Dienstag, 13. März 2012

"Gebannt - Unter fremdem Himmel" - Veronica Rossi

Oetinger Verlag, 2012
17,95 Euro

Handlung:
Getrennt durch zwei Welten, geeint im Überlebenskampf, verbunden in unendlicher Liebe. Die siebzehnjährige Aria lebt in einer Welt, die perfekter ist als die Realität. Perry kommt aus einer Wildnis, die realer ist als jede Perfektion und in der wilde Stürme das Leben bedrohen. Als Aria in seine Welt verstoßen wird, rettet Perry ihr das Leben. Trotz ihrer Fremdheit verbindet die beiden die Verzweiflung und Sorge um die, die sie lieben. Aria will ihre verschollene Mutter wiederfinden, Perry ist auf der Suche nach seinem Neffen, an dessen Entführung er sich die Schuld gibt. Aria versucht, vor Perry zu verbergen, dass ihre Gefühle ihm gegenüber sich wandeln. Doch Perry hat dies längst schon entdeckt, aber nicht nur bei Aria, auch bei sich selbst.
(Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:
Eine weitere Dystopie auf dem Büchermarkt, die sich zwar gut und auch unterhaltsam liest, sich meiner Meinung nach aber leider durch keine großartigen Einfälle oder Wendungen von anderen Dystopien unterscheidet. 
"Gebannt - Unter fremdem Himmel" lebt von den beiden charakterstarken Figuren Aria und Perry. Beide wachsen in einer scheinbar fremden zukünftigen Welt auf, haben das Leben aber auf völlig unterschiedliche Art und Weise kennenlernen müssen. Perry erscheint kämpferisch, fest entschlossen, sein "Schicksal" als Stammesführer anzunehmen und zu verfolgen; hat aber dennoch einen weichen Kern, wenn es um seinen Neffen geht. Als Außenseiter hat er die raue Welt "draußen" erlebt und weiß sich durchzuschlagen und zu überleben. Aria dagegen ist alles außerhalb ihres gewohnten Lebensraums völlig fremd, kennt Feuer genauso wenig wie Blasen an den Füßen und sie findet sich in künstlich-virtuellen Welten weit besser zurecht als im wirklichen Leben, das außerhalb ihrer gewohnten behüteten "Kapsel" vor sich geht. Mit diesen beiden Figuren prallen völlige Gegensätze aufeinander, die - um voran zu kommen - sich von einem Tag auf den anderen gegenseitig helfen müssen.
Aus der anfänglichen Antipathie, die in erster Linie der Unwissenheit der Lebensumstände des jeweils Anderen zu schulden ist, entwickeln sich langsam aber sicher zarte Bande der Annäherung, des Respekts und schließlich sogar der Zuneigung. Diesen langsamen "Beziehungsaufbau" fand ich durchaus gelungen dargestellt; der Leser wird hier zur Abwechslung nicht unmittelbar mit einer unglaubwürdigen "Holterdipolter - großen Liebe" zwischen den Hauptdarstellern konfrontiert, sondern mit einer nachvollziehbaren Entwicklung. Natürlich wird dann dennoch schnell "Mehr" draus, als einmal der Funke übergesprungen ist, aber ich fand diese entstehenden Bande zwischen Aria und Perry angenehm zu lesen. 
Mein wesentlicher Kritikpunkt, der dazu führt, dass ich das Buch okay, aber eben leider nicht umreißend fand, ist die Tatsache, dass Rossi einfach viel mehr aus ihrem entworfenen Szenario hätte machen können. Der Mittelteil ist - schlicht gesagt - spannungsarm und bietet dem Leser auch nicht wirklich handfeste Details, an der man sich ein Bild hätte machen können, das relevant ist für die Gesamthandlung. Gewissermaßen fehlt ein roter Faden. Jetzt am Ende des ersten Teils weiß ich eigentlich nicht so recht, wie es weitergehen kann, was mich als nächstes erwartet. Aria und Perry sind in "Gebannt" fast nur unterwegs - endlos, wie es scheint, und werden abwechselnd von Ätherstürmen oder merkwürdigen Krähenmännern verfolgt. Aber warum? Was sind diese Ätherstürme überhaupt? Und spielen diese Krähengestalten eine Rolle für die Geschichte um Perrys Neffen oder Arias Mutter?
Zudem wurde die Welt, die Rossi hier geschaffen hat, für mich nicht wirklich greifbar. Einerseits diese hochentwickelten und technisierten Biosphären - mit allem technischen Schnickschnack -, dann aber wiederum wilde, freilebende Völkerstämme mit Kriegsherrn wie im Mittelalter, die noch mit Pfeil und Bogen losziehen und einen Hirsch mit der bloßen Hand erlegen. Das erschien mir an mancher Stelle irgendwie zu wenig konsequent durchdacht - warum kann es in diesen momentan zahlreich auftretenden Dystopie-Büchern immer nur Schwarz oder Weiß geben?

Fazit:
"Gebannt" ist gut geschrieben, und ja, es fällt einem schwer, das Buch aus der Hand zu legen, wenn man einmal angefangen hat zu lesen. Trotzdem hat es keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen; es hebt sich schlicht zu wenig von all den anderen Endzeitvisionen auf dem Büchermarkt ab. Aria und Perry sind sympathische Charaktere, wegen denen ich mir trotzdem vorstellen kann, auch in den Folgeband mal reinzuschnuppern, wenn er erscheint. 4 von 6 Bücherstapel.

1 Kommentare:

  1. Genau! In fast allen Punkten finde ich mich wieder. Den Anfang fand ich noch recht spannend, aber ab dem Mittelteil musste ich eher mit den Augen rollen - schon langweilig und du hast recht was den roten Faden angeht. Deine Rezi ist wirklich gut begründet, besser hätte ich es nicht beschreiben können. Ich zumindest musste lange nach Worten kramen ... weil ich mitunter schon nicht mehr wusste woran ich bin.

    LG Reni

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