Sonntag, 4. März 2012

"Wasser für die Elefanten" - Sara Gruen

rororo, 2011
8,99 Euro

Handlung:
Das schwierigste Kunststück: die Liebe zu finden. Amerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Da kann der junge Tierarzt Jacob Jankowski von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür aber eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf.
(Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:
Ich glaube, ich hatte zu große Erwartungen an das Buch. Nachdem ich ungelogen seit Monaten an den verschiedensten Stellen lese und höre, wie schön diese Geschichte ist und dass sich „Wasser für die Elefanten“ bei vielen gleich zum Lieblingsbuch entwickelt hat, blieb mir gar nichts anderes übrig, als auch mal in dieses „Wunderwerk“ reinzuschnuppern.
Und ja, die Geschichte ist schön, keine Frage.
Aber mehr eben auch nicht.
Irgendwie hat es mir von Anfang an ein wenig an Außergewöhnlichem gefehlt. Ein Zirkus als Haupthandlungsort, angepriesene Kuriositäten - da würde man vermuten, dass man beim Lesen gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt. Dass man lacht, die Augen aufreißt, die Luft anhält, aufgeregt die nächste Seite umschlägt; sich eben fühlt, als würde man vielleicht gerade selbst einen Zirkus besuchen, obwohl man nur lesenderweise in seinem Wohnzimmer sitzt. Aber das habe ich nicht gespürt. Überhaupt haben mir Beschreibungen der Zirkusartisten und ihrer Aufführungen gefehlt. Wie sah denn so eine typische Vorstellung aus? Wer hat was gemacht? Das kam irgendwie immer recht kurz rüber. Zig mal wird erwähnt, wer wo im Zug schläft und lebt, wenn der Zirkus weiterzieht, dass der Arbeiter am liebsten gar nicht mit einem Artisten sprechen darf usw. Aber eine wirkliche Beschreibung vom Zirkusleben, von den Menschen, vom Leben der Arbeiter beispielsweise - das habe ich irgendwie vermisst.
Ich habe mich zudem schwer getan mit den Beschreibungen, was Rosie teilweise angetan wurde und mit welcher Selbstverständlichkeit das von den anderen Zirkusmitarbeitern angenommen und akzeptiert wurde. Da war ich stets kurz davor, das Buch aus der Hand zu legen, auch wenn das wohl einem recht realistischen Bild der Zustände um 1930 in einem Zirkus entspricht. Noch dazu sind mir die Figuren irgendwie nicht wirklich nahe gekommen. Gerade von Marlena konnte ich mir die ganze Zeit nicht so recht ein Bild machen. Was ist sie für ein Mensch? Was findet sie an Jacob? Jacob wurde mir eigentlich erst durch seine Erzählungen im hohen Alter sympathisch, als er seine Familie beschreibt, und wie sein Alltag im Pflegeheim aussieht. Als junger Tierarzt erschien er mir stets wie eine Person, die durch Zufall in diesen Zirkus geraten ist und dort eben einfach bleibt und arbeitet, weil sie nicht weiß, was sie sonst tun könnte. Vermutlich sollte das auch genauso rüberkommen, aber dadurch erschien mir Jacob eigentlich nur wie eine mitlaufende Person in der Handlung, und nicht wie der Träger der Geschichte.

Fazit:
Letztlich habe ich vermutlich zu viel von der Geschichte erwartet. „Wasser für die Elefanten“ ist nett, mehr aber auch nicht. Man kann es mal gelesen haben, oder eben auch nicht. 3,5 von 6 Bücherstapel.

5 Kommentare:

  1. Das hört sich ein bisschen so an wie meine Rezi zu "Ein Kuss ist ein ferner Stern", ich glaube, oft wäre es besser, wenn man ohne Erwartungen an so ein Buch herangeht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das stimmt. So schön und hilfreich Rezensionen manchmal auch sind, und so sehr sie einem zum Kauf verleiten können - sie schüren halt immer auch gewisse Erwartungen. Und der eine mag ein Buch ganz toll finden, der andere halt weniger. Aber wär ja auch schade, wenn man sich deswegen vorab gar nicht mehr bei anderen über ein Buch erkundigt.

      Löschen
  2. Schade, dass es Dir nicht so gefallen hat.
    Mit den Stellen über Rosie, und wie sie misshandelt wird, hatte ich auch so meine Probleme, nichtsdestotrotz fand ich die Geschichte einfach bezaubernd, und ich fand, das Flair des Zirkuses ist gut rübergekommen. :)
    Aber kann eben auch nicht jeder immer das gleiche Buch mögen. Willst Du den Film auch noch gucken?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hmm, keine Ahnung. Vielleicht gucke ich den Film tatsächlich noch irgendwann einmal. Eventuell fängt mich der Zauber dort dann eher ein als beim Buch :)

      Löschen
  3. Hm, das ist interessant. Ich habe nur den Film gesehen und hatte daran ähnliche Dinge zu bemängeln. So etwa auch der fehlende Charakter von Marlena und die Tatsache, dass ich nicht recht verstand, was sie an Jacob fand.
    Naja, letztendlich fand ich den Film in Ordnung, aber mehr auch nicht. Ich dachte, es wäre vielleicht einfach die Umsetzung als Film nicht gelungen, aber vielleicht lags doch nicht daran.

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena