Montag, 12. September 2011

"Das Orchideenhaus" - Lucinda Riley

Goldmann Verlag, 2011
9,99 Euro

Handlung:
Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Julia Forrester in ihre alte Heimat Norfolk zurück, wo sie im Orchideenhaus von Wharton Park als Kind viele glückliche Stunden verbrachte. Der Besitzer von Wharton Park, Kit Crawford, überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großmutter gehörte. Mit dem Tagebuch drängt sich ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht - ein Geheimnis, das auch Julias Leben komplett verändern wird....
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
„Das Orchideenhaus“ ist der beste Beweis dafür, dass ein ansprechendes Cover und die Schlagworte „Familiengeheimnis“, „verwunschenes Herrenhaus“, „tragische Liebe“ sowie „spannend und bewegend“ auf dem Klappentext nicht notwendigerweise gute Lektüre versprechen müssen. Spannende und interessante Lesestunden sucht man hier vergebens - wenn ich ehrlich sein soll, war dies eins der schlechtesten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe. Und ich klopfe mir schon auf die Schulter, dass ich es überhaupt zu Ende gelesen habe; ich war oft kurz davor, es weg zu legen, und habe das letzte Buchviertel auch nur noch überflogen.
Aber was genau ist eigentlich schlecht an dem Buch?
1. Zum einen die wirklich hanebüchene und unglaubwürdige Story um die Familie Crawford, die die Autorin hier aufdröselt und niederschreibt. Die Bewohner des Herrenhauses Wharton Park durchleben so ziemlich jeden Schicksalsschlag, den man sich denken kann. Gut, ein Teil der Story spielt zu Weltkriegszeiten, insofern drücke ich hier mal alle Augen zu. Aber  irgendwann wurde das ganze einfach zuviel des Guten. Ob es um unglückliche Liebeleien, homosexuelle Neigungen, Fehlgeburten, Adoptionen, Unfälle, Kriegsverletzungen, Missverständnisse usw. geht - hier ist einfach alles dabei. Die „zwei bittersüßen Liebesgeschichten“ (O-Ton Klappentext) sind unglaubwürdig und alles andere als bittersüß, sowohl die in der Vergangenheit als auch die in der Gegenwart; aber wenigstens war die in der Vergangenheit für die damalige Zeit noch herrlich skandalös - schade nur, dass sie völlig totgeschwiegen wurde. Die Charaktere in diesem Buch fand ich ausnahmslos langweilig. Ob es sich um Julia, die verwitwete Klavierspielerin handelt, oder um Olivia, die gebeutelte unglückliche Ehefrau in der Vergangenheit - ich fand die Figuren durch die Bank weg recht leb- und lieblos gezeichnet, oberflächlich und detailarm. Wobei die männlichen Protagonisten es hier noch schlimmer getroffen haben: Harry erschien mir wie der absolut weinerliche Waschlappen, und Kit... nun ja, wenn ein erwachsener Mann namens Christopher darauf besteht, dass man ihn Kit nennt, kann da auch irgendwas nicht ganz stimmen.
2. Der Schreibstil. Ich hab schon lange nicht mehr so schlechte Dialoge gelesen. Die Absätze sind derart holprig und unecht geschrieben - so unterhalten sich schlicht und einfach keine 2 Personen miteinander. Die eine führt einen ellenlangen Monolog, ohne beschriebene Zwischenaktionen wie „er stand auf, er ging zum Fenster, er sah nach rechts usw.“ und ohne der anderen Person die Möglichkeit einer Antwort zu geben und endet dann mit den Sätzen „Ich muss jetzt gehen, lass uns morgen weiter reden. Auf Wiedersehen.“ Und das taucht immer wieder im Buch auf - höchst merkwürdig. Der mit Abstand schlimmste Satz im Buch ist übrigens folgender: „Hoffentlich kann ich mich deiner als würdig erweisen und dich auf ewig bei mir halten.“ (S.278) Soll das eine Drohung sein?? Keine Ahnung, ob diese sprachlichen Merkwürdigkeiten auf die Kappe der Übersetzer zurückzuführen sind, aber ich glaube, auch das englische Original hätte nicht meinen Geschmack getroffen.
Kurz: ich fand das Buch leider überhaupt nicht unterhaltsam. Unglaubwürdig, schlecht geschrieben und mit völlig unechten überzeichneten und vom Schicksal gebeutelten Figuren.

Fazit:
Für ein Buch, das soviel verspricht und so wenig hält, lasse ich mich heute nur zu 2 von 5 Bücherstapeln hinreißen.

1 Kommentare:

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