Montag, 20. Februar 2012

"Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt" - Andrea Schacht

Egmont Ink Verlag, 2012
17,99 Euro

Handlung:
Das Vereinigte Europa im Jahr 2125 ist eine Welt der kompletten Überwachung. Das geschieht nur zum Besten der Bürger, sagt Kyrias Mutter, eine hochrangige Politikerin des perfekt gesteuerten Systems New Europe . Doch die 17-jährige Kyria möchte endlich erfahren, wie es ist, sich frei zu fühlen. Als sie in Reb, einem jungen Rebell aus dem Untergrund, einen Verbündeten findet, fliehen die beiden auf abenteuerliche Weise aus New Europe und gelangen in ein fernes Reservat. Dort haben sich die Menschen ein bäuerliches Leben wie in längst vergangenen Zeiten bewahrt. Doch schon bald sind die Verfolger Kyria und Reb auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr, denn alle, die sich der Macht von New Europe entziehen, werden von künstlich ausgelösten Seuchen bedroht. Auch Kyria gerät in den Verdacht, die friedliebenden Menschen des Reservats mit einer Masernepidemie zu vernichten. Zum Glück hat Kyria Freunde an ihrer Seite und einen jungen Rebellen, der ihr Herz berührt ...

Meine Meinung:

„Nachdem ich wieder Luft bekam, entfuhr mir ein von ganzem Herzen kommendes „Scheiße!“." (S. 221)

Kyria und Reb wachsen in New Europe auf, einer Art „frauengeführtes“ Europa mit einer Hauptstadt, die früher mal Frankfurt am Main war und heute La Capitale heißt. Sie, als Tochter einer Politikerin, führt jedoch ein völlig privilegiertes Leben und ist als Electi wesentlich besser gestellt als Reb, ein Aufständischer aus den Subcults. Dennoch kreuzen sich die Wege der beiden eines Tages, und der Entschluss, gemeinsam in die Reservate außerhalb von New Europe zu flüchten, ist aus vielerlei Gründen schnell getroffen. Dort fangen die Probleme allerdings gerade erst an...
Mit „Kyria & Reb“ hat Andrea Schacht einen sehr gelungenen Reihenauftakt voller Witz, Charme und guter Einfälle geschaffen, der sich dennoch eher ruhigerer Töne bedient. Actiongeladene Szenen, Bösewichte und atemberaubende Spannung sind mitnichten vorhanden; dennoch macht „Kyria & Reb“ unglaublich Spaß zu lesen. Das liegt vor allem an den beiden Hauptprotagonisten selbst. Ich habe schon lange nicht mehr so herrlich-amüsante Dialoge zwischen zwei verbohrten, temperamentvollen Charakteren lesen und genießen dürfen. Anfangs fand ich Rebs Art merkwürdig; diese coole, unnahbare Masche, die er zur Schau stellt und die sich leider auch in seiner Art zu sprechen zeigt. Aber nach ein paar Seiten wird offensichtlich, dass er mit Kyria eine würdige Gegnerin in Sachen Diskussion gefunden hat, und fortan habe ich mich auf jedes Aneinandergeraten der beiden geradezu gefreut. Die beiden liefern sich mit ihren bissigen Sticheleien stets einen so gekonnten Schlagabtausch, dass man es quasi zwischen den Zeilen knistern hört und den sprichwörtlichen Funken überspringen sieht: da haben sich zwei gefunden! Denn: was sich liebt, das neckt sich, das ist ja nun allgemein bekannt. Und so liefern sich die beiden Sturschädel hier argumentative Duelle allererster Sahne!
Den Grundgedanken hinter der Story „Bis ans Ende der Welt“ fand ich zwar nett, allerdings vermochte die gesamte Atmosphäre, die hier heraufbeschworen wurde, mich nicht so recht zu fangen. Bei der Idee, dass ein ganzer Staat ausschließlich von Frauen beherrscht und regiert wird, dürfte jede Emanze auf ihre Kosten kommen - und immerhin, es ist mal was anderes. Besonders gelungen finde ich in dem Zusammenhang solche kleinen eingebauten Details wie ein Alice-Schwarzer-Denkmal mitten in der Hauptstadt. Oder die Tatsache, dass es Kyria, die 17 Jahre lang unter weiblicher Fuchtel großgezogen wurde, schwer fällt zu akzeptieren, dass in den Reservaten die Rollenverteilung eine ganz andere ist, und die Männer hier nicht am Herd stehen.
Trotzdem sind mir manche Aspekte nicht konsequent genug verfolgt worden bzw. nicht erklärt worden. Man fragt sich unweigerlich, wie die Gesellschaft im Jahre 2125 (wieder) eine solch diktatorische Einteilung aufweisen kann, mit den machthabenden Electi und den unterdrückten Subcults. Wieso wurde Ex-Frankfurt/ Main zur Hauptstadt benannt, und andere Metropolen wie London oder Paris wurden schlichtweg zu „Reservaten“ degradiert? Wie kommt dieses Potpourri an außergewöhnlichen Namen und Bezeichnungen unterschiedlicher Herkunft zustande (bspw. Isha La Jonquilla als Name der Politikerin, aber Berti für einen völligen „Normalo“)? Hier hätte ich mir noch ein klein wenig mehr Hintergrundinformation gewünscht.

Fazit:
Der Auftaktband der Reihe um Kyria und Reb ist ein wahrer Lesegenuss. Ich hab mich prächtig amüsiert, und auch wenn mich die Geschichte nicht vollends in ihren Bann ziehen konnte, bietet sie dennoch einige Stunden beste Leseunterhaltung. Dank des Endes dürfte auch jeder aufmerksame Leser sehr gespannt auf die Fortsetzung sein. 5 von 6 Bücherstapel.

Dankeschön nochmal an den Egmont Ink- Verlag für das gewonnene Leseexemplar!

1 Kommentare:

  1. Ich bin gerade auch dabei Kyria und Reb zu lesen und finde es bisher ziemlich gut.

    Bin gespannt was mein Fazit sein wird ;-)

    LG Luminchen

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