Donnerstag, 10. März 2011

"Hundert Jahre ungeküsst" - Gabriella Engelmann

Arena Verlag, 2011
13,99 €

Handlung:
Rosalie ist glücklich: Gerade ist sie von zu Hause ausgezogen, hat ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau angefangen und sich verliebt. Das Problem: Auf Rosalie lastet ein Fluch und ihr siebzehnter Geburtstag soll in einer Katastrophe enden. Kein Grund zur Panik, denkt Rosalie, denn sie glaubt nicht an Märchen - zumindest bis zur Nacht vor ihrem Geburtstag, als sie das verbotene Turmzimmer des Schlosshotels betritt.



Meine Meinung:
Mit hat „Dornröschens bittersüße Liebesgeschichte“, wie der Untertitel des Buches lautet, leider nur mittelmäßig gut gefallen. Die Geschichte um Rosalie, die kurz nach ihrer Geburt mit einem Fluch belegt wurde und mit 16 René kennenlernt und sich in ihn verliebt, ist nett und kurzweilig zu lesen. Gut gefallen haben mir die Anspielungen auf das ursprüngliche Märchen um Dornröschen, so z.B. die Namen, die die Autorin den Figuren gegeben hat: Rosalie Dorn ist mit ihrem Namen ja geradezu prädestiniert, in einen tiefen Schlaf zu fallen und auch René Prinz hat seinen Ruf als Retter weg. Auch dass die Geschichte in einem Schlosshotel spielt oder die Idee mit dem Stich, der Rosalie in einen tiefen Schlaf fallen lassen soll, finde ich gelungen.
Doch trotz dieser guten Grundgedanken ist mir dieses Buch einfach zu „modern“ gemacht, was nicht zuletzt am Schreibstil der Autorin liegt. Ich weiß auch nicht, entweder bin ich mit Mitte 20 wirklich schon zu alt für diese Art der Jugendsprache, oder sie ist in „Hundert Jahre ungeküsst“ wirklich extrem vorhanden. Dieser auf gewollt jugendlich und hip gemachte Sprachstil konnte mich einfach überhaupt nicht überzeugen. Das ganze Buch ist mir zu „cool“, „sexy“ und „krass“ – lastig. Auch die „süßen Girls“ und die „Party People“ sind zuhauf vertreten. Bei dem Satzfragment „...ganz peacig mit mir zusammenleben“ (S.88) haben sich mir wirklich die Nackenhaare aufgestellt. Das hat mir den Lesespaß einfach ziemlich verdorben, zumal das Potential für eine gekonnte und runde Geschichte durchaus da gewesen wäre. Denn die Autorin schafft es eigentlich, den Bogen des klassischen Grimm-Märchens in die Neuzeit zu schlagen und dennoch in den bekannten Rahmen zu packen. Auch das Ende, so merkwürdig ich es fand, passt letzten Endes zur Idee der Dornröschen-Geschichte.
Die beiden Hauptprotagonisten Rosalie und René wurden mir leider nicht so recht sympathisch, was vermutlich daran lag, dass das Augenmerk des Buches auf die Dialoge gelegt wurde und nicht auf Gedanken der Figuren. Da konnte auch die abwechselnde Erzählperspektive zwischen den beiden nichts dran ändern, dass für mich beide Charaktere leider recht flach blieben und irgendwie etwas „unfertig“ erschienen. Auch die Nebenfiguren wirken ein wenig, als hätten sie mit Macht einen Stempel von der Autorin aufgedrückt bekommen: Melina, die sich vor Verehrern nicht retten kann; Rocco, der unnahbare aber so coole Typ aus München; Björn, der dank seines Aussehens sofort auf den Spitznamen „Segelohr“ reduziert wird. In meinen Augen ist das leider alles etwas zu sehr klischee-beladen, als dass es wirklich zusammenpassen würde.

Fazit:
Die Grundidee zur Neuzeit-Dornröschen-Geschichte ist durchaus gelungen und wurde interessant umgesetzt. Leider haben mir der Sprachstil der Autorin und der gewollte Teenie-Slang gar nicht zugesagt und den Lesespaß dadurch etwas verdorben. Ich gebe 3 von 5 Bücherstapel.
Ein herzliches Dankeschön an den Arena Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Die Idee klingt ja sehr nett, aber das mit der Sprache kann ich verstehen.
    Ich hatte da schon bei "Erebos" meine Probleme, obwohl ich den Roman sonst sehr gut fand. Aber da ich schon mal etliche Seiten gebraucht, ehe ich mit der Sprache klarkam - und bei diesem Buch hier scheint das noch deutlich extremer zu sein.

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  2. schöner Blog, werd dich mal verfolgen. schau doch bei mir vorbei, wenn du Lust hast ;) LG, Sandrina

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