Dienstag, 21. November 2017

"Giftflut" - Christian v. Ditfurth

carl´s books, 2017
15,00 Euro


Handlung:

Ein Sprengstoffanschlag auf die Oberbaumbrücke erschüttert Berlin. Es gibt Tote und Verletzte. Auch in Paris und London explodieren Brücken. Es folgt Anschlag auf Anschlag. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Täter hinterlassen keine Spur und keine Botschaft. Klar ist nur: Jemand führt Krieg gegen Europa. Die Politik verfällt in Panik, die Bevölkerung lebt in Angst, es kommt zu Übergriffen auf Minderheiten und Flüchtlinge. Rechtsparteien werden stärker. Aktienmärkte und Wirtschaft stürzen ab. 
Mit hoher Schlagzahl jagt Christian v. Ditfurth seinen Berliner Hauptkommissar Eugen de Bodt durch ein Land am Abgrund. De Bodt wirft alle Regeln über den Haufen, ermittelt hart am Rand der Legalität und darüber hinaus. Mit seinen Kollegen Silvia Salinger und Ali Yussuf verfolgt er Spuren im In- und Ausland.
Eugen de Bodts dritter Fall spielt in einer Welt, die sich auflöst. Alle Gewissheit schwindet. Eherne Regeln werden zertrampelt. Moral ist Ballast, Recht ein Störfaktor. In einer entfesselten Welt braucht es neue Ideen, um Ideale zu bewahren. Und um Gewalttäter zu fassen.


Meine Meinung:
Vorneweg muss ich sagen, dass ich dieses Buch ungefragt als Leseexemplar für eine Rezension erhalten habe - andernfalls hätte mich dieses Buch wohl nie als Leser gewonnen. Zum einen entspricht die Inhaltsangabe nicht unbedingt meinen Leseinteressen, zum anderen mag ich es überhaupt nicht, in einer Buchreihe mittendrin im dritten Teil zu beginnen, ohne die beiden Teile davor zu kennen. Hier bei "Giftflut" hatte ich nun nicht wirklich eine andere Wahl, als mich dennoch direkt in die Geschichte fallen zu lassen - und ja, es geht durchaus, man muss nicht zwingend die Teile 1 und 2 kennen, um Teil 3 zu lesen. (Angenehmer ist es natürlich trotzdem!)
Nun, "Giftflut" ist topaktuell, was die momentane politische und gesellschaftliche Lage betrifft. Anschläge, Explosionen, Angst und Schrecken überall. Mittendrin der ziemlich eigenwillige Eugen de Bodt, seines Zeichen Berliner Hauptkommissar und obendrein "gesegnet" mit ein paar Schrullen und Macken. An und für sich mag ich schillernde Personen in Büchern mal ganz gern; Figuren, die aus der Reihe tanzen, die für den Leser nicht gleich vorhersehbar sind. Das ist Eugen allemal, so besserwisserisch und eigenbrötlerisch wie er ist. Dennoch - oder gerade deswegen - ist er Geschmackssache. Hier in diesem Buch haben er und seine Art zu ermitteln, ganz gut gepasst, aber zugleich kam ich nicht umhin, manches zu hinterfragen. Warum nur er den Durchblick haben soll und alle anderen unfähigen Ermittler so inkompetent und stümperhaft sein sollen, hmnja... 
In angenehm kurzen Kapiteln, die einladen, gleich noch eins und noch eins und noch eins hinterher zu lesen, kann man die Geschehnisse in mehreren Erzählsträngen rund um den Globus verfolgen. Auch in die Perspektive der Täter kann man eintauchen. Ich fand die Erzählung spannend, leider angesichts der heutigen Zeiten auch glaubwürdig und stimmungsreich. Die Geschehnisse schwingen definitiv noch eine Weile nach, selbst wenn man das Buch ausgelesen zuklappt.
Aber ob mir dieses Buch Lust auf weitere Teile um Eugen de Bodt gemacht hat? Nun ja, eher nicht. 

