Dienstag, 28. Februar 2012

"Die Frau in Schwarz" - Susan Hill

Droemer/ Knaur Verlag, 2012
9,99 Euro

Handlung:
Der junge Anwalt Arthur Kipps reist in eine gottverlassene Gegend, um den Nachlass einer verstorbenen Klientin zu ordnen. In dem Haus mitten im Moor stösst er auf lang gehütete Geheimnisse und begegnet immer wieder einer mysteriösen Frau in Schwarz. Als er dann auch noch geheimnisvolle Stimmen hört, ahnt er, dass er einem grauenvollen Geschehen auf der Spur ist...

Meine Meinung:
"Die Frau in Schwarz", ein recht dünnes Büchlein mit knapp 200 groß bedruckten Seiten, lässt sich schnell weglesen. Die Geschichte um Arthur Kipps wurde bereits 1983 geschrieben und spielt - vermute ich - irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts. Gerade aus diesem Grund entspricht sie sicher nicht mehr dem heutigen Anspruch einer Gruselgeschichte, und auch der Aufdruck "Ein Klassiker der Schauerliteratur" auf der Buchrückseite mag in den Ohren eingefleischter Horror- und Gruselfans vermessen klingen.
Denn zum einen braucht die Handlung schlicht eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Wir erfahren, dass sich Arthur Kipps, angehender Anwalt, aufmacht nach Crythin Grifford, einem verschlafenen Nest irgendwo an der Küste Englands, um dort den Nachlass der verstorbenen Mrs. Drablow zu klären. Dort angekommen, benehmen sich die Dorfbewohner seltsam und Kipps hat das Gefühl, an verschiedenen Orten eine schwarzgekleidete Frau zu sehen, über die niemand sprechen möchte. So weit, so gut, doch bis in diesem Szenario tatsächlich erstmalig das Gefühl von Grusel aufkommen will, vergehen die Seiten. An und für sich beginnen die merkwürdigen Vorkommnisse dieses kleinen Ortes erst auf Seite 130, und bevor die so richtig ins Rollen kommen können, ist das Buch leider schon wieder vorbei.
Dabei ist eigentlich alles vorhanden, was eine schön-schaurige Atmosphäre braucht: ein jugendlicher ambitionierter Held, der keine Angst kennt, ein abgelegenes einsames verkommenes Haus mitten in einer alten Klosteruine, welches sich nur bei Ebbe erreichen lässt, wenn das Meer für einige wenige Stunden eine kleine Landzunge freigibt, verschlossene brummige Dorfbewohner, Nebelschwaden, und über allem der Hauch von Vergangenheit und Erinnerungen.
Trotzdem ist bei der Funke nicht so recht übergesprungen. Die Beschreibung des Hauses und der Sachen, die dort vor sich gehen, vermitteln zwar leichtes Herzklopfen und Stirnrunzeln beim Leser; so richtig "gruselig" wirkt es nach heutigen Ansprüchen allerdings nicht. Dafür passiert zu wenig und das Ganze wirkt zu wenig mysteriös. Die Auflösung des Spuks ist leider recht schnell gefunden, liegt quasi schon bereit für Arthur Kipps, der mir obendrein als handelnde Figur leider recht fremd blieb. Das Ende des Buches dagegen..., das ist echt gut gelungen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Verfilmung, die Ende März in den Kinos anlaufen wird (mit Daniel Radcliffe in der Rolle des Arthur Kipps), sich vermutlich einiger Kniffe und Einfälle bedienen wird, um die Kinobesucher hier und da ein wenig in Schrecken zu versetzen. Filmisch kann ich mir das gut vorstellen, und das lässt ja auch der Filmtrailer vermuten (siehe unten). Der Romanvorlage fehlt es in meinen Augen dagegen ein wenig an gruseliger Atmosphäre, einnehmenden Beschreibungen und Appellieren an die Vorstellungskraft des Lesers. Die paar "Schreckmomente", die hier dargestelltt werden, reichen mir für einen (heutigen) Schauerroman nicht aus.

Fazit:
Gut geschriebene und ansprechend umgesetzte Geschichte, die jedoch leider nicht so recht gruselig ist, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Ich denke, dass dieses Buch Anfang des 20. Jahrhunderts - also zu Zeiten, in denen auch die Geschichte spielt - vermutlich den ein oder anderen Schreckmoment beim Leser hervorgebracht hätte, und daher auch als "Klassiker" angepriesen wird. Für recht gute, aber leider nicht übermäßig spannende Unterhaltung gebe ich 3,5 von 6 Bücherstapel.
Ein herzliches Dankeschön an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Ich finde allerdings, dass der Trailer zum Film seeehr gruselig aussieht. Obwohl ich von sowas immer Alpträume kriege, hätte ich irgendwie ja Lust, den Film zu sehen. Und Daniel Radcliffe passt seeehr gut in dieses viktorianische Setting. Der hat so ein klassisches Gesicht irgendwie.

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  2. Ja, den Trailer find ich auch echt stark, und den Film würde ich eigentlich auch gern sehen wollen. Ich sag ja: filmisch kann man aus der Romanvorlage sicher einiges rausholen und hier und da für schöne Gruselmomente sorgen, die im Roman selbst leider nicht drin waren.

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