Freitag, 15. April 2011

"Die Messertänzerin" - Susanne Rauchhaus

Ueberreuter Verlag, 2011
14,95 Euro

Handlung:
In Pandrea, dem Reich von Fürst Warkan, hat jeder seinen fest bestimmten gesellschaftlichen Platz. Divya gehört als Dienerin an einer Mädchenschule zur untersten Kaste; anders als Jolissa, die Schülerin aus gutem Hause. Während Jolissa von einer Hochzeit träumt, beneidet Divya die Männer um ihre Freiheit und freundet sich mit einem Wächter an. Sie lernt zu kämpfen wie ein Mann - und zu tanzen wie eine Frau. Als sie einen Mordauftrag bekommt, muss sie eine Entscheidung treffen. Und damit macht sie sich den Mann, den sie liebt, zu ihrem erbittertsten Feind.

Meine Meinung:
"Die Messertänzerin" überzeugt durch eine spannende, temporeiche und umfangreiche Handlung, eine interessante Hauptprotagonistin, und eine gekonnte Rahmenhandlung. Divya wächst als Dienerin auf und steht damit auf der untersten gesellschaftlichen Stufe, noch unter der untersten Kaste im Kastensystem. Früh schon spürt sie, dass sie derart nicht ewig leben möchte und entwickelt Pläne, wie sie für sich selbst lernen und kämpfen kann, um ihre Träume zu verwirklichen. So schaut sie sich mit den Jahren die Verhaltensweisen der höher gestellten Mädchen (Tana) ab, die sie in einer Schule bedienen muss, lernt ihre Gewohnheiten anzuwenden, lernt ihre Art zu tanzen und freundet sich schließlich mit Tajan an, einem Wächter, der ihr das Messerwerfen und das Kämpfen beibringt. Als sie 18 ist, wird sie vor die Wahl gestellt, ein anständiges und gutes Leben führen zu können, dafür jedoch einen Mord begehen zu müssen, oder auf ewig als Aussätzige am Rande der Gesellschaft leben zu müssen.
Die Geschichte um Divya hat mich wirklich gefesselt. Divya ist ein starker Charakter, der sich viel vornimmt, viele Pläne und Wünsche hat und sich einfach mehr vom Leben wünscht. Sie möchte nicht auf ewig nur die Dienerin sein, sondern selbst ein glückliches Leben führen. Sie guckt sich das Tanzen (offenbar eine sehr angesehene Tätigkeit von gut gestellten Mädchen) von den Schülerinnen der Tana-Schule ab und bringt sich mit Tajans Hilfe das Messerwerfen bei. Tajan ist es auch, der in meinen Augen die Handlung vorantreibt und Divya stets die nötigen Anstöße für ihre Taten und Aktionen liefert. Dass er darüber hinaus überaus sympathisch und attraktiv erscheint, ist wohl nur ein weiterer Bonus der Autorin...
Es ist schwer zu sagen, in welcher Zeit bzw. welchem Rahmen das Buch eigentlich spielt. Die Gesellschaftsform mit dem Kastensystem und der absoluten Unterdrückung der Frau weist eher auf vergangene Zeiten hin (auch wenn es natürlich auch heute noch Länder gibt, für die das zutrifft), und dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass es beispielsweise nur Kutschen gibt oder Wasser aus Brunnen. Die Sprache jedoch wirkt jedoch teilweise eher zu modern dafür (Gebrauch von Wörtern wie "Experiment" oder "paranoid"). Ansonsten gibt es absolut nichts zu bemängeln. Die Autorin schreibt mitreißend, sprachlich ausgefeilt und der zugrundeliegenden Atmosphäre der Handlung angepasst. Beim Lesen hatte ich stets eine ruhige sandige, orientalisch anmutende Wüstenstadt vor Augen, hinter der die Sonne rot glühend untergeht. Sehr gelungen!
Auch die Spannung ist unterschwellig eigentlich stets präsent. Anfangs leidet man noch mit Divya im Alter von 12 Jahren mit, dann erlebt man sie in den folgenden Jahren, in denen sie zur "Messertänzerin" wird. Schließlich tritt sie als willensstarke junge Frau auf, die weiß, was sie will und die für die Rechte ihres Volkes und damit auch für sich selbst eintritt, und dies auf recht ungewöhnliche, nämlich tanzende Art und Weise.

Fazit:
Klare Leseempfehlung für alle, die gern abenteuerliche spannende, leicht orientalisch angehauchte Märchen von starken Frauen lesen, bei denen auch die Romantik nicht zu kurz kommt.
Ein herzliches Dankeschön an den Ueberreuter Verlag für das Rezensionsexemplar!

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