Dienstag, 7. November 2017

"Die Lichter von Paris" - Eleanor Brown

Insel Verlag, 2017
14,95 Euro


Handlung:
Nach außen scheint alles perfekt. Madeleine ist mit einem erfolgreichen Geschäftsmann verheiratet, sie hat ein schönes Zuhause in Chicago und keine finanziellen Sorgen. Dennoch ist sie nicht glücklich: Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter ist sie gefangen in einem Leben, das aus gesellschaftlichen Verpflichtungen besteht; die eigenen Träume
sind auf der Strecke geblieben.
Als Madeleine eines Tages auf dem Dachboden ihres Elternhauses die Tagebücher ihrer Großmutter entdeckt, erfährt sie Unglaubliches: Die strenge, stets auf Etikette bedachte Großmutter Margie war einst eine lebenslustige junge Frau, die der Enge des Elternhauses nach Europa ins wilde Paris der 20er Jahre entfloh, um frei und unabhängig als Schriftstellerin zu leben. Dort verliebte sie sich in einen charismatischen jungen Künstler und verbrachte einen glücklichen Sommer in der Pariser Boheme ...
Von Margies Geschichte ermutigt, fasst sich Madeleine endlich ein Herz, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen …


Meine Meinung:
Hach, ein schönes Schmökerbuch für ein Herbstwochenende... Mir hat "Die Lichter von Paris" von Eleanor Brown wirklich gut gefallen. Auf zwei Erzählebenen taucht man in die Geschichte zweier Frauen (Großmutter Margie und Enkelin Madeleine) ein, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit der Erfüllung ihrer Lebensträume zu kämpfen haben. Während Margie in einer für Frauen noch recht schwierigen Zeit aufwächst, wenn es um Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit geht, stehen Madeleine dafür eigentlich alle Türen auf. Zumindest fast, denn was sie zurückhält, sind die Vorstellungen und Erwartungen ihrer Familie, besonders ihrer Mutter und ihres Mannes. Beide möchten Madeleine eigentlich nach ihren eigenen Vorstellungen der "perfekten" Ehefrau und Tochter formen, und Madeleine lässt dies jahrelang auch mit sich machen. Anfangs hatte ich daher so meine Probleme mit der Figur Madeleine, weil sie so passiv ist und alles erduldet, auch wenn es in ihr eigentlich brodelt. Ob es um Termine geht, die ihr aufgezwungen werden; Kleider, die sie tragen soll; Dinge, die sie essen darf - ihr Leben wird von anderen bestimmt, und das hat mich als Leserin richtig unruhig gemacht. Als Madeleine dann zufällig auf die Tagebücher ihrer Großmutter Margie stößt, ändert sich ihre Weltsicht und sie hinterfragt die Dinge, die sie nicht machen will, aber soll. Margie, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vor ähnlichen Problemen mit den Erwartungen ihrer Familie stand, aber für zumindest eine kurze Zeit diesen Vorstellungen für ein wunderbares Abenteuer nach Paris entkommen konnte.
Ich habe die Geschichte beider Frauen sehr gern gelesen, weitestgehend empfand ich sie auch als nachvollziehbar und echt. Leider haben mir dennoch ein paar erklärende Punkte gefehlt, die vor allem Margies Leben und Wandlung betreffen. Zuviel verraten möchte ich nicht, aber Margie macht eine Veränderung durch, die für mich anhand der beschriebenen Punkte nicht ganz nachvollziehbar war. Auch Madeleine macht eine Veränderung durch, die ich ihr jedoch gönne und um die ich froh bin - denn vorher war sie in meinen Augen zu passiv, zu leblos, zu wenig Madeleine.
"Die Lichter von Paris" ist eine schöne Leseempfehlung für alle, die diese gelegentliche Unsicherheit in eigenen Lebensentscheidungen kennen, die sich gern mal lenken lassen, sich aber zugleich fragen, ob es nicht noch viel mehr gibt: mehr zu entdecken und mehr zu leben. Ein Buch mit einer schönen Botschaft, die einen zum Nachdenken bringen kann.

