Freitag, 4. März 2011

"Dunkle Wasser" - Mary Jane Beaufrand

Coppenrath Verlag, 2011
12,95 €

Handlung:
Am Ende der Welt, so fühlt sich Veronica, als sie mit ihren Eltern von Portland ins ländliche Oregon zieht. Das Gefühl der Einsamkeit verstärkt sich durch die Geräuschkulisse des Santiam, des reissenden, wilden Flusses, der direkt hinter ihrem Haus entlangfliesst und der zu einem düsteren Soundtrack in Veronicas neuem Leben wird. Zum Glück ist da Karen, das kleine Mädchen aus der Nachbarschaft, auf das Veronica manchmal aufpasst und die für sie immer mehr zu einer Schwester wird. Doch dann findet sie eines Tages Karens leblosen Körper am Ufer des Santiam und nichts ist mehr, wie es war. Veronica kann nicht glauben, dass das Mädchen einem Unfall zum Opfer gefallen ist, und fühlt sich verpflichtet, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Besessen davon, Karens Tod aufzuklären, dringt sie immer tiefer in die Wälder rund um den wilden Fluss vor. Sie ahnt nicht, welch dunkles Geheimnis sich in seinen Tiefen verbirgt. Und schon bald schwebt Veronica selbst in höchster Gefahr.

Meine Meinung:
Eines Tages entdeckt Veronica die Leiche der kleinen Karen im Fluss. Sie und Karen waren befreundet, obwohl Karen erst 10 war und damit einige Jahre Altersunterschied zwischen ihnen lagen. Für Veronica bricht im ersten Moment eine Welt zusammen, war Karen doch ihr einziger fester vertrauter Punkt in der neuen Umgebung, in die Veronica erst vor kurzem mit ihrer Patchworkfamilie gezogen ist. Nun will sie mit aller Macht versuchen, herauszufinden, was mit Karen passiert ist.
Die erste Hälfte des Buches hat mir sehr gut gefallen. Mit wunderbaren eindringlichen Worten gelingt es der Autorin, ein glaubhaftes Bild davon zu entwickeln, wie sich eine ca. 16-Jährige (auf so alt schätze ich Veronica) mit dem Tod ihrer kleinen 10-Jährigen Freundin auseinander setzen zu versucht. Trotz des Altersunterschieds kommt die Freundschaft, von der vor allem in Rückblenden erzählt wird, daher glaubhaft rüber.
Das „Problem“ des Buches wurde für mich leider ab der Hälfte des Buches offensichtlich: die Geschichte verliert an Spannung, Reiz und gut gewählten Beschreibungen. Plötzlich ist nicht mehr die Frage nach dem Tod von Karen bedeutend, sondern eine Party, der Schwarm aus der Schule, die Freundin, die sich merkwürdig verhält. Tatsächlich stellt sich am Ende heraus, dass alles irgendwie zusammenhängt, doch für mich hat dieser Umschwung im Buch auch zu einem kleinen Umschwung meines Interesses geführt. Die Eindringlichkeit und die Schilderung der besonderen Atmosphäre der Gegend und des Flusses, die am Anfang der Geschichte wunderbar geschildert wurden, gingen für mich auf dem Weg zur Aufklärung des Mordes verloren. Auch den Begriff „Thriller“, der groß unter dem Titel prangt, finde ich für die Geschichte von Karen und Veronica zuviel des Guten, das trifft es nicht. Das lässt den Leser von Beginn an mit einer gewissen Erwartungshaltung anfangen zu lesen, die in meinen Augen nicht erfüllt wird; und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich nach dem Lesen des Klappentextes etwas ganz anderes an Story erwartet habe. Etwas mehr Spannung, Überraschung, Action. Stattdessen kommt „Dunkle Wasser“ gänzlich ohne fantastische oder übersinnliche Elemente aus, und das wiederum finde ich geradezu erfrischend in der Fülle der Fantasy-lastigen Bücher, die momentan so auf dem Markt sind. Es ist eine Geschichte über Menschen und eine Tat, die von Menschenhand begangen wurde.
Einen weiteren kleinen Kritikpunkt habe ich noch, der jedoch mit der Geschichte gar nichts zu tun hat, sondern eher an den Verlag geht: leider gibt das ganze Buch, weder Klappentext noch Umschlagseiten, Informationen über die Autorin bekannt. Das finde ich schade, denn für mich gehört es zum Lesen dazu, auch etwas über den Schreiber zu erfahren, Details aus dessen Leben, die das Buch, das ich in den Händen halte, vielleicht sogar in einem ganz anderen (autobiografischen) Kontext erscheinen lassen. Eine kurze Beschreibung, um wen es sich bei Mary Jane Beaufrand handelt, hätte ich daher gern gesehen.

Fazit:
„Dunkle Wasser“ ist ein gut geschriebenes Buch über den Verlust einer Freundin. Die Autorin findet die richtigen Worte im richtigen Ton, um darzustellen, wie sich Veronica fühlt. Leider geht dieser eindringliche Sprachstil und die Spannung der Geschichte jedoch zum Ende des Buches hin etwas verloren, sodass mich das Ende recht unberührt gelassen hat, was ich schade finde. Von mir gibt es daher 3 von 5 Bücherstapel.
Ein herzliches Dankeschön an den Coppenrath Verlag und insbesondere an Frau Klinkert für das Rezensionsexemplar!

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