Freitag, 27. Januar 2012

"Die Schattenträumerin" - Janine Wilk

Thienemann/ Planet Girl Verlag, 2012
14,95 Euro

Handlung:
In der Nacht verwandelt sich Venedig. Das Wasser in den Kanälen flüstert leise, Schatten legen sich über die kleinen Gassen - und Francesca träumt: Immer näher und näher kommt ihr schrecklicher Verfolger, schon spürt sie seinen Atem im Nacken - und wacht schweissgebadet auf. Von ihrer Grossmutter erfährt sie, dass die wiederkehrenden Albträume mit einem Familienfluch zusammenhängen. Einem tödlichen Fluch, der nicht nur sie, sondern ganz Venedig bedroht. Nur ein Buch von dämonischer Natur kann den Fluch lösen und Venedig davor bewahren, in den Fluten zu versinken. Doch um es zu finden, muss sich Francesca dem Mann aus ihren Albträumen stellen. Eine atemlose Jagd beginnt ...

Meine Meinung:
Schöne Geschichte um einen Familienfluch, der obendrein auch noch in Venedig spielt. Die Bilder von Venedig, die Frau Wilk durch ihre Beschreibungen heraufbeschwört, machen direkt Lust, die eigene Tasche zu packen und selbst nach Venedig zu fahren, um sich den Markusplatz oder die Rialtobrücke selbst anzusehen. Wer schon mal da war, der weiß, was für einen besonderen Reiz, welchen "Zauber" diese Stadt auf seine Besucher hat. Venedig ist wie eine kleine Welt für sich, und das hat die Autorin wunderbar in Worte gefasst. Besonders "gut" hat mir dabei gefallen, dass sie eben nicht nur die Glanzseiten dieser Stadt, die im Wasser steht, beschreibt, sondern im Gegensatz auch nicht davor zurückschreckt, die dreckigen und engen Straßen und Gassen darzustellen, die verrottenden Holzbalken im Wasser, die gruseligen Nebelschwaden, die durch die Stadt ziehen, wenn die Sonne gerade nicht scheint und dadurch manch eine Ecke besser verborgen bleibt. Hier gibt es eben nicht nur Glanz und Kunst und viel Geschichte - nein, Venedig ist letztlich auch nur eine Stadt, die sich dem Verfall und dem stetigen Abwandern ihrer Einwohner gegenüber sieht.
Ich finde es eine wunderbare Idee, in diesem Rahmen dann eine Geschichte über einen Familienfluch zu schreiben, der die Familie de Medici seit Jahrhunderten heimsucht. Ja, die Familie de Medici, mittlerweile allerdings nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Francesca ist der einzige Nachkomme dieser einst ruhmreichen Herrscherfamilie; die Einzige, die heute noch den Familiennamen trägt. Und genau deswegen ist auch sie vom Fluch betroffen: seit Jahren plagen sie nachts Albträume, die immer schrecklicher, immer realer werden. In Venedig gelingt es ihr anhand einiger Nachforschungen ihres Großvaters, der dem Fluch ebenfalls zum Opfer gefallen ist, ein wenig Licht ins Dunkle dieses Fluchs zu bringen und sieht sich plötzlich einer enormen Verantwortung gegenüber: sie muss Venedig vor einem Dämon retten, der droht, die Stadt für immer in den Fluten versinken zu lassen...
An und für sich hab ich nichts auszusetzen, ich hatte viel Spaß beim Lesen. Über kleine Unstimmigkeiten im Text wie z.B. den tröstenden Satz "Wir werden sehen" aus dem Munde einer Blinden kann man sicher hinweg sehen. Das Einzige, das ich jedoch leider nicht ganz gelungen finde: Francesca ist mir zu jung. Das ist natürlich eine merkwürdige Ansage, denn prinzipiell eignen sich Bücher mit jungen Hauptprotagonisten natürlich auch für eine entsprechend jüngere Leserschaft. Aber mein Problem war auch nicht, dass mir Francesca zu jung für mich und meinen Lesespaß erschien, sondern zu jung für ihren Charakter, der ihr hier zugeschrieben wurde. Francesca soll 13 sein, und das habe ich ehrlich gesagt bis zum Schluß nicht recht glauben können. Sie wirkt viel älter, abgeklärter, reifer, vor allem in den Dingen, die sie sagt und denkt, in der Selbständigkeit, die sie an den Tag legt, mit ihrem Verständnis, was für eine Rolle sie für die Zukunft Venedigs spielt. In meinen Augen hätte sie ruhig 2, 3 Jahre älter sein können, das hätte ich ihrer Figur vermutlich eher abgenommen. Trotzdem ist sie eine gut gewählte und glaubhafte Heldin.
Das Ende hat in meinen Augen klitzekleine Schwächen, da hätte ich mir einen Tick "Mehr" gewünscht, denn so kommt es leider 1. etwas holterdipolter und 2. ein wenig unspektakulär daher.
Noch ein Wort zum Aussehen: Sehr schön fand ich die Gestaltung des Buches; zum einen sieht das Cover vielversprechend aus, vor allem ist aber auf jeder einzelnen Buchseite ein kleines schwarzes Ornament in den Ecken aufgedruckt, was ich wirklich außergewöhnlich hübsch finde.

Fazit:

"Die Schattenträumerin" ist eine schöne runde Geschichte mit abgeschlossenem Ende, die ich zwar eher einer jüngeren Leserschaft (ab 12) empfehlen würde, an der aber auch Erwachsene ihre Freude haben dürften. 4,5 von 6 Bücherstapel.

Ein herzliches Dankeschön an den Thienemann/ Planet Girl Verlag für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentare:

  1. Tolle Rezi! Jetzt reizt mich das Buch glatt noch mehr. Mein SuB ist zwar derzeit voll ausgelastet aber für später werde ichs auf jeden Fall im Auge behalten. Allein von der Inhaltsangabe her hätte ich übrigens gedacht, dass Francesca ein bisschen Älter/Jugendlicher ist. Kann man mal sehen. ;)

    LG Reni

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