Freitag, 25. Februar 2011

"Das verschollene Pergament" - Henri Loevenbruck

Knaur Verlag, 2011
9,99€

Handlung:
Ari Mackenzie ist Spezialist für Sekten und Verschwörungen bei der Pariser Polizei. Als er seinen Freund Paul aufsucht, findet er dessen grausam zugerichtete Leiche vor: Der Schädel wurde durchbohrt, das Hirn verflüssigt. Doch dies ist nur der Auftakt zu einer Serie von bizarren Morden. Offenbar stehen sie alle mit einer jahrhundertealten Geheimloge und einem verloren gegangenen Pergament in Zusammenhang. In diesem Manuskript fehlen dreizehn Seiten – genauso viele, wie die Loge Mitglieder hat …


Meine Meinung:
Der Klappentext verspricht einen Mysterythriller „für die Fans von Dan Brown, Scott McBain und Jean-Christophe Grangé“. Dem kann ich leider nicht voll zustimmen, diesen Roman würde ich nicht auf eine Stufe mit beispielsweise „Illuminati“ oder „Die pupurnen Flüsse“ stellen.
Zunächst beginnt dieser Thriller recht langsam und will nicht so recht in Schwung kommen. Auf den ersten gut 200 Seiten passiert leider nicht wirklich viel, das mich als Leser fesselte, auch trotz der Morde, die in verschiedenen Städten Frankreichs begangen werden. Ari Mackenzie, Sekten- und Verschwörungsspezialist bei der Pariser Polizei, erkennt nach einigem Hin- und Her, dass diese Morde einen bestimmten Zweck erfüllen: der Täter ist auf der Suche nach den sogenannten „Quadraten“, fehlenden Seiten aus einem Manuskript von Villard de Honnecourt aus dem 13. Jahrhundert.
Die Idee des Buches ist ohne Zweifel spannend und auch interessant umgesetzt, auch wenn Henri Loevenbruck das Rad nicht neu erfindet. Ari Mackenzie ist ein gut gezeichneter Charakter mit Ecken und Kanten, der nicht sofort als Superheld erscheint.
Leider verliert sich der Autor in meinen Augen jedoch etwas zu sehr in Beschreibungen und Gedankengängen, die für die eigentliche Handlung gar nicht von Relevanz sind. Das nimmt den ganzen Geschehnissen irgendwie die Spannung- immer wieder wird die Handlung durch langwierige Ausführungen über alte Geheimlogen (die jedoch mit der vom Protagonisten Ari gesuchten gar nichts zu tun hat) oder Entdeckungen, alten Schriften oder auch Nazi-Verbindungen ausgebremst. Mich als Leser hat es auch nicht sonderlich gereizt, mehrere Telefonat-Inhalte von Ari mitzulesen, die einfach zu keinem Ergebnis führen und Ari nicht weiterbringen. Das mag zwar vielleicht der tatsächlichen langen und schwierigen Polizeiarbeit in der Realität entsprechen, aber gerade bei einem Mysterythriller verlangt der Leser in mir nach etwas mehr Spannung, mehr Abwechslung, mehr Überraschungen. Die kamen hier einfach zu kurz. Dafür geht der Autor sehr ins Detail, was Beschreibungen von Personen und deren bisheriges Leben betrifft. Das ist bei der Hauptfigur Ari noch interessant, auch bei Lola, seiner – sozusagen – langjährigen Flamme, die mir recht sympathisch war. Aber der Autor geht auf jeden der auftauchenden Charaktere sehr ein, sogar die Opfer bekommen über mehrere Seiten noch die Möglichkeit, ihr Leben zu reflektieren und sich zu überlegen, was jetzt mit ihnen geschehen wird, bevor der Mörder dann ans Werk geht. Auch Gedankengänge oder schlichte Handlungen (über die Straße gehen, sich einen Whisky einschenken, sich in der Wohnung umsehen etc.) werden sehr ausführlich geschildert, und das wurde mir irgendwann einfach etwas zu langatmig. Ich habe mich leider hier und da wirklich beim Seiten-Überblättern erwischt. Das Buch hätte in meinen Augen gut 200 Seiten kürzer sein können. Schade fand ich schließlich auch, dass durch die wechselnde Erzählperspektive die Handlung auch aus Sicht des mordenden Täters berichtet wird und man dadurch schon recht früh sehr viel über den Mörder und seine Motive erfährt. Ein weiterer Spannungskiller, in meinen Augen.


Fazit:
Bei „Das verschollene Pergament“ handelt es sich durchaus um einen solide geschriebenen und historisch gut recherchierten Roman, dem jedoch ein wenig die Spannung und das „Mitreißende“ fehlt. Ich hätte mir mehr Augenmerk auf den Punkt „Mystery“ gewünscht. Mit viel Wohlwollen vergebe ich daher 3 von 5 Bücherstapel.
Ein herzliches Dankeschön an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.

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