Sonntag, 6. August 2017

"Ein angesehener Mann" - Abir Mukherjee

Heyne Verlag, 2017
9,99 Euro

Handlung:

Kalkutta 1919 – die Luft steht in den Straßen einer Stadt, die im Chaos der Kolonialisierung zu versinken droht. Die Bevölkerung ist zerrissen zwischen alten Traditionen und der neuen Ordnung der britischen Besatzung.

Aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, findet sich Captain Sam Wyndham als Ermittler in diesem Moloch aus tropischer Hitze, Schlamm und bröckelnden Kolonialbauten wieder. Doch er hat kaum Gelegenheit, sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Denn ein Mordfall hält die ganze Stadt in Atem. Seine Nachforschungen führen ihn in die opiumgetränkte Unterwelt Kalkuttas – und immer wieder an den Rand des Gesetzes.



Meine Meinung:
"Ein angesehener Mann" ist ein perfekter Roman für lange Lesestunden, für all jene, die sich für die indische Geschichte interessieren, mit Fokus auf die Kolonialzeit Anfang des 20. Jahrhunderts. 1919 wird in Kalkutta ein wichtiger Verwaltungsbeamter ermordet und der englische Polizist Sam Wyndham soll diesen Fall lösen. 
Als Leser begleitet man Wyndham nicht nur bei der Spurensuche und den Ermittlungen, sondern bekommt auch vielfältige Einblicke in die indische Kultur, in das Leben zur damaligen Zeit unter britischer Herrschaft, in Land und Leute. Und das hat mir an sich sehr gut gefallen, denn ich weiß wenig über Indien, muss ich gestehen. Gerade historische Fakten sind mir da nicht geläufig und so hat mir diese Geschichte auch jede Menge Informationen geliefert über die Standesunterschiede, über Rechte und Missstände in der Bevölkerung. Und noch dazu auf eine sehr interessante und auch unterhaltsame Art und Weise geliefert, denn Abir Mukherjee kann wirklich sehr gut schreiben. Er schafft es, die Hitze, die Farben, die Gerüche, ja, die ganze indische Vielfalt Gestalt annehmen zu lassen in seinen Beschreibungen. Er verliert sich manchmal ganze Abschnitte lang in Beschreibungen, die aber so treffend und gut gelungen sind, dass sie einem Film über das Geschehen in nichts nachstehen würden. Während mich dieser Sprachstil einerseits sehr begeistert hat, ist er für mich zugleich so ziemlich der einzige Kritikpunkt der Geschichte: mir wurde das Buch an mancher Stelle leider ein wenig zu langatmig. Das Buch hat über 500 Seiten und für mein Empfinden hätte es gut 150 Seiten kürzer sein können. Manchmal hat mich diese Sprachgewalt, dieser Erzählreichtum ein wenig erdrückt und gelähmt beim Lesen. Hier und da habe ich eine Seite überblättert, und bin dennoch immer wieder gut in die Geschichte hinein gekommen.
Fazit: Eine spannende Geschichte über Spurensuche und Ermittlungsarbeit im Kalkutta 1919, mit einem sympathischen und vor allem "echten" Ermittler, über den man durchaus mehr lesen wollen würde - und auch kann, denn soweit ich mitbekommen habe, wird es eine Reihe um Sam Wyndham geben. Er und sein Sergeant Banerjee sind definitiv lesenswert. Letztlich ist mir die Fülle der Geschichte und der Beschreibungen jedoch einen Tick zu langatmig geworden.


Freitag, 4. August 2017

Blitzlicht #3: Man sieht sich immer zweimal im Leben

So ein abgedroschener Spruch. Dachte ich immer. Und dann steht da plötzlich eine Person vor einem, von der man dachte (und befürchtete), man würde sie nie wieder sehen. 
So ging´s mir diese Woche. Da war plötzlich wieder jemand da, den ich von früher (er)kannte und der einiges bei mir ausgelöst hat. Damals und heute, beziehungsweise als ich neulich merkte "Oha, den kennst du." Und auch jetzt beschäftigt mich dieses unerwartete Wieder-Aufeinandertreffen immer noch. Ich will hier gar nicht ins Detail verfallen, denn die Vorgeschichte dazu aufzuschreiben, würde ewig dauern und hat mich ohnehin schon so viele Minuten und Stunden meines Lebens beschäftigt. Aber weil es eben eine Person ist, die mir irgendwann nicht mehr ganz egal war, sitzen die Gedanken an damals (und eben plötzlich auch an heute) doch noch tief irgendwo da oben im Gehirn drin. Diese Gedanken beinhalten viele Warum´s und vor allem Warum-nicht´s und wenn und aber und hach´s. So ist das halt manchmal. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennen lernt und wer einem im Kopf bleibt. Und da selbst nach Jahren noch drin ist. 
So gesehen waren die letzten Tage für mich ein ziemliches emotionales Auf und Ab, und mit einem fetten "Ab" endete genau diese unerwartete Begegnung heute leider auch. Ich kam mir kurz vor wie Hugh Grant in "Tatsächlich Liebe"...