Donnerstag, 2. November 2017

"Ein Mann der Tat" - Richard Russo

Dumont Buchverlag, 2017
26,00 Euro



Handlung:

Eigentlich sollte das Memorial-Day-Wochende für alle Bewohner von North Bath eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Aber in diesem Jahr ist es, als hätte jemand ungebeten die Büchse der Pandora geöffnet. Chief Raymer, der Leiter der Polizeidirektion, kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully hat alle Hände voll damit zu tun, eine schwere Krankheit vor den Menschen, die er liebt, zu verheimlichen. Und zu allem Übel ist auch noch eine illegal gehaltene Giftschlange entwichen und irgendwo in den Straßen der Kleinstadt an der Ostküste unterwegs.
Chief Raymer, dem es eigentlich am liebsten ist, wenn die Dinge so bleiben, wie sie immer waren, wird aktiv: Er schreitet zur Tat, um wieder Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. Und um dem Mann auf die Schliche zu kommen, der ihn gehörnt hat. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt müssen an diesem Wochenende Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen ...



Meine Meinung:
Müsste ich "Ein Mann der Tat" in nur einem Wort zusammenfassen, dann wäre es wohl tatsächlich "langatmig". Glücklicherweise habe ich viel mehr Worte zur Verfügung, um dieses doch eher negativ angehauchte "langatmig" zu entkräften und in eine andere Perspektive zu rücken. Um zu erklären, wie ich das meine. Denn die Geschichte ist langatmig, ja doch, das finde ich durchaus. Ich habe eine ganze Weile für das komplette Buch gebraucht, habe auch mittendrin immer wieder Pausen gemacht, es mal mehrere Tage komplett weggelegt, in der Zwischenzeit ein anderes Buch gelesen. Aber - ich bin immer wieder zu "Ein Mann der Tat" zurückgekommen. Und das ist nicht so selbstverständlich bei langatmigen Büchern, wenn ich noch zig andere ungelesene Bücher daneben liegen habe.
Warum also? Warum habe ich es schließlich doch zu Ende gelesen? Das liegt an einer Mischung aus tollen Einfällen, einem unvergleichlichen Sprachstil und der Liebe zu seinen Figuren, die Richard Russo hier wohl ohne Probleme fast 700 Seiten hat füllen lassen. Ich habe selten eine solche detailverliebte Schilderung von Figurenkonstellationen, Personen und deren Eigenheiten gelesen. Richard Russo lässt jedem, aber wirklich jedem seiner Darsteller in seinem Buch Platz und Raum und Zeit, zum Sich-Entfalten, zum Sich-Entwickeln, einfach zum Sich-Äußern. Als Leser bekommt man so genaue Einblicke in deren Leben mit ihren Vorgeschichten, mit all den Schwierigkeiten, Freuden, Höhepunkten und Niederschlägen, um die es aktuell geht. Das hat mich sehr beeindruckt, muss ich sagen. Es ist ungewöhnlich, und es dauert nun mal seine Zeit, bis man sich da durch die Kapitel gelesen hat (Stichwort: langatmig). Aber ich habe nicht eine einzige Seite bereut, sondern vielmehr genossen.
Mittendrin findet man immer mal ganz tolle Sätze, die man erstmal nachschwingen lassen muss; so eine kleine Weisheits-Perle mitten in einem langen Absatz. Toll! Die Story an sich ist gar nicht mal so umfangreich, zusammengefasst passt sie wohl auf eine Seite. Und vor allem ist "Ein Mann der Tat" eine Art Fortsetzung um die Geschehnisse im Örtchen North Bath, um das es bereits in "Ein grundzufriedener Mann" (ebenfalls Dumont Verlag) ging. Das wusste ich vorher nicht, ich kenne auch dieses Vorgänger-Buch nicht, aber "Ein Mann der Tat" kann man problemlos ohne Vorwissen lesen und verstehen. Und das würde ich hiermit auch allen, die sprachlich begeisternde, einen ganzen Ort und seine Bewohner umfassende Romane mögen und dabei ein bisschen Zeit und Ausdauer beim Lesen mitbringen, sehr empfehlen.

Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Buchverlag!

Dienstag, 31. Oktober 2017

"Selbstzerstörungsaktivierung" - Daniela Rohr

Kindle Edition, 2017
ebook: 2,00 Euro

(als Taschenbuch: 5,00 Euro)

-> Teil 4 aus der Reihe "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All"

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Handlung:
Kein Sprit, kein Kaffee und keine Rettung in Sicht. Auf halber Strecke zum nächsten Ziel geht der Titanicus der Saft aus und die provisorische Crew – bestehend aus Kiki, Max und Pieh – muss improvisieren, um nicht wochenlang durchs All zu driften. Ein abenteuerlicher Plan zur Selbsthilfe ist schnell gefasst. Alles, was es dazu braucht, sind eine selbstmörderische Außenmission und die Bereitschaft, reihenweise Gesetze zu brechen. Ein bisschen Sachverstand, Erfahrung und Besonnenheit wären mindestens genauso wichtig, doch Kiki und ihre Gefährten müssen sich wohl einfach auf ihr Glück verlassen.


Meine Meinung:
Kiki ist wieder da - allerdings nicht wirklich in Hochstimmung, denn ihr Kaffeevorrat ist leider schon vor diversen Kapiteln ausgegangen und das wirkt sich alles andere als positiv auf ihre Stimmung und ihre Reizbarkeit aus. 
Teil 4 von "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All" ist also erschienen. Ich muss gestehen, mir war die Pause zwischen Teil 3 und 4 ein bisschen zu lang, ich hatte schlicht und einfach nicht mehr genau auf dem Schirm, was zuletzt so passiert ist. Bei Kiki und ihrer weltraumabenteuerlichen Reise passiert ja aber eine ganze Menge, daher kam mir die Kurzzusammenfassung am Anfang von Teil 4 sehr gelegen. Auch Teil 4 hat mich wieder durch den Wortwitz, die kurzweiligen Kapitel-Episoden und vor allem die Aneinanderreihung von irrwitzigen Ideen und Einfällen überzeugt. Zu Beginn dieser "Buchreihe" habe ich ein bisschen daran gezweifelt, ob Daniela Rohr wirklich genügend Material und Inhalte findet, um damit 11 geplante Episoden (!!) zu füllen, aber mittlerweile mache ich mir da keine Sorgen mehr. Jede Episode ist wie eine Folge einer kleinen Soap Opera im Weltall, herrlich durchgeknallt und nicht ganz so ernst zu nehmen - dennoch aber beeindruckend, weil Daniela mit einer Leichtigkeit abstruse Science-Fiction Einfälle mit physikalischen Elementen und teils derbem Wortwitz verpackt - und am Ende klingt das alles wunderbar logisch und durchaus so, dass man es mit einem Kopfnicken hinnimmt! Wenn Kiki mal eben die Technik und Elektronik checkt und sich dann ins Shuttle schwingt - ja, genau so muss das sein! Und genügend Herzschmerz und Missverständnisse und Irrungen und Wirrungen wie in einer TV-Soap gibt´s auch allemal. Teil 4 hat mir auch inhaltlich ziemlich gut gefallen, weil hier ein Problem im Vordergrund steht, das Kiki, Max und Pieh zumindest halbprofessionell angehen, um sich zu retten. Ein Kompliment an dieser Stelle übrigens mal an die Namensgebung der Figuren, die haut mich manchmal echt weg. Ich schätze, auch wenn er im Buch leider kein echter Held ist, den Namen Krass Pauer werde ich eine Weile gedanklich in Ehren halten, einfach, weil er so echt daherkommt ;)

Ich freue mich auf die Fortsetzungen!


Dankeschön an Daniela für die neue Episode rund um Kiki!

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