Sonntag, 27. März 2011

"Skinned" - Robin Wasserman

Script 5, 2010
16,90 Euro

Handlung:
Lia Kahn ist reich, schön und beliebt bis ein Unfall sie beinahe tötet. Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten, künstlichen Körper auf. Lia wird nie wieder Schmerz empfinden, sie wird nicht altern und nicht sterben. Doch der Preis dafür ist hoch: Ihre Freunde misstrauen ihr, ihr Freund betrügt sie und alles, was ihr wichtig war, wandelt sich in einen Albtraum. Hin- und hergerissen zwischen dem Leben, das sie einmal kannte, und einer neuen, aufregenden Existenz, lernt Lia bald die bitterste Lektion: Niemand kann ihr die Entscheidung abnehmen, die sie treffen muss, um ihre Liebsten zu schützen.

Meine Meinung:
Das Lesen von "Skinned" hat mich dazu gebracht, mein eigenes Leben mal mit ganz anderen Augen zu betrachten: was würde ich tun bzw. wie würde es mir gehen, wenn ich unsterblich wäre, wenn ich einen Körper hätte, der nicht verletzt werden kann, wenn ich keine menschlichen Gefühle mehr empfinden könnte - kurz, wenn ich eine Art Maschine wäre? Würde ich mich für so eine Lebensform entscheiden wollen?
Lia Kahn hatte diese Wahl nicht. Nach einem schweren Unfall entscheiden ihre Eltern für sie, dass ihre Gehirnstrukturen in einen künstlichen Körper eingebaut werden sollen, und Lia dadurch weiterleben kann, wenn auch nicht in ihrem gewohnten Körper.
Aber nicht nur ihr Aussehen ändert sich, ihre ganzes Leben ist plötzlich anders. Für Lia beginnt mit der Umwandlung die schlimmste Zeit überhaupt. In ihrem Kopf ist sie noch die alte, die denkt und reagiert wie Lia. Aber sie ist zu keinen Gefühlen, zu keinen Emotionen, zu keinem Schmerzempfinden fähig. Sie fühlt sich völlig leer, nicht mehr menschlich - eben wie eine Maschine, die programmiert wurde. Von anderen wird sie gemieden, verspottet, gehasst. Letztlich bleibt ihr nur die Wahl zwischen einem unechten Leben inmitten der Menschen, die sie fälschlich glaubte zu kennen, oder der neuen Daseinsform inmitten der "Mechs", der künstlich erzeugten Wesen.
"Skinned" spielt einige Zeit in der Zukunft und ich muss ehrlich sagen, ich bin froh darüber; froh, dass ein solches Szenario bestenfalls Zukunftsidee sein kann. Noch. Ich fänd die Vorstellung, inmitten von künstlichen unsterblichen Körpern zu leben, furchterregend. Aber in diesem Buch geht es nicht um "mich" - um den Menschen, sondern die Geschichte wird aus der Sicht von Lia erzählt, noch dazu in der Ich-Form, sodass jeder ihrer Gedankengänge unmittelbar nachvollziehbar ist. Und trotz der Unwirklichkeit, die die ganze Handlung umgibt, gelingt es der Autorin sehr gut, diese Gedankenwelt der neuen Lia überzeugend darzustellen und ein glaubhaftes Bild davon zu entwickeln, was es heißt, als "Mech" auf der Erde zu wandeln. Als eine künstliche Lebensform, die gern menschlich sein möchte, es aber nicht mehr sein kann. Die manche kurzerhand als "Zombie" abstempeln würden. An mancher Stelle erschien mir das Ganze furchtbar traurig und geradezu unerträglich, wenn ich las, wie Lia von der Außenwelt aufgenommen wird, wie ihr der offene Hass von anderen, nicht zuletzt ihrer eigenen Schwester, entgegen tritt. Lia verliert von einem Tag auf den anderen alles - ihre Familie, ihre Freunde, ihr Leben. Die "Mechs" werden von den Menschen als abnorm, als wiederwärtig angesehen, und das irrsinnigerweise in einer Welt, die sich durch absolute interaktive Vernetzung und Kontrollübernahme durch Automaten und Maschinen kennzeichnet. Inmitten dieser Welt muss Lia sich selbst finden und herausfinden, was sie will und wie sie sich ihr zukünftiges - ewiges - Dasein vorzustellen hat.
Das darzustellen, gelingt Robin Wasserman überzeugend. Letztlich klappt man das Buch zu und kommt nicht umhin, sich selbst zu fragen, was einen Menschen eigentlich ausmacht.

Fazit:
Die Autorin entwirft ein Zukunftsbild einer automatisch geprägten Welt, die sehr zum Nachdenken anregt und einen tatsächlich darüber grübeln lässt, ob der technische Fortschritt, dem wir uns jeden Tag gegenüber sehen, nur als durchweg vorteilhaft angesehen werden kann. "Skinned" ist gut und eindringlich geschrieben. 4 von 5 Bücherstapel.

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