Ja, doch, ungefähr so. Wie blöde.

Warum ist das so? Dass man manchmal gedanklich so an alten Sachen festhält und drin hängt? Manche Menschen können sowas ja sehr gut, sich selbst gedanklich aufräumen und sich von Dingen lossagen, die sie nicht mehr im Kopf haben wollen. So Meditations-mäßig. Ich kann sowas nicht. 
Manchmal will ich es aber - zugegeben - auch gar nicht. Manchmal mag ich es, Erinnerungen an Dinge zu haben, die mir auch nicht so schöne Zeiten beschert haben in meinem Leben. Erinnerungen an Dinge, die ja schließlich auch zu meinem Leben dazu gehören. Und die - so war es zumindest in Bezug auf die genannte Person - ja irgendwie auch mit so vielen guten Momenten verknüpft sind, rückblickend. Und die es mir dann eben beispielsweise ermöglichen, diesen Spruch "Man sieht sich immer zweimal im Leben" wahr werden zu lassen. Auch, wenn ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte.

Ich hab Gedankenknoten und - wirrwarr im Kopf, das merkt man vielleicht auch. Warum ich das hier eigentlich geschrieben habe? Keine Ahnung. Das wollte irgendwie gerade eben mal raus. Beim nächsten Mal schreib ich wieder was Buch-bezogenes, versprochen.


Montag, 10. Juli 2017

Blitzlicht #2: Von keiner Zeit, keiner Lust, Facebook und Clueso

Huhu! Mich gibt es dann tatsächlich doch noch, auch wenn der Blog hier seit Wochen anderes vermuten lässt. Ich sag´s ganz ehrlich: ich hab einfach ÜBERHAUPT keine Lust, übermäßig viel Zeit am Laptop oder auch Handy zu verbringen und hier was zu schreiben. Bloggen. Bei mir ist da gerade die Luft raus, aber ich kann mich dennoch nicht dazu durchringen, das Ganze hier aufzugeben. Ich lese, ja. Und ich denk mir nach dem Zuklappen auch häufig, dass ich dieses oder jenes dazu loswerden will oder könnte. Aber mich dann an eine Rezension zu setzen? Da schreien alle Motivations-Lichter und - Glöckchen in meinem Kopf "Ach nö! Bloß nicht!" Und dann bleibt es halt. Vielleicht führe ich eine neue Form der Rezension ein: nach jedem Buch nur einen Satz zu dem Buch zu schreiben. Mal sehen, ob ich das durchsetzen kann ;)

Ich habe mich eben mal bei Facebook rauf- und runtergescrollt - etwas, was mich mittlerweile fast immer unglaublich nervt, weil so viele so viel Müll posten und liken und teilen, pfff. Daher auch etwas, was ich eigentlich nur noch selten tue. Außerdem ist das so ein Zeitphänomen-Ding: wenn man sich echt mal hinreißen lässt und sich da so durchscrollt und dann beim nächsten Mal aufschaut und auf die Uhr sieht, sind für gewöhnlich gleich mehrere Minuten vergangen. Und irgendwie ist mir das zu schade um meine Zeit. Tja, aber wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen?... Ach ja, Facebook hat mir mitgeteilt, dass ich mein Profil seit 58 Wochen nicht mehr aktualisiert habe, sprich: nix gepostet habe. Das spricht wohl auch schon für sich. (Oder gegen Facebook?) Irgendwie ist es mir trotzdem völlig egal und dass ich da überhaupt daran erinnert werde, find ich auch gerade total schräg. Ich meine, ich bin doch nicht dazu verpflichtet. Und jetzt erinnert mich irgendetwas virtuelles daran, als gäbe es eine Mindestanzahl an Posts, die man im Jahr abarbeiten muss. Und ich hab mein Soll nicht erreicht. Facebook, ich mag dich irgendwie nicht...

Ich hätt jetzt aber auch nichts, was ich groß bei Facebook posten könnte. Bei mir steht nicht mal ein Urlaub ins Haus (verdammich!). Ich glaube, als ich das letzte Mal dieses Blitzlicht-Dingens hier geschrieben habe, war das noch vor dem Beginn meines neues Jobs (also schon ne Weile her). Denn neu ist der Job jetzt schon gar nicht mehr, sondern schon über 3 Monate alt und meine Probezeit ist damit auch schon fast wieder gegessen. Tatsächlich (falls das hier irgendjemanden interessiert) mach ich den Job gern und find ihn total interessant. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben, das Team ist toll und ich bedauere jetzt schon, dass es nur ein Job für 1 Jahr als Elternzeitvertretung ist. Schade. Das heißt für mich, dass die große Jobsucherei schon bald wieder aufs Neue losgehen kann - etwas, was ich in den letzten Jahren definitiv zu häufig machen musste. Immer nur Jobverträge für eine umschriebene Zeit, mal Drittmittel-finanziert, mal nur befristet für 1 Jahr; ich kenne mich damit leider schon viel zu sehr aus...

