Mittwoch, 4. April 2012

"Tod oder Liebe" - Manuela Salvi

Fischer Verlag, 2012
14,99 Euro

Handlung:
Mafia und Liebe, Verbrechen und Leidenschaft: Vor dem Hintergrund einer höchst spannenden Handlung entwickelt sich eine große, eine unmögliche Liebe. Denn Bianca ist die Tochter eines Anti-Mafia-Richters und Manuel der Sohn eines Mafiabosses. Dennoch fühlen sich die beiden unwiderstehlich zueinander hingezogen. Aber Manuel kann nicht einfach aussteigen. Und sein Bruder wittert eine Chance, den verhassten Rivalen loszuwerden ...

Meine Meinung:
Mein Herz lechzte nach einer bittersüßen Liebesgeschichte im Sinne von "Romeo & Julia", als ich den Klappentext von "Tod oder Liebe" gelesen hatte. Dann noch schnell die Schlagworte Mafia, Leidenschaft und Rache untergeschoben - wow! Ich sah mich schon fantastisch unterhalten, ähnlich wie in der peppigen neumodernen Verfilmung von "Romeo & Julia" mit Leo diCaprio - der Film beschert mir auch heute noch Gänsehaut - und ich hab beim Aufschlagen des Buches ebenso fulminante Action und Leidenschaft erwartet.
Ähm... nein, was "Tod und Liebe" dann tatsächlich brachte, war nicht unbedingt das. Vielmehr muss ich enttäuscht feststellen: die Geschichte um Bianca und Manuel hat nicht wirklich gezündet. Ich hätte hier ehrlich gesagt deutlich mehr erwartet; mehr Entwicklung zwischen den Hauptprotagonisten, mehr "Liebe", mehr Herzschmerz. Der Geschichte, den Irrungen und Wirrungen fehlt ein wenig die Würze - was man nun gerade in dem beschriebenen Setting vom heißblütigen Süditalien erwarten würde. Dafür, dass die Story im Mafia-Milieu eingebettet ist, habe ich das "Mafia-typische", also so eine durch und durch fiese Ader, die alles durchsetzt, vermisst - und eben auch die schon angesprochene Action. Da entwickelt sich eine Szene, in der Bianca beinahe von 2 dorfeinheimischen Jungs um ihre Vespa beklaut wird, noch zur spannendsten in einem Mittelteil, der leider die ein oder andere Länge aufweist. Manuel und seine Kumpanen laufen zwar stets Pistolen-winkend durch die Gegend, aber steckt da wirklich etwas dahinter?
Dabei haben die beiden Hauptprotagonisten es auch nicht ganz leicht, den Leser von sich zu überzeugen. Manuel verkriecht sich hinter einer "Bad Boy"- Maske, die er konsequent vor sich herträgt - ohne dabei jemals wirklich konkret zu werden. Er ist durchgängig ein Charakter, den ich nicht greifen konnte. Völlig unnahbar, zurückhaltend, aber selbst in der Gegenwart von Bianca (die die richtigen Fragen stellte, sich aber eben auch mit keiner Antwort zufrieden gab) taut er nicht so recht auf; er blieb mir ein völlig Fremder.
Biancas Gedanken dagegen waren schon greifbarer, nicht zuletzt durch die Einblendung von kleinen Briefen an einen gewissen Daniele in der laufenden Story, in denen sie ihr Herz ausschüttet. Wer dieser Daniele ist, erfährt man im Laufe der Geschichte. Dennoch nehme ich auch ihr die Entwicklung nicht ab: vom traurigen Mauerblümchen, das gern ein Einzelgänger sein möchte, zum naiven Liebchen, das nichts hinterfragt und Manuel vergöttert, als gäbe es kein Morgen. Tja, hätte es hier mal besser "kein Morgen" gegeben; das hätte den Geschehnissen vielleicht ein klein wenig Beine gemacht und für einen Schwung gesorgt in einer Geschichte, die leider nur so dahinplätschert und leider auch nicht so recht von ihren Hauptfiguren profitieren kann. Beide Figuren erschienen mir zum Ende der Geschichte zudem viel zu abgeklärt - etwas, das ich Manuel sogar noch abnehmen könnte, wenn man mal seine Vergangenheit und Kindheit bedenkt. Trotzdem hat dieses Ende (keinesfalls ein fulminantes Ende mit Paukenschlag, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte) einen faden Nachgeschmack bei mir hinterlassen. Vielleicht, weil es so unecht wirkt.

Fazit:
"Tod oder Liebe" hat mich nur wenig überzeugen können. Frau Salvi kann gekonnt in Worte fassen, was ihren Figuren (oder eher Bianca) durch den Kopf geht; am Spannungsbogen hat´s leider ein klein wenig gefehlt. Bei den Aussichten auf Buchrücken und Klappentext ("Liebe und Leidenschaft, Mafia, Rache und Co.") baut man als Leser eine gewisse Erwartungshaltung auf, die die Geschichte leider nicht halten kann. Der Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Mittelmäßige 3,5 von 6 Bücherstapel.

Ein herzliches Dankeschön an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentare:

  1. Ja, wir denken wirklich ähnlich und die Rezi ging doch jetzt flott. :) Ich muss sagen, "Liebe" war ja vorhanden, für meinen Geschmack aber zuuuuuu jugendlich-kitschig und da stimme ich dir zu: "DAS HERZ" fehlte der (Liebes)Geschichte doch irgendwie. Ich habe es den beiden nämlich auch nie wirklich abkaufen können, dafür ging alles zu schnell und gradlinig (wie man es aus etlichen Romanen kennt -> keine Überraschungen). Zum Ende fand ich es nochmal spannend, aber auch hier war eigentlich schon abzusehen wie es ausgeht und naja, das tatsächliche Ende ist wirklich leicht too much. Also ich unterschreibe deine Rezi und auf mich wollte der Funke leider auch nicht ganz überspringen ... obwohl es für nebenbei schon eine leicht nette Lovestory war. Und wo du den Film mit Leo und Clare so schön erwähnst, da habe ich jetzt auch mal wieder Lust drauf. :D

    Liebe Grüße
    Reni

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena