Montag, 13. Februar 2012

"Das Spiel des Engels" - Carlos Ruiz Zafón

Fischer Verlag, 2008
24,95 Euro

Handlung:
Wir schreiben das turbulente Jahrzehnt vor dem Bürgerkrieg, als alles aus den Fugen gerät. Die Bevölkerung Barcelonas explodiert, die Stadt expandiert, Gaudí erschafft seine Kathedrale, Banden kontrollieren ganze Stadtviertel und die Anarchisten zünden ihre Bomben. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine grossen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheissung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät...

Meine Meinung:
 
"Wissen Sie, was das Beste ist an den gebrochenen Herzen?" (...) "Dass sie nur ein einziges Mal wirklich brechen können. Alles andere sind bloß noch Kratzer." (S. 305)
 
Als ich vor vielen Jahren das erste Mal "Der Schatten des Windes" aufschlug und anfing, darin zu lesen, dachte ich, das wäre mein "Non-plus-ultra" der Literatur. Dieses Buch hatte einfach alles, was ich wollte, alles, von dem ich wusste, dass es mir gefällt, und einiges, von dem ich noch nicht wusste, dass es mir gefällt. Ich war Feuer und Flamme für dieses Buch. Bin es heute noch.
Verklärterweise dachte ich mir damals, dass fortan wohl jedes Buch des Herrn Zafón sich als ein solcher Schatz entpuppen würde, denn wer einmal so schreibt, der schreibt doch wohl auch öfter so. Ich war daher wohl eine der Ersten, die 2008, als "Das Spiel des Engels" erschien, eben dieses Buch am Erscheinungstag öffnete und mich hineinstürzte, las... und auf den Funken zum Überspringen wartete, der mich auch hier wieder einfangen würde. (Ich bin heute sehr metaphorisch, was?)
Dieser Funke kam nicht. Stattdessen ein fades Gefühl, dieser unsägliche Gedanke, dass dieses Buch irgendwie nichts halbes und nichts ganzes ist. "Das Spiel des Engels" gefällt mir nicht. Hat mir damals, beim ersten Lesen nicht gefallen, und gefällt mir auch heute, beim 2. Lesen, nicht. Mein Problem: ich kann nicht wirklich festmachen, woran das liegt. Denn im Prinzip sind hier viele Aspekte ebenso vorhanden wie in "Der Schatten des Windes", die mich dort absolut sprachlos gemacht und fasziniert haben, die mich hier aber nur genervt haben.
Zum einen sollte ich da wohl den Sprachstil des Autoren erwähnen - ich liebe die Art, wie Herr Zafón Dinge formulieren, Umstände zum Ausdruck bringen kann, in einer so melodischen und klangvollen Sprache. Hier dagegen war mir das an vielen Stellen zuviel. Dieses zwanghafte "in Metaphern sprechen", hier noch ein Sinnbild eingebaut, da noch ein Vergleich; das wirkte auf mich alles zu bemüht, überhaupt nicht mehr locker, sondern eher so, als wäre hier lange an jedem einzelnen Satz gefeilt worden. Vor allem in den Dialogen hat mir das häufig nicht gefallen, weil... nun ja, so sprechen 2 Menschen einfach nicht miteinander, auch nicht in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Die Atmosphäre von Barcelona in der Vor- und Nachkriegszeit ist einfach wunderbar eingefangen, so dicht und passend, dass es geradezu Spaß macht, gedanklich zusammen mit David durch die Straßen zu spazieren. Trotzdem wurde hier nicht dieses unbeschwerte leichte Gefühl vermittelt, das mich bei Daniel Sempere und seiner Suche nach Julian Carax erwischt hatte.
"Das Spiel des Engels" weist in typischer Zafón-Manier geheimnisvolle Fremde, unerklärliche Verstrickungen, mysteriöse Zusammenhänge auf, Personen, die auf der Suche nach sich selbst und etwas sind, das sich nicht in Worte fassen lässt - weil sie es selbst nicht wissen. Die Fantasie, die der Autor dabei beweist, ist ohne Zweifel als bemerkenswert zu beschreiben, allerdings erschien mir in diesem Buch vieles recht lieblos zusammengeschrieben und voller unerklärter Details. Die Rahmenhandlung um Andreas Corelli als fiesen und dennoch gutmeinenden Bösewicht (?) leuchtete mir, ehrlich gesagt, bis zum Schluß nicht ein, und das Ende...hat mich leider völlig ratlos zurückgelassen. Vielleicht geht es da auch nur mir so, aber mir ist, als hätte ich wesentliche Aspekte in der Geschichte um Corelli nicht verstanden oder schlicht "überlesen".
Schließlich - und das mag ein recht profaner Grund sein, man möge mir verzeihen - mag ich "Der Schatten des Windes" lieber, weil es mich mit einem Happy End bedient. Das Ende von "Das Spiel des Engels" ist mir zu undurchsichtig, als Leserin weiß ich eigentlich gar nicht, woran ich bin.
 
Fazit:
Eigentlich wollte ich das Buch nicht ständig mit seinem Vorgänger "Der Schatten des Windes" vergleichen, was nun aber doch passiert ist. Letztlich ist mir "Das Spiel des Engels" zu verwirrend, zu wenig aussagekräftig, zu sehr darum bemüht, nach dem erfolgreichen Vorgänger, dem Weltbestseller, wieder ein tolles, mitreißendes Buch zu werden. Das hat in meinen Augen nicht so geklappt, mich hat es nicht annähernd so berührt, wie ich es mir gewünscht hätte. Letztlich gebe ich 3 von 6 Bücherstapel.
 

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