Samstag, 26. März 2011

"Marina" - Carlos Ruiz Zafón

Fischer Verlag, 2011
19,95 €

Handlung:
"Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine." So beginnt Óscar Drai seine Erzählung. Der junge Held des Romans sehnt sich danach, am Leben Barcelonas teilzuhaben, und streift am liebsten durch die verwunschenen Villenviertel der Stadt. Eines Tages trifft er auf ein faszinierendes Mädchen. Sie heißt Marina, und sie wird sein Leben für immer verändern.
Gemeinsam werden die beiden in das düstere Geheimnis um den ehemals reichsten Mann Barcelonas gesogen. Schmerz und Trauer, Wut und Größenwahn reißen sie mit sich, eine höllische Verbindung von vernichtender Kraft. Aber auch Marina umgibt ein Geheimnis. Als Óscar schließlich dahinterkommt, ist es das jähe Ende seiner Jugend.
Meine Meinung:
Eines Tages betritt Internatsschüler Óscar das Haus der Familie Blau und von einem Tag auf den anderen ändert sich sein bis dato eher langweiliges Leben. Er lernt Marina, die Tochter des Hauses, sowie ihren Vater German kennen und schätzen. Gemeinsam mit Marina verbringt er schöne interessante Nachmittage und lebt bald nur noch für die Besuche in der ehemaligs großartigen Villa Blau. Eines Tages erzählt ihm Marina von einer geheimnisvollen schwarzgekleideten Frau, die regelmäßig ein Grab ohne Namen auf dem Friedhof besucht. Die beiden folgen ihr und stoßen damit eine Tür zu einem lange zurückliegenden, traurigen Geheimnis um Michail Kolwenik, einen der reichsten Männer Spaniens, auf, an dessen Ende nicht nur ihr Leben bedroht wird.
Einmal mehr überzeugt Carlos Ruiz Zafón durch seine wunderbare und bildhafte Sprache. Ich kenne nur wenige Autoren, die so fantastisch und eindrucksvoll schreiben können, dass ich stets das Gefühl habe, mittendrin zu sein, quasi die Nebelschwaden auf den Straßen Barcelonas selbst sehen zu können, während ich doch lediglich in einem Buch lese.
„Marina“ ist auf spanisch bereits 1999 und damit noch vor dem Erscheinen des großen Bestsellers „Der Schatten des Windes“ erschienen. Zafón sagt im Vorwort des Buches selbst, dass „Marina“ seine Lieblingsgeschichte seiner eigenen Bücher ist. Und auch wenn ich nachvollziehen kann, wieso, kann ich seine Meinung dennoch nicht teilen. Mein ungeschlagener Favorit von Zafón wird „Der Schatten des Windes“ bleiben.
Carlos Ruiz Zafón hat ja bereits in seinen eher jugendlich ausgerichteten Romanen wie „Der Fürst des Nebels“ oder „Der dunkle Wächter“ teilweise übernatürliche, leicht gruselige Aspekte anklingen lassen und ins Spiel gebracht. Dies ist auch in „Marina“ der Fall, auch wenn man hinzufügen muss, dass der Grusel hier von Menschenhand aus geschieht. Leider verliert die Handlung, die bis zur Mitte des Buches ohne Zweifel spannend und mitreißend ist, zum Ende hin etwas an Glaubwürdigkeit und driftet, als es Richtung „Showdown“ geht, in meinen Augen geradezu in eine recht lächerliche und schlecht gemachte Horrorvision ab, die einfach nicht überzeugt. Fast scheint es, als hätte sich der Autor, der zum Zeitpunkt des Schreibens in Los Angeles lebte, ein klein wenig zu sehr von Hollywood beeindrucken und leiten lassen. Das fand ich schade, denn das Ende – die Auflösung um Kolwenik und das ganze Drama seines Lebens – wirkt dadurch im Vergleich zur restlichen Handlung etwas lieblos und einfach drangesetzt. Als wären Herrn Zafón zum Ende der Geschichte ein wenig die Ideen, die Leidenschaft am Schreiben und die Puste ausgegangen.

Fazit:
„Marina“ ist wunderbar „zafón-esk“ geschrieben und gehört für bereits überzeugte Zafón Leser ohne jeden Zweifel ins Bücherregal; in meinen Augen reicht der Roman jedoch nicht an den Zauber von „Der Schatten des Windes“ heran. Von der Auflösung der Handlung und des Geheimnisses bin ich etwas enttäuscht, da hätte ich mir irgendwie mehr gewünscht. Trotzdem gibt es 3-4 von 5 Bücherstapel.

Ein herzliches Dankeschön an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.

2 Kommentare:

  1. Das klingt ja - bis auf die Sache mit dem Ende - sehr gut. :-) Wobei ich sagen muss, dass ich auch beim Schatten des Windes vom Ende eher enttäuscht war, auch wenn ich das Buch ansonsten heiß und innig liebe.
    Aber ich denke, "Marina" wird schon mal auf meine Wunschliste für meinen Geburtstag wandern. :-) Danke für die hilfreiche Rezension!

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  2. Marina gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern 2011.
    Die wunderbare „zafón-eske“ Sprache - wie du es so treffend ausgedrückt hast - hat mir Bilder von einem düsteren, geheimnisvollen und so faszinierenden Barcelona in den Kopf gezaubert, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen konnte, bis ich bei der letzten Seite angekommen war. Seine tolle Sprache ist es auch, die kleine inhaltliche Schwächen ausmerzen kann, wobei mir die Handlung von "Marina" wesentlich schlüssiger ist als beispielsweise Davids Geschichte in "Das Spiel des Engels"...
    Vielen Dank für deine schöne Rezension. Es interessiert mich immer sehr, Meinungen von anderen zu hören :) liebe Grüße

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