Der Job hat den (nicht) netten Nebeneffekt, dass ich nachmittags ein bisschen mehr Zeit habe, was ich (mein Schweinehund lässt grüßen) eigentlich für meine Doktorarbeit nutzen könnte (wenn ich denn wollte.) (Meistens will ich nicht.) Auch so eine Sache wie der Blog hier: Das Ganze läuft und funktioniert nun mal leider nur mit Zeit, Motivation und Enthusiasmus. Und wenn das eine (nämlich die Zeit) da ist, fehlt für gewöhnlich das zweite, nämlich die Motivation. Das dritte wurde übrigens schon eine ganze Weile nicht mehr bei mir gesichtet. :o 
Naja. Guter Vorsatz im Hinterkopf halt. 

Übrigens, mal was musikalisches an dieser Stelle. Zur Zeit und in naher Zukunft bringen erfreulich viele Leute und Bands, die ich mag, neue Alben raus und kündigen Touren an. Yippie! Nachdem ich schon so manche Konzerttermine in diesem Jahr abblasen und auslassen musste, weil die doofe Vernunft über den Spaß gesiegt hat, hoffe ich, dass sich in den nächsten Monaten nochmal ein paar neue Chancen auftun. Tickets für den Herrn Sheeran nächstes Jahr zumindest hab ich schon mal sicher. Und: Eigentlich bin ich bisher kein großer Clueso-Fan gewesen. Zumindest hab ich ihn nicht so gehört. Kannte eigentlich auch nicht viel von ihm. Aber mit seinem aktuellen Lied spricht er mir so aus der Seele, dass ich nicht anders kann, als ihm anerkennend zuzunicken und sein Liedchen ganz laut aufzudrehen. Könnt ihr ja auch machen: ;)




Schöne Woche!

Montag, 19. Juni 2017

"Caraval" - Stephanie Garber

ivi Verlag, 2017
14,99 Euro


Handlung:
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...


Meine Meinung:
Es ist jetzt schon ein paar Tage her, dass ich "Caraval" gelesen habe und ich muss sagen, dass ich mittlerweile echte Probleme habe, mich an die Figuren, deren Namen und große Teile der Handlung zu erinnern. Das spricht wohl eher dafür, dass "Caraval" gar nicht so sehr viel Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Wobei das so gar nicht unbedingt stimmt. Ich hab es gern gelesen, es hat Spaß gemacht, in die Geschichte von "Caraval" einzutauchen, aber irgendwie ist es mir nicht im Kopf geblieben. Das mag daran liegen, dass ich die Figuren einfach nicht eindrucksvoll genug fand. Gerade Scarlett war mich völlig farblos und ohne eigenen Willen und Charakter. Sie läuft die ganze Zeit nur anderen hinterher und wirkt unendlich hilflos und abhängig. Das fand ich echt schade, zumal es auch nicht besser wird, selbst als sie mit Julian zu tun hat.
Dann hatte ich mir Caraval vielleicht auch einfach anders vorgestellt, bunter, abwechslungsreicher, mehr "zirkus-artig". Und das war es letztlich überhaupt nicht.
Leider blieben für mich hier letztlich aber auch zu viele Fragen und Hintergründe ungeklärt. Zum Beispiel, was das eigentlich für eine Welt ist, in der Scarlett und ihre Schwester leben. Was sind das für Ländernamen, spielt das ganze in der Zukunft? Wo kommt "Caraval" eigentlich her, warum fährt es herum und warum ausgerechnet dieses Jahr nicht? Solche Hintergrundinformationen haben mir hier einfach gefehlt, um ein besseres Gesamtbild zu bekommen. Dann mochte ich zwar das ganze Verwirrspiel, was in Caraval gespielt und gelebt wird - und die Tatsache, dass man auch als Leser nie so ganz weiß, was das jetzt eigentlich soll und was als nächstes kommt. Aber letztlich möchte man ja doch überrascht werden als Leser, und eben nicht nur verwirrt. Ich war am Ende verwirrt, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, manche Dinge und Zusammenhänge am Ende nicht verstanden oder vielleicht überlesen zu haben, und das stört mich.

"Caraval" ist in meinen Augen also eine gute kurzweilige Lektüre, die zumindest für mich jedoch zu viele Fragen ungeklärt lässt und letztlich zu wenig Eindruck hinterlässt.

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