Mittwoch, 30. Mai 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #1

Da ich berufsbedingt fast jeden Tag pendele und da gut 2 Stunden im Zug unterwegs bin, kommt es des Öfteren vor, dass man Gleichgesinnte sieht und findet - Lesende im Zug. Ab und zu sitzt mir dann jemand gegenüber, der seine Nase - ebenso wie ich - in ein Buch steckt. Da ich von Natur aus neugierig bin, schaue ich natürlich nach Titel und Autor und Cover. Sofern man es denn erkennen kann. (An dieser Stelle möchte ich mal betonen, dass ich nicht annähernd so aufdringlich bin wie manch andere, was das betrifft. Manche, die neben mir im Zug sitzen, lesen mir wirklich über die Schulter in MEINEM Buch mit und lehnen sich noch richtig rüber, um besser sehen zu können. Hallo? Geht´s noch?!) 
Ab und zu erlebe ich dann eine richtige Überraschung, wenn jemand etwas liest, mit dem ich bei dieser Person nun so gar nicht gerechnet hätte - wenn also das Buch irgendwie nicht dem Bild entspricht, das ich mir von der Person rein vom Äußerlichen gemacht habe. (Klingt oberflächlich, ja, ich weiß. Gibt ja auch den Spruch: Zeig mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist.) Aber gerade deswegen ist es ja so spannend, anderen Leuten auf die Bücher zu schauen und sich überraschen zu lassen.
So auch heute morgen. Mir saß ein junger Mann gegenüber - vielleicht so alt wie ich -, den ich vom Sehen schon kenne; er scheint auch des Öfteren zu pendeln. Ich würde ihn pauschal in die intellektuelle Philosophen-Ecke packen, oder denken, er ist jemand, der Nitzsche und Kafka gelesen und sogar VERSTANDEN hat. Hat er vielleicht auch schon mal. Seine heutige Lektüre war allerdings folgende:

Steven Erikson: "Die Gärten des Mondes"
Mithilfe seiner Magiertruppen breitet sich das malazanische Imperium immer weiter aus. Der Leser verfolgt mit, wie die ehemals freie Stadt Fahl vom Imperium erobert wird und lernt hier die Hauptakteure des Buches kennen: Flickenseel, die einzige überlebende Kader-Magierin, Locke, ebenfalls Magier, gezwungen, in einen anderen Körper zu schlüpfen, Tayschrenn, den Hohemagier der zweiten Armee, und Ganoes Paran, der als Junge die Imperatrix kennenlernt, später in ihre Dienste tritt und Anführer der Brückenverbrenner werden soll, der Elitedivision der Zweiten Armee des ehemaligen Imperators. Nach einem Mordanschlag wird Paran von den Göttern ins Leben zurückgeschickt, weiß aber noch nicht, was die Gegenleistung sein soll, die er dafür zu erbringen hat. Als Darujhistan, die letzte freie Stadt auf dem Kontinent Genebackis, fallen soll, sieht das Imperium sich der fliegenden Festung Mondbrut gegenüber, die Anomander Rake und andere Tiste Andii beherbergt, eine uralte nichtmenschliche Rasse, die über grosse magische Kräfte verfügt. Magier, Schattenhunde, Assassinen, Vertreter vieler menschlicher und nichtmenschlicher Völker, große Raben und nicht zuletzt die Gewirre, die Pfade der Magie, die von den Zauberern benutzt werden, nehmen den Leser mit in eine andere Welt und eine Zeit des Krieges, in der man Freunde findet und verliert, Assassinen in einer Gilde organisiert sind und ganze Armeen von Toten wieder auferstehen.
(Quelle: amazon.de)

Hui. Das...fand ich dann doch recht überraschend. Ich verstehe ja irgendwie nur Bahnhof, wenn ich diese Inhaltsangabe lese; aber er klebte an den Seiten. Also wohl doch eher nicht Nitzsche... :D

8 Kommentare:

  1. Die Inhaltsangabe ist ja mal wirklich sehr ausführlich und die Namen... Oh Mann! Da hätte ich aber Probleme. ;) Aber ich find's auch immer sehr spannend, zu sehen, was die anderen lesen. Und immer, wenn ich jemanden sehe, der ein Lieblingsbuch von mir liest, freue ich mir einen Keks. :)

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  2. Die Inhaltsangabe fetzt wirklich, oder? Je mehr Zeilen ich davon lese, umso mehr muss ich lachen. (Das soll jetzt übrigens nicht abwertend klingen.)
    Den Kontinent Genebackis würde ich gerne mal besuchen ;)

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  3. Die fetzt in der Tat. :D Ich würde ja gern wissen, was eine Imperatrix ist. xD

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  4. *lol* :D
    Ich glaube, ich würde bei dem Buch keine 3 Seiten schaffen...

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  5. Ach ja, die Mitreisenden und ihre Lektüre... Wenn ich mal Bahn fahre (ist seit meinem Umzug seltener geworden) schiele ich auch auf die Bücher anderer. Und wie du gesagt hast: teilweise passt das überhaupt nicht zum Bild.
    Ich habe z.B. mal eine "Mutti" gesehen, die eines von den Biss-Büchern gelesen hat. Na ja, vielleicht wollte sie auch ein bisschen mit der Jugend mitschmachten ;)

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  6. Was soll ich sagen ... Ich habe den gesamten Roman gelesen und wusste nachher eigentlich immer noch nicht, worum es geht. *lol*
    Angeblich ist die Reihe nach dem zähen Einstieg völlig genial - aber bei mir dann nach etwa 500 Seiten Einstieg doch die Luft draußen ...

    Leute, die mir fast ins Buch kriechen, finde ich übrigens auch total nervig. Ich dreh mich dann immer so, dass sie nicht reinschauen können. %-)

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    1. Echt?? Du hast das Buch gelesen? Guck mal an, das hätt ich nicht gedacht :D
      Und, ist der Kontinent Genebackis schön? XD

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    2. Mir wurde diese Buchreihe als "Sowas wie das Lied von Eis und Feuer" empfohlen. Und bei all der Begeisterung, die bei den späteren Bänden herrscht, überlege ich manchmal immer noch, ob ich nicht nochmal weiterlesen soll.
      Aber als ich am Ende endlich reingekommen bin, hab ich erfahren, dass im Folgeband erst mal wieder komplett andere Figuren vorkommen, und das hat mir jegliche Motivation geraubt.

      Von Genabackis ist mir in erster Linie in Erinnerung geblieben, dass er verwirrend, seltsam, schmutzig, brutal und magisch war, aber auch auf eine faszinierende Art richtig fremdartig (und das macht den Leseeinstieg auch so schwer).

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