Donnerstag, 30. Juni 2011

"Heaven" - Christoph Marzi

Arena Verlag, 2011
9,99 Euro

Handlung:
Feenblut fließt in den Adern von Heaven. Aber bisher weiß das Mädchen noch nichts von ihrer besonderen Abstammung. Als die Jagd auf sie beginnt, ist Heaven ist ganz auf sich gestellt. David dagegen findet sein Leben ziemlich normal. Gut, seine Ex hat ihn gerade verlassen, aber kein Grund für ein Hollywood-Drama. Doch dann trifft er hoch auf den Dächern Londons Heaven. Und Davids Leben ändert sich für immer.


Meine Meinung:
Heaven hat ihr Herz verloren. Und das ist nicht sprichwörtlich gemeint, sondern real. Jemand hat ihr das Herz herausgeschnitten. Als sie danach dennoch weiter lebt und weg rennen kann, macht sich dieser unbekannte Jemand auf und verfolgt sie quer durch London. Auf ihrer Flucht lernt Heaven David kennen, der ihr - nach anfänglichem Unglauben - schließlich helfen und ihr Herz wieder finden will.
"Heaven" war das erste Buch, das ich von Christoph Marzi gelesen habe. Vorher hatte ich schon oft gelesen/ gehört, dass Marzi eine wunderbare Erzählsprache haben soll und toll schreiben könne. Nun, das kann ich bestätigen. Schön geschrieben war "Heaven" in der Tat. Auch spannend. Aber trotzdem hat mich "Heaven" nicht so recht vom Hocker hauen können.
Zum einen fand ich es schade, dass der Untertitel "Stadt der Feen" schon die Thematik vorgibt, um die es hier gehen soll, nämlich "Feen". Wäre nicht der Untertitel gewesen, wäre man als Leser ganze 260 Seiten recht unwissend geblieben, denn tatsächlich wird der Aspekt "Fee" erstmalig im letzten Buchdrittel benannt. Bis dahin jagt man mit David und Heaven gemeinsam durch London, weiß, dass Heaven ihr Herz verloren hat und dass ein fieser Mann hinter ihr her ist - aber warum eigentlich und was das ganze soll und wo das alles hinführen wird, das weiß man nicht. Aber man hat eben ständig diesen Gedanken im Kopf "irgendwas muss ja noch mit Feen kommen, das muss ja noch was mit Feen zu tun haben" - und das fand ich schade, denn das hat mich schon irgendwie gestört und beim Lesen beeinflusst.
Umso erfreuter war ich dann, dass Marzi mit seiner Idee die "Feen" (als sie denn nach 260 Seiten dann doch mal ins Spiel kommen) hier einmal ganz anders darstellt, und eben nicht wie die allgemein vorherrschende Vorstellung einer Fee als kleines fliegendes piepsendes leuchtendes Wesen mit Flügeln. Marzi verfolgt hier einen ganz anderen interessanten Ansatz, den ich zuerst auch sehr schön fand, weil mir einfach die Vorstellung gefallen hat "was wäre, wenn das wahr wäre?". Zum Ende hin, als es an die Auflösung geht, wer denn nun wirklich hinter Heavens Herz her ist und warum, gestaltet sich dieser Ansatz in meinen Augen aber recht abstrus und unpassend.
Ein weiterer Aspekt, der mir ein wenig negativ aufgefallen ist, ist, dass die Handlung im Buch etwas ungleich verteilt ist. Während die erste Hälfte von "Heaven" irgendwie handlungsarm erscheint, da David und Heaven eben nur hin und her überlegen und sich in London von A nach B bewegen, tritt in der zweiten Buchhälfte die ganze Action geballt am Ende auf. Und dann geht plötzlich alles sehr schnell und das Buch ist vorbei. So ging es zumindest mir. Irgendwie hätte ich von dem ganzen Abschluss der Geschichte ein klein wenig mehr erwartet. Denn die Geschichte zwischen David und Heaven ist zwar schön und fängt auch ganz nett an, aber ist nicht weltbewegend. Heaven erschien mir die ganze Zeit etwas weinerlich und anhänglich (naja gut, sie hat ja auch gerade ihr Herz verloren...), während David (irgendwie) die Rolle des Helden einnehmen soll, was ihm nicht so recht gelingt, wie ich finde. Die beiden sind nette, aber eben Allerwelts-Charaktere, die sich nicht besonders hervortun, und da ändert eben auch dieser "Feen"- Aspekt nichts dran.
Letztlich noch ein Löbchen für die Auswahl und Beschreibung des Handlungsortes: meiner Lieblingsstadt London. Marzi hat sie in tollen Bildern eingefangen und beschrieben. Ich kam mir beim Lesen teilweise so vor, als würde ich selbst noch einmal durch die Stadt laufen und die ganzen Details selbst sehen. Schön!

Fazit:
Ich bin hin- und hergerissen. Die Story ist nicht schlecht, aber nichts Weltbewegendes, der Schauplatz ist mit London fantastisch ausgewählt und die Geschichte wunderschön geschrieben, leider finde ich die Charaktere etwas flach, und auch der mit 250 Seiten umfassende lange Anlauf, um auf den Punkt zu kommen, hat mich etwas gestört. Ich tendiere daher zu 3- 3,5 Bücherstapel von 5.

4 Kommentare:

  1. Kann Dir nur zustimmen... Die restlos begeisterten Rezensionen konnte ich auch noch nie so recht nachvollziehen. Die Geschichte ist schon schön, aber die Charaktere waren auch mir zu flach und unausgereift und es hatte zu viele Längen. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen, ist ja leider oft so. Seitdem habe ich auch nie wieder ein Buch von Marzi probiert, ich hatte das Gefühl, dass die alle sehr ähnlich sind.

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  2. Ich hab noch "Grimm" von ihm zuhause liegen, das wartet bereits seit einigen Monaten auf meinem SuB. Ich denke, das werde ich schon noch irgendwann lesen, aber falls sich das auch nur als so "mittelprächtig" herausstellen sollte, kann es sein, dass vorerst keine weiteren Marzi-Bücher bestellt werden. Mein SuB dürfte sich freuen...

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  3. Wobei man echt sagen muss, dass die Handlung in Kurzform toll klingt, mit dem gestohlenen Herzen und dem Jungen, der Heaven (auch ein toller Name!) helfen soll. Und dann noch London, was nebenbei auch meine Lieblingsstadt ist... ♥ Soviel Potential, und dann ist wenig bei rausgekommen. Wirklich schade!

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  4. Marzi hat einen sehr speziellen Stil, aber seine Lycidas Reihe ist wirklich lesenswert. Zwar braucht die Geschichte ein wenig Zeit bis sie wirklich anläuft, aber ab einem gewissen Punkt konnte ich nicht mehr zu lesen aufhören und wollte einfach nur noch wissen wie es weiter geht. Obwohl ich Heaven nicht kenne, kann ich doch anhand von Somnia und seiner Sammlung an Kurzgeschichten sagen, dass er mit Lycidas sein bisher wohl gelungenstes Werk erschaffen hat. Ist von meiner Seite her auf jeden Fall empfehlenswert!

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