätte mir mehr Verwicklungen, Irrwege und Spannung gewünscht, denn  die Auflösung wird einem hier - zumindest in meinen Augen - recht schnell präsentiert.
 

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