Sonntag, 22. Januar 2012

"Meeresflüstern" - Patricia Schröder

Coppenrath Verlag, 2012
16,95 Euro

Handlung:
Nach dem Tod ihres Vaters verlässt die siebzehnjährige Elodie ihre Heimatstadt Lübeck, um bei ihrer Großtante auf Guernsey zu leben. Als wenig später auf der Nachbarinsel ein Mädchen tot aufgefunden wird, glaubt sie, dass ihre Ankunft auf der Kanalinsel in irgendeinem Zusammenhang mit dem schrecklichen Vorfall steht. Aber wie ist das möglich? Und wer ist der wunderschöne Junge, dem Elodie in ihren Träumen begegnet? Dann, eines Tages, taucht dieser Junge plötzlich wie ein Geschöpf aus dem Meer vor ihr auf. Geheimnisvoll. Magisch. Betörend. Elodie kann nicht aufhören, an ihn zu denken. Und sie beginnt zu ahnen, welche Geheimnisse der Ozean tatsächlich verbirgt und wie sehr ihr eigenes Schicksal mit den dunklen Legenden der Kanalinseln verknüpft ist.

Meine Meinung:
Ohne Frage hat sich Patricia Schröder hier einem neuen Thema zugewandt, das in den aktuellen Büchern auf dem Jugendbuchmarkt noch nicht wirklich zu finden ist: männliche Meerjungfrauen. Oder vielleicht sollte ich eher sagen Nixe? Oder im speziellen Fall auch Plonx?
Aber ich greife vor. Ich habe das Buch voller Begeisterung angefangen zu lesen. Frau Schröder kann schön erzählen, bildhaft, nicht zu ausschweifend. Sie legt den Blick auf das Wesentliche und hält manch einen Dialog zwischen den Figuren daher auch recht simpel - was mich aber überhaupt nicht gestört hat. Dafür gibt sie wunderschöne Schilderungen von Guernsey, der Kanalinsel im Ärmelkanal, wieder - so idyllisch, dass ich am liebsten selbst sofort meine Tasche gepackt und mir mal eben noch einen Flug gebucht hätte. Das so beschaulich dargestellte Inselleben wird jedoch schon kurz nach Elodies Ankunft aufgewirbelt, als ein junges Mädchen, Lauren, tot aufgefunden wird: scheinbar ertrunken auf einer Wiese. Aus für mich nicht ganz nachvollziehbaren Gründen ist Elodie davon überzeugt, dass dieses Vorkommnis (und es bleibt nicht bei einem) mit ihrer Ankunft zu tun hat und zu einem gewissen Grad ihre Schuld sei. Aber letztlich ist auch das schnell egal, denn Gordian taucht auf und Elodie ist hin und weg von ihm. Obwohl der Text auf dem Buchrücken vermuten lässt, dass er hier die Hauptfigur und Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist..., ist das nicht der Fall. Und das ist das Problem des Buches: es ist nicht ausgewogen. Die Autorin baut eine Geschichte auf, die für einen Trilogieauftakt zwar gelungen ist, den Leser aber etwa drei Viertel des Buches lang in völlig falsche Erwartungen lenkt. Elodie macht ausgiebig Bekanntschaft mit Cyril, einem sympathischen Inselbewohner, der selbst schon voller Geheimnisse zu sein scheint und gerade deswegen wunderbar interessant ist. Irgendwann kommt im Buch doch tatsächlich die Stelle, an der Elodie überlegt, ob sie sich in Cyril verliebt hat. Und ja, das könnte der aufmerksame Leser auch nachvollziehen, zumindest annehmen. Was dann aber passiert, hat mir das ganze Lesen madig gemacht. Gordian taucht auf und die Geschichte entwickelt sich zu einer plumpen kitschigen und vor allem unglaubwürdigen Teenager-Romanze, die vor lauter rosaroter Brille keinen Platz für etwas anderes lässt. Elodie wirkt hier furchtbar gutgläubig und oberflächlich auf mich. Plötzlich zählt nur noch Gordian und sie will ihn mit Haut, Haar und Nixenflosse. Sie ist sogar bereit, für ihn ins Wasser zu gehen, trotz ihrer Wasserphobie. Das soll nicht lächerlich klingen, aber ich habe einfach nur den Kopf schütteln können. Elodie macht eine völlige Kehrtwende in ihren Gefühlen und Motiven - und nicht einmal wird geklärt, wieso. Zum Ende bleiben so viele ungeklärte Fragen und einige Aspekte erschienen mir völlig unlogisch.  
Sehr gut haben mir zwar die Zwischenspiel- Einblenden aus der Sicht von 4 geheimnisvollen Fremden gefallen, die offenbar Rechnung tragen an den Geschehnissen auf der Insel. Hier werden kurze Sequenzen aus der Sicht dieser 4 Freunde berichtet. Dafür bleiben alle Nebenfiguren im Buch eben genau das: Nebenfiguren ohne wirkliches Zutun. Einzig Ruby und Ashton stechen hier heraus, die ich mir als wunderbar schrulliges Pärchen vorstellen konnte.
Die Autorin beweist auch ohne Zweifel Fantasie und Geschick im Erfinden außergewöhnlicher Namen und Bezeichungen: Javen Spinx, Cyril, Plonx, Gordian, wobei ich bei Letzterem bloß sagen kann, dass er mir mit dem selbstgewählten Spitznamen „Gordy“ irgendwie nur leid tut. Denn das ruiniert in meinen Augen sogleich den ganzen Eindruck, den die Autorin so stark versucht hat, heraufzubeschwören; Gordian als hinreißend gut aussehender und überwältigender Junge nämlich, der nicht nur mit seinem Aussehen, sondern auch mit seiner Stimme und Manieren bei Elodie punkten kann.
Aber auch diese zahlreichen netten und sympathischen Einfälle in der Geschichte haben das Ruder nicht wirklich rausreißen können. Diese zwanghaft aufgesetzte Liebesgeschichte zwischen Gordian und Elodie kommt einfach nicht glaubwürdig rüber. Vielleicht wäre ein bloßes Andeuten von sich-entwickelnden-Banden hier im ersten Teil der Trilogie noch reizvoller gewesen, anstatt dieser überzeichneten und nicht nachvollziehbaren Romanze.

Fazit:
Das „Meeresflüstern“ entwickelt sich zum Ende des Buches zu einem „Meeresrauschen“, dem ich als Leser nicht ganz folgen konnte. Einige unlogische Aspekte und insbesondere die unglaubwürdige Liebesgeschichte zwischen Elodie und Gordian haben den wunderbaren Eindruck der ersten Buchhälfte leider arg geschmälert. Letztlich gebe ich 3,5 von 6 Bücherstapel.
Ein herzliches Dankeschön an den Coppenrath Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Ging mir auch so ähnlich. Die Lovestory von Elodie und Gordian passt einfach gar nicht. Sonst hat mir das Buch gut gefallen, aber die Romanze war echt störend.

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  2. Daumen hoch! Du triffst genau meine Kritikpunkte und leider wurde ich dadurch - letztendlich auch sehr stark entäuscht. Leider bin ich nun Imun gegen die Fortsetzung ... dabei fing es so gut an. :-(

    Liebe Grüße
    Reni

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