Montag, 7. Mai 2012

"Everlasting" - Holly-Jane Rahlens

Wunderlich Verlag, 2012
14,95 Euro

Handlung:
Man schreibt das Jahr 2264. Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird. Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühl, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet? Bald muss Finn sich entscheiden - für die Liebe oder für die Zukunft ...
(Quelle: thalia.de)

Meine Meinung:
„Everlasting“ ist ein wunderbares Buch, das einen zum Lachen, Nachdenken und Träumen gleichzeitig bringt. Klare Leseempfehlung schon mal gleich zum Anfang!
Finn Nordstrom lebt im Jahre 2264 auf der Erde. Ja, das muss man so wohl extra betonen, denn in der Welt, die Frau Rahlens hier für die Zukunft in gut 250 Jahren entwirft, ist so einiges möglich - da kann es schon sein, dass mittlerweile auch der Mars bevölkert ist. Finn ist Historiker und insbesondere für die alte deutsche Sprache (die zu diesem Zeitpunkt längst ausgestorben ist) und Lebensart zuständig. Eines Tages wird er mit der Übersetzung erst kürzlich gefundener Tagebücher beauftragt und Finn stürzt sich voller Eifer in diese Aufgabe - mit anfänglicher Enttäuschung, denn die Tagebücher wurden etwa im Jahre 2003 von einem 13-jährigen Mädchen begonnen, was nun wirklich nicht spannend sein kann, oder?! Doch nach und nach versinkt Finn mehr und mehr in dem beschriebenen Leben dieses Mädchens, in ihren Ausführungen, ihren Sorgen und ihren Gedanken. Er begleitet sie über mehrere Jahre hinweg, zunächst nur durch ihre Tagebucheinträge. Eines Tages jedoch bekommt er das Angebot, sozusagen ins Jahr 2003 zu reisen und sich dort vor Ort umzusehen. Und Finn sieht seine Chance gekommen, der Tagebuchschreiberin einmal persönlich zu begegnen...
Ich finde dieses Buch so toll! Es ist so merkwürdig, die Gedanken einer Person zu lesen, die gute 250 Jahre in der Zukunft lebt. Man muss sich nur mal vorstellen, was die Menschen in 250 Jahren über uns heute und unser Leben, unsere Errungenschaften denken - das ist genau der Dreh- und Angelpunkt, den Holly-Jane Rahlens hier aufgreift. Tatsächlich belächeln Finn und seine Kollegen unsere technischen Möglichkeiten von heute, unsere Smartphones, unsere Kleidung, unsere Fortbewegungsmittel. Aber warum auch nicht? In Finns Welt kann man mal eben von Berlin nach Leipzig in guten 20 Minuten reisen, und New York hat man in nicht mal 4 Stunden erreicht. Zu seiner Zeit wird es als unhöflich angesehen, von sich selbst in der 1. Person Singular zu sprechen, was aus diesem Grund tunlichst vermieden wird. Wenn Finn also sagt „Dieser Historiker ist sehr interessiert...“, dann meint er nicht irgendwen, sondern sich selbst. Das fand ich anfangs recht schwierig und bin auch immer wieder drüber gestolpert; dann aber leuchtet irgendwann ein, dass das nun mal die Eigenheit der zukünftigen Generationen sein wird (zumindest in Frau Rahlens Vorstellung). Und es sorgt während Finns Zeitreisen in die heutige Zeit natürlich für entsprechende Verwirrungen - und daher sehr lustige Szenen.
Ich fand es so amüsant, die Gedanken und irrtümlichen Versuche von Finn in der heutigen Zeit, in unserem Jetzt, zu lesen und nachzuvollziehen. Dabei trägt auch Finn selbst wesentlich bei, der eine sehr sympathische Hauptfigur abgibt, interessiert und schusselig zugleich, neugierig und begeisterungsfähig; - an mancher Stelle hat er mich ein wenig an Mr. Weasley aus der Harry Potter Reihe erinnert, z.B. wenn Finn gerade entdeckt, wie ein Füllfederhalter funktioniert, oder wie man Kaugummiblasen macht. Mit ihm gemeinsam die Tagebucheinträge zu lesen und dann zu erleben, wie Finn dieses Mädchen im realen Leben sieht - das war einfach wirklich schön beschrieben. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art, immerhin lebt er in der Zukunft, und sie weiß nichts davon. Diese Annäherungen der beiden beruhen auf wenigen Treffen, die aber dennoch so nachvollziehbar und passend geschildert sind, dass man gar nicht anders kann, als in den beiden ein echt schönes Pärchen zu sehen.
Aber irgendwann kam in diesem Buch der Punkt, an dem ich mir gewünscht habe, dass die Geschichte noch lange weitergeht, weil sie so unglaublich Spaß macht zu lesen. Und auch wenn ich natürlich wissen wollte, die alles ausgeht und ob es ein zufrieden stellendes Ende gibt - so habe ich die letzte Seite dennoch sehr wehmütig umgeschlagen. Ein solches Buch, das mich vom Hocker reißt und mich derart begeistert, hab ich eben nicht jeden Tag in der Hand.

Fazit:
Ich kann gar nicht anders als für diese wunderschöne, herzliche und oftmals so lustige Geschichte die volle Punktzahl zu vergeben.

2 Kommentare:

  1. Das klingt wirklich total gut. Kommt gleich auf meinen Wunschzettel :)

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  2. Juhu, na das motiviert mich doch richtig, ich lese es auch gerade und hab bisher leider noch nicht so viel Zeit dafür gefunden. Die werd ich mir jetzt aber nehmen :-)

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