Samstag, 31. März 2012

"Zweiunddieselbe" - Mary E. Pearson

Fischer Verlag, 2009
14,95 Euro

Handlung:
Wie weit würdest du gehen, um einen Menschen zu retten, den du liebst? Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Spannung verdichtet sich bis ins Unerträgliche, ja fast Klaustrophobische. Denn die Wahrheit, der Jenna Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: Jenna hatte einen furchtbaren Unfall. Ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch was von ihr übrig war, waren nicht mehr als zehn Prozent ihres Gehirns. Wie viel Persönlichkeit steckt in diesen zehn Prozent? Wie viel davon ist Jenna?

Meine Meinung:
Irgendwann in der nahen Zukunft: Jenna Fox wacht auf und weiß nicht mehr, wer sie ist. Nach einem Unfall liegt sie monatelang im Koma, und als sie daraus erwacht, ist nichts mehr, wie es vorher war. Nachdem ihr einige Dinge sehr merkwürdig vorkommen und sie anfängt, zu hinterfragen, was eigentlich genau passiert ist, erzählen ihre Eltern ihr die ganze Wahrheit: nach dem Unfall war von ihr, von Jennas Körper nicht mehr viel zu retten, nur noch einige Teile ihres Gehirns, und ihre Eltern mussten eine Entscheidung treffen. Ihr jetziger Körper, die "neue" Jenna sozusagen, besteht nur noch zu 10% aus ihr selbst, der Rest ist künstlich erzeugtes Biogel...
Die Fragestellungen, die der Geschichte zugrunde liegen, finde ich (nicht nur aus beruflichen Gründen) ziemlich interessant: was macht die Persönlichkeit eines Menschen aus? Wieviel "Mensch" ist man noch nach einem schweren Unfall, der viele Teile des Gehirns zerstört hat? Ist man mit 10% seines Wesens eigentlich noch man selbst? Was macht das "Ich" aus?
Antworten auf diese Fragen wird man in diesem Buch nicht finden; wie auch, dafür ist die Persönlichkeit des Menschen ein viel zu komplexes Thema. Frau Pearson beschränkt sich daher auch darauf, zu beschreiben, wie Jenna die Wahrheit erfährt und wie sie damit umgeht. Das Ganze gipfelt in einem - wie ich finde - recht plumpen und sehr futuristisch- Sci-Fi- artig anmutenden Ende.
Kurz und gut: ich war ein wenig enttäuscht. Ich hab mit Jenna mitgefiebert und fand die Entwicklung, die sie nach ihrem "Erwachen" durchmacht, sehr angenehm und plausibel zu lesen. Trotzdem war mir die Auseinandersetzung mit dem Thema zu oberflächlich. Die Einblicke, die der Leser in die Gefühls- und Gedankenwelt von Jenna erhält, sind eher mager; und auch wirkliche Konsequenzen dieses gewagten Schritts der Eltern - ihre Tochter künstlich wiederherzustellen -, sowohl gesellschaftliche als auch private, werden praktisch nicht diskutiert. Das hätte man sicher noch etwas vertiefen können. So bleibt das Bild von Jenna als Jugendlicher, die nach einem Unfall noch einmal neu mit ihrem Leben anfängt und dabei nicht weiß, ob sie noch 2 oder 200 Jahre zu leben hat - dieser Frage aber auch nicht wirklich etwas entgegen zu setzen hat.
Das Ende fand ich schade, denn das kam meinen Vorstellungen nicht wirklich nahe. Zum einen habe ich kleine Aspekte ganz am Schluss nicht verstanden, zum anderen "passte" dieser Ausgang nicht wirklich zur Gesamthandlung, finde ich.

Fazit:
Ich habe das zweite Buch von Mary E. Pearson, "Ein Tag ohne Zufall", vor einer Weile zuerst gelesen und fand es wunderschön und wirklich bewegend. Von diesem noch davor veröffentlichten Roman der Autorin, "Zweiunddieselbe", hatte ich daher etwas ähnlich gutes erwartet, aber das konnte der Roman leider nicht halten. Das Thema ging mir überhaupt nicht nahe; die Möglichkeit, mich in Jenna und ihre Gedanken hinein zu versetzen, hat mir hier völlig gefehlt. Noch dazu fand ich das Ende nicht wirklich gelungen. 3 von 6 Bücherstapel.

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