Mittwoch, 14. Dezember 2011

"Der Fluch von Scarborough Fair" - Nancy Werlin

cbt Verlag, 2011
8,99 Euro

Handlung:
Ein furchtbarer Fluch liegt auf den Scarborough-Frauen: Sie alle bekommen mit achtzehn eine Tochter – und verfallen dem Wahnsinn ... Lucy Scarborough ist süße siebzehn, als sie davon erfährt. Und nicht bereit, sich ihrem Schicksal zu ergeben, auch wenn es aussichtslos erscheint. Denn nur wenn sie drei mysteriöse Rätsel lösen kann, ist der Bann gebrochen. Aber Lucy ist nicht allein. Zusammen mit ihrer großen Liebe Zach kämpft sie verzweifelt um ihr Leben. Doch das Böse ist jahrhundertealt, skrupellos und unwiderstehlich ...

Meine Meinung:
Ich denke, jeder regelmäßig Lesende kennt das Gefühl, wenn man während des Lesens merkt, dass die Geschichte einfach nicht das hält, was der Klappentext verspricht. Genau so ging es mir nun gerade einmal mehr bei "Der Fluch von Scarborough Fair". Der Klappentext klingt interessant, recht spannend, einfach nach etwas anderem als diverse andere Jugend-Fantasybücher, die momentan zu erhalten sind. Aber das war´s dann auch schon.
Den Prolog fand ich noch ganz nett, überhaupt den Anfang als solchen. Klang alles ziemlich geheimnisvoll mit vergilbten Pergamentseiten, die aus einem Tagebuch herausgerissen und jahrelang versteckt wurden, bis sie nach Jahren wieder gefunden wurden. Aber schon in den ersten Kapiteln hab ich ein wenig den "Pepp" vermisst, irgendetwas Reißerisches, Besonderes, einen Aha-Moment. Den gab es eigentlich im ganzen Buch nicht. Tatsächlich ist die Handlung recht ereignislos, bewegt sich konstant auf einem Level. Und dieses Level ist nicht besonders hoch angelegt. Ob es sich um Lucys Alltag, ihre spätere (Bilderbuch-) Schwangerschaft oder ihre Versuche, den Fluch zu brechen, handelt - die Schilderungen hatten stets einen kleinen *gähn*-Faktor an sich. Dazu kam an vielen Stellen eine so kindlich-naive Sprache, die einfach nicht zum Kontext passen wollte, wenn die Rede von "erwachsenen Themen" war: Vergewaltigung, Ehe, Kinderkriegen. Alles in Lucys rosaroter Welt ist ganz wunderbar, fügt sich fantastisch zusammen und entwickelt sich wie von selbst. Mit 17 ist sie so allwissend, in sich ruhend und überzeugt von ihrem Schicksal, dass einem beim Lesen ein fader Geschmack im Mund bleibt und sich die eigenen Augenbrauen wie von selbst verwundert heben. Letztlich tragen dazu aber auch die Handlungen der Nebenfiguren bei. Zach ist so furchtbar verständnisvoll, lieb und aufopferungsvoll - einfach langweilig. Und Lucys Pflegeeltern sind zwar ständig präsent, wuseln um sie herum und geben kluge Ratschläge, tragen zum Verlauf der Geschehnisse aber de facto null bei. Auch die Gefühlsäußerungen der Protagonisten werden von der Autorin so plump und kalt abgehandelt, dass sie einfach nicht echt wirken, sondern nur als Mittel erscheinen, um die Sätze zu füllen. Vielleicht lag es auch genau daran, dass mir eigentlich keiner der hier auftauchenden Akteure in irgendeiner Art und Weise sympathisch erschien.
Irgendwie fehlt da das Salz in der Suppe. Denn auch aus der ganzen Fluch-Sache hätte man wesentlich mehr machen können. Zwar werden im Laufe der Geschichte verschiedene Aspekte angekratzt, der eigentliche Ursprung des Fluchs (wann hat es angefangen, was genau wurde denn aus der ersten Frau, die es betraf, und welchen genauen Zweck soll der Fluch eigentlich erfüllen) bleibt aber letztlich ungeklärt. Und warum der Fluchinhalt in dieses merkwürdige Lied eingebaut wurde, das hier alle paar Seiten von irgendjemanden gesummt wird, habe ich auch nicht verstanden.

Fazit:
"Der Fluch von Scarborough Fair" ist ein Buch ohne das gewisse Etwas, ohne Witz und ohne sympathische Charaktere, von denen man gern liest. Zumindest hat mich das Lesen dieses Buches nicht wirklich beeindruckt und wird sicher nicht lange in meiner Erinnerung bleiben. Für die für mich eher enttäuschende Lektüre gibt´s nur 2 von 6 Bücherstapel.

1 Kommentare:

  1. Ernüchternd ... würde ich mal sagen. Schade! Der Fluch steht in meinem Regal und wartet darauf gelesen zu werden. Dieses Jahr (das ist immer ein toller Satz kurz vor dem Jahreswechsel ... klingt soweit weg), wird es aber nichts mehr. Vielleicht werde ich es bald mal antesten und bei Nicht-Gefallen einfach wieder aussortieren.

    LG Reni

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