Donnerstag, 17. Mai 2012

"Sie und Er" - Andrea de Carlo

Diogenes Verlag, 2012
22,90 Euro

Handlung:
Wahre Liebe gibt es nicht. Nur Beziehungen, die ein wenig Sicherheit geben so sieht es Clare. Oder Affären so Daniel. Bei einem Autounfall begegnen sich die beiden zum ersten Mal - nicht unbedingt der ideale Rahmen. Andererseits: Derart nüchtern beginnen nur die ganz großen Liebesgeschichten.
(Inhaltsangabe und Bild hier entnommen)

Meine Meinung:
"Einen guten Teil seines Lebens hat er versucht, aus der schier unendlichen Palette möglicher Handlungsweisen, die ihm einfielen, die sinnvollste auszuwählen, doch dann hat er entdeckt, dass die Ergebnisse nicht unbedingt besser sind, als wenn er unüberlegt handelt." (S. 107)

Ich weiß gar nicht, wieso ich dieses Buch so lange ungelesen bei mir liegen hatte. Denn eigentlich verbirgt sich hinter "Sie und Er" eine wirklich nette kleine Geschichte um das Kennen- und Liebenlernen zweier Menschen.
Zugegeben, anfangs hat mich die Schreibweise des Autors ein wenig abgeschreckt. de Carlo neigt entweder zu recht kurzen, abgehackten Sätzen ohne richtiges Innenleben, oder aber zu sehr verschachtelten, komplizierten Sätzen, die man einfach nochmal und nochmal lesen muss, um sie voll aufzunehmen. Noch dazu sind sie im Präsens geschrieben - das ist für gewöhnlich nicht so mein Fall. So begegnen einem hier schon mal Sätze nach dieser Art:

"Sie ist befremdet von der Bruchstückhaftigkeit dessen, was soeben passiert ist; dass sie zu einer Entzerrung gezwungen ist, um aus der Überlagerung von Ereignissen eine Abfolge herzustellen. "(S. 28)

Lässt man sich von dieser Sprache jedoch nicht einschüchtern, dann erwartet einen eine durchaus lesenswerte, teils recht humorige und mit viel Sinn für Details geschriebene Geschichte, in der sich Clare und Daniel durch Zufall kennenlernen und fortan zufällig (oder auch nicht so sehr) über den Weg laufen. Für beide bedeutet dieses Kennenlernen einen Ausbruch aus ihren grauen, festgefahrenen Lebenswegen - Daniel ist bis dahin ohne rechten Plan und Motivation, wie es für ihn weitergehen kann; Clare eine unzufriedene Frau, die von ihrem Verlobten gern mal bevormundet wird. Ihre Stimmungen, Launen und Gedanken werden hier vom Autoren wunderbar aufgefangen und in Worte verpackt; was nicht zuletzt dadurch sehr gut glückt, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht beider Hauptfiguren erzählt werden. Vor allem lebt die Story aber auch von den Nebenfiguren (beispielsweise Clares Verlobtem Stefano und dessen Mutter, oder ihrer Zimmernachbarin), die das Geschehen interessant und lebhafter gestalten, weil sie dem Ganzen einen Rahmen bieten.
Das Ende der Geschichte ist zwar offen, aber dennoch zufriedenstellend. Eigentlich erinnerten mich die letzten Kapitel sehr an eine typische Roman - bzw. Drehbuchvorlage für einen romantisch- leicht kitschig angehauchten Film, was vielleicht einen Tick zu sehr aufgetragen ist - zumindest im Vergleich zur restlichen, doch recht "puristischen" Handlung.

Fazit:
Ein lesenswertes Buch, das die besondere Auffassungs- und Beobachtungsgabe des Autoren wiederspiegelt, und das sich vor allem nicht eben so nebenbei lesen lässt. Ich fand die Sprache gewöhnungsbedürftig, die Charaktere jedoch sehr sympathisch, und vor allem gut getroffen. 4 von 6 Bücherstapel. 

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