Freitag, 6. April 2012

"Als die schwarzen Feen kamen" - Anika Beer

cbj Verlag, 2012
12,99 Euro

Handlung:
Völlig unerwartet wird die fünfzehnjährige Marie von Gabriel, dem Schwarm ihrer Mitschülerinnen, angesprochen. Gabriel vermag die Wesen zu sehen, die sich im Schatten der Menschen verbergen, und in Maries Schatten bemerkt er etwas Beunruhigendes: einen Schwarm gefährlich anmutender schwarzer Feen. Gabriels Angebot, ihr zu helfen, lehnt Marie zunächst ab, doch als es den Feen gelingt, in die Realität einzubrechen, geht sie erneut auf ihn zu. Gemeinsam versuchen sie, das Wesen der schwarzen Feen zu ergründen. Dabei stoßen sie auf eine düstere Stadt aus Obsidian, die Marie einst in ihrer Phantasie erschuf, die jetzt aber von den schwarzen Feen beherrscht wird. Mit Gabriels Hilfe will Marie es wagen, die Obsidianstadt zu betreten, um sich den Feen zu stellen …
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
Mein erster Gedanke war: "Feen?! Hm, ist jetzt nicht so meins." Aber zum Glück bin ich diesem ersten Gedanken nicht gefolgt, sondern habe "Als die schwarzen Feen kamen" angefangen zu lesen und mich schon nach einigen Seiten völlig in der Geschichte von Marie und Gabriel verloren.
Marie war mir vom ersten Moment an sympathisch; nicht nur, weil sie sich in der Schule Problemen und  freundschaftlichen Sticheleien gegenüber sehen muss, die auch mir noch aus meiner Schulzeit bekannt vorkommen. Sie wird hier zwar als recht hilfloses Mädchen dargestellt, das vieles nur über sich ergehen lässt, ohne den Mund aufzumachen - aber letztlich passt das zu ihr und zu dem, was mit ihr passiert. Gabriel ist ein ebenso ruhiger Geselle, mit seinen 2 Jahren Ältersein (und seiner Vergangenheit) strahlt er aber eine Abgeklärtheit und Zuversichtlichkeit aus, die genau das ist, was Marie fehlt. "Da haben sich 2 gefunden", könnte man jetzt sagen. Und ja, zwischen beiden entwickelt sich auch eine sehr angenehme und glaubwürdige Zuneigung. Was ich hier aber sehr schön fand, war der natürliche Rahmen, in dem sich diese ergibt. Hier wird nichts übertrieben oder schnell von der Autorin vorangetrieben; stattdessen begleitet der Leser Marie und Gabriel bei ihren kleinen Schritten aufeinander zu und kann nachvollziehen, wieso nach nur 1 Woche Bekanntschaft zwischen den beiden alles anders ist.
Ich fand das Konzept, das hinter der Herkunft der Feen steckte, eine sehr schöne Idee: für jeden schlechten Gedanken oder böse Idee, die man irgendwann hatte, entsteht eine solche böse "dunkle" Fee, die einen dann umgibt. Auch die Erklärung der Schattenkreaturen, die nur von Gabriel gesehen werden können, und die auf eine interessante Art und Weise das Wesen ihrer jeweiligen Besitzers wiederspiegeln, hat mir gefallen.
Trotzdem blieben bei mir am Ende einige Aspekte ungeklärt. So leuchtete mir beispielsweise nicht ein, wieso Gabriels Schattenwesen eine so durch und durch böse Gestalt sein soll, ein "Biest", wie er es selbst nennt - wenn diese Persönlichkeitseigenschaften bei Gabriel selbst doch so offensichtlich nicht vorhanden sind.
Das Interessante in diesem Buch ist der Umstand, dass das Geschehen, der Kernpunkt des Ganzen, irgendwie unwirklich erscheint: Schattengestalten, Feen, eine Obsidianstadt in Maries Träumen - das scheint alles nicht wirklich "real" zu sein. Das mag man manchmal glatt vergessen beim Lesen, bis dann plötzlich wieder offensichtlich wird, dass alles in die Realität eingebettet ist, wenn man von einem Café im Schanzenviertel in Hamburg liest, oder vom Schulalltag Maries beispielsweise.
Die Geschichte bedient sich durchgängig ruhiger Töne, die noch dazu von einer sehr schönen Sprache der Autorin leben. Diese leichte und trotzdem stets auf den Punkt treffende Schreibweise trägt einen durch die Sätze; und die schönen und lebendigen Beschreibungen (sowohl rein äußerliche als auch vor allem der Gedanken und Gefühle) haben das Bild von Marie, die durch das verschneite Hamburg läuft, vor meinen Augen entstehen lassen.
Der ein oder andere mag "Als die schwarzen Feen kamen" als Jugendbuch deklarieren; in meinen Augen ist es aber soviel mehr, und auch bei Erwachsenen dürften sich hier Erinnerungen an die eigene Kindheit und damit verbundene Träume und Ängste zurückmelden.

Fazit:
Sehr schöne und lesenswerte Geschichte um verdrängte Erinnerungen, böse Gedanken, die einen verfolgen, um Freundschaft und das Kribbeln der ersten Liebe - alles verpackt in wunderbare Worte und genaueste Beobachtungsgabe. 5 Bücherstapel.

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