Freitag, 5. August 2011

"Hex" - Kai Meyer

Handlung:
Nürnberg 1561: Lichterscheinungen über der Stadt versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Ist es Gott, der vom Himmel herabsteigt und Tod und Verderben bringt? Berlin 1926: Als über den Gletschern Grönlands ein Luftschiff explodiert, sollen zwei deutsche Agenten das Rätsel lösen. Für Sina Zweisam und Max von Poser, die für das Hex, die Abteilung für ungeklärte Kriminalfälle, arbeiten, beginnt eine heikle Mission. Norweger und Dänen führen einen geheimen Krieg; ein Killer, der sich Magier nennt, sucht Vergeltung und eine finstere Macht plant die Apokalypse.

Meine Meinung:
Ich hab mich anfangs sehr an Scully & Mulder erinnert gefühlt, als ich von Sina und Max gelesen habe: ebenso wie die beiden plagen sie sich mit merkwürdigen kuriosen Aufgaben herum, die sonst keiner lösen will (Bsp: Fischmenschen im Wannsee), und ebenso wie die X-Akten ist das Hex immer kurz davor, geschlossen zu werden. Diese anfängliche Ähnlichkeit hat sich jedoch recht schnell gegeben, denn das typische "mysteriöse Flair", das die Akte X-TV Folgen umgeben hat (und das ich als langjährige Akte X-Zuschauerin geliebt habe), wollte hier nicht so recht aufkommen. Sina und Max blieben mir als Hauptfiguren leider ziemlich unbekannt und blass, zeichneten sich durch keine Details aus, weder äußerlich noch innerlich. Einzig Max´ Vorliebe für Treppen war liebenswert; Treppen vermessen, Abgetretenheiten der Stufen analysieren, Treppenschiefe feststellen etc. - eine kleine Macke, die den beiden im Laufe des Buches sogar noch das Leben rettet.
Die Geschichte als solche braucht etwas, um in Gang zu kommen und geht eigentlich erst ab Buchmitte auf die Geschehnisse in Grönland ein. Dann jedoch wird es ohne Frage richtig spannend. Merkwürdige Vorkommnisse sowohl in Grönland als auch Deutschland, Personen, die verfolgt und entführt werden, historisch fundierte Aspekte, die in eine Geschichte um außerirdisches Leben eingesponnen werden - super umgesetzt. Gut, das Ende wirkte etwas... aufgesetzt und ließ mich die Stirn runzeln, aber auf das Ende werde ich jetzt natürlich nicht eingehen. Sprachlich übertrifft sich Herr Meyer wieder einmal selbst - was insofern eigentlich falsch formuliert ist, als dass "Hex" schon 1996 geschrieben wurde und damit ein frühes Buch von ihm ist. Aber ich habe von ihm bisher eine Handvoll Bücher gelesen und während ich die "Arkadien"-Reihe sehr mag, konnte mich beispielsweise seine Merle-Trilogie nicht wirklich begeistern. Hier dagegen trifft er voll mein Interesse und meinen Geschmack, was außergewöhnliche Geschichten betrifft; auch wenn ich kleine Details zu bemäkeln habe. So finde ich es schade, dass das typische 20er-Jahre Gefühl nicht so recht auf den Leser überschwappen will; dafür, dass der Roman in den berühmten "Roaring bzw. Golden Twenties" spielt, noch dazu teilweise in Berlin, wirkt alles recht nüchtern. Dazu kommen manche sprachlichen Eigenheiten, die dieses Manko noch vertiefen; so glaube ich beispielsweise weniger, dass in den 20er Jahren wörtlich von "Partyhäschen" die Rede war (S.169).

Fazit:
Spannende Lektüre, die ein wenig durch die detailarmen Hauptfiguren, das fehlende Flair und das "pathetische" Ende verliert, ansonsten aber sehr unterhält. Und ein bißchen Akte X-Feeling ist auch dabei. 3,5 von 5 Bücherstapel